Kaum wurde bekannt, dass Tamedia für sein Redaktionspersonal den neuen Status «Experte» einführen will, gab es auch schon Kritik. Das System führe zu einer Zweiklassengesellschaft innerhalb der Belegschaft, hiess es im März (persoenlich.com berichtete).
Im Juni läuft nun das Projekt an. 118 Redaktoren wurden als Experten in Gruppen zugeordnet: Recherche, Nachrichtenaufbereitung, Dossierkompetenz/Analyse, Reportage/Feature, Lokaljournalismus, Interview, Storytelling, Datenjournalismus, Community/User-Experience, Infografik, Video und Fotografie. Die Auserwählten erhalten bei Vollbeschäftigung einen Zuschlag von 500 Franken pro Monat, plus Spesen für Ausbildungszwecke in der Höhe von 2500 Franken, heisst es in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag. Eine Million Franken lasse sich Tamedia dieses Projekt kosten.
Die Aufgabe der Experten: Fachwissen aneignen, an Gruppentreffen teilnehmen und Wissen an Anlässen firmenweit vermitteln. Laut einem Intraneteintrag gehe es auch darum, die «Kompetenzentwicklung innerhalb der Organisation für die digitale Transformation» und den internen Know-how-Transfer zu beschleunigen. Die Auswahl der Experten sei derweil intransparent. «Ein Blick in die Namenliste der Expertenzirkel stärkt den Verdacht, dass die Qualitätsfrage bei der Selektion des Personals nicht immer an oberster Stelle stand», schreibt NZZ-Redaktor Rainer Stadler. Selbst einigen Auserwählten scheine nicht ersichtlich, wie sie zu der Ehre gekommen seien. (cbe)