Grosser Abwesender war für einmal der Bundespräsident. Dessen Rede bildet jeweils den Abschluss der Verlegertagung. Doch dieses Jahr war es anders: Weil Pascal Couchepin mit dem Bundeskanzler Gerhard Schröder durch die Walliser Berge wanderte, blieb das Rednerpult verweist. Bösen Zungen zufolge hätte der deutsche Regierungschef nichts gegen einen kurzfristigen Abstecher nach Interlaken gehabt, doch der Schweizer Bundespräsident fürchtete dessen Popularität, so darauf verzichtet wurde.
Obwohl die Absage bereits länger bekannt war, verzichtete man auf entsprechenden Ersatz. Dies war wohl ehrlicher, als der diesjährige Kongress ganz im Zeichen des frischgekürten Verbandspräsidenten Hanspeter Lebrument stand -- von einigen in Anlehnung an die Karl-May-Festspiele bereits als "Lebrument-Festspiele" bezeichnet. Der Verleger der Südostschweiz begründete in seiner Antrittsrede die Forderung nach 150 Millionen Franken staatlicher Unterstützung für die gedruckten Medien. Dies nicht zuletzt, so Lebrument, weil nach in vier Jahren die verbilligten Posttaxen für Presseerzeugnisse wegfallen werde. Der Verbandspräsident glaubt, dass die Zeitungen und Zeitschriften ein wichtiges Bindeglied für die Aufrechterhaltung des schweizerischen Föderalismus darstellten. Doch nur mit staatlicher Unterstützung könnte die Vielfalt von über 200 gedruckten, regelmässig erscheinenden Titeln auch in Zukunft garantiert werden. Gerade diese Forderung wird in Zukunft zu heissen Diskussionen führen.
Filippo Leutenegger, CEO der Jean Frey AG und FDP-Nationalratskandidat, wehrte sich in einer Podiumsdiskussion lautstark gegen eine weitere Subventionierung, während Parteipräsident Christine Langenberger-Jaeger in dieser Frage eine ziemlich hilflosen Eindruck hinterliess und öffentlich bekannte, zu diesem Thema noch keine grossen Gedanken gemacht zu haben.
Der abtretende Verbandspräsident, Hans Heinrich Coninx, hob nochmals die Einheit des Verbandes hevor, der es trotz seines heterogenen Aufbaus immer wieder schaffe, in heiklen politischen Fragen Kompromisse zu finden. "Am Schluss war das Einigende stärker als das Trennende," meinte Coninx, doch gerade die Ausmarchung um die allfällige Erneuerung des Gesamtarbeitsvertrages könnte zu einer neuen Herausforderung werden.
Neben den politischen Reden bildete auch der Auftritt der deutschen Talkmasterin Sabine Christiansen, Moderatorin der gleichnamigen Sendung, einen weiteren Höhepunkt. Christiansen betonte, in deutsch-eloquenter Art, dass deutsche Gesprächssendungen -- entgegen aller Vorurteile -- von einer überraschenden Harmoniesucht geprägt seien, die ehrliche Kontroversen verunmöglichten.
NZZ-Chefredaktor Hugo Bütler warnte in seinem Referat "Journalismus in Gefahrenzonen" vor -- Zitat -- "seichtem" Infotainment-Journalismus. Gerade die Berichterstattung über den Irakkrieg hätte die Grenzen einer objektiven Berichterstattung aufgezeigt. Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln, forderte eine fruchtbare Beziehung zwischen Medien und Kirche an. Im Gegensatz zu anderslautenden Berichten habe er sich von den Medien eigentlich noch nie hintergangen gefühlt, trotzdem sei das Interesse an seiner Person "fast zu einer Plage" geworden.
(Text: Matthias Ackeret).

