01.09.2004

20 Minuten rückt näher zur Tamedia

20 Minuten zügelt im kommenden März von Oerlikon in den Tamedia-Glaspalast an der Zürcher Werdstrasse. Geschäftsführer Rolf Bollmann (Bild) bestätigte entsprechende Recherchen von "persoenlich.com". Auf den gleichen Termin hin übernimmt die Tamedia den Druck der Zürcher Ausgabe des Pendlerblatts. Das Interview:
20 Minuten rückt näher zur Tamedia

Was sind die Gründe für den Umzug?

Unser Mietvertrag hier an der Thurgauerstrasse läuft per Ende März aus. Und da im Glaspalast bekanntlich zur Zeit noch Leerraum zur Verfügung steht, ist das Ganze die logische Konsequenz. Von der Peripherie ins Zentrum des medialen Geschehens sozusagen (lacht).

Und stärker unter die Fuchtel der Tamedia...

Was einige Mitarbeiter wohl befürchten, da geben ich Ihnen recht. Ich kann aber garantieren, dass die Unabhängigkeit von 20 Minuten weiterhin gewährleistet bleibt. An der Werdstrasse arbeiten Redaktionen wie SonntagsZeitung oder auch Facts -- ist deren Unabhängigkeit dadurch etwa bedroht? Der neue Standort bietet viele Vorteile, und seien das nur schon mehr Quadratmeter. Um den guten Spirit von 20 Minuten aufzubrechen oder gar zu zerstören, braucht es abgesehen davon mehr als einen Standortwechsel.

Inwieweit will man künftig Synergien zwischen 20 Minuten und Tages-Anzeiger ausschöpfen?

Wir sind und bleiben Konkurrenten, wenn auch neu als -- hoffentlich gute -- Nachbarn. Synergien nutzen können wir hingegen bei der Informatik, in der Marktforschung oder auch im Onlinebereich. Hier sind bereits seit längerem Projektgruppen am Werk. Wir sind und waren die Underdogs der Medienbranche -- jung und frech, mit Ausnahme von mir natürlich (lacht). Das wir jetzt in den Glaspalast berufen wurden, sehe ich auch als Wertschätzung. Synergien mit dem Tages-Anzeiger nutzen wir im übrigen bereits in der Vertriebslogistik, und zwar schon seit 2001, sprich vor der Kapitalverflechtung.

Wo sehen Sie weitere Sparmöglichkeiten?

Stopp, wenn Sie damit andeuten wollen, dass sich hinter der Zügelaktion ein verkappter Personalabbau verbirgt, dann liegen Sie falsch! Der Umzug wird personell absolut keine Konsequenzen haben. 20 Minuten fährt bereits jetzt sehr kostenbewusst, und es sind null Abbaumassnahmen geplant. Im übrigen wird noch in diesem Jahr auch die Basler Redaktion plus Verkauf umziehen, und zwar in die Räumlichkeiten der Basilisk-Mutter Medag AG, die ja auch zur Tamediaa gehört. Auch hier sollen Synergien ausgeschöpft werden und zwar im Event- und Sponsoringbereich und gemeinsam mit Radio Basilisk.

Mit der Tamedia haben Sie ein eigenes Druckunternehmen im Rücken. Wie lange wird 20 Minuten noch im Vorarlberg gedruckt?

20 Minuten Zürich wird ab April mit dem Domizilwechsel neu von der Tamedia gedruckt. Diese druckt ja bereits seit Startbeginn 20 Minuten Luzern. Die langen Transportwege haben sich mit der starken Auflagenerhöhung von 20 Minuten als immer problematischer erwiesen. Im übrigen wurde der Druckauftrag, der anfangs nächstes Jahr ausläuft, von einigen Druckereien offeriert -- darauf hat unser Verwaltungsrat bestanden.

Wieviele Offerten haben Sie erhalten?

Wer sich neben der Tamedia sonst noch beworben hat, will ich nicht sagen. Nur soviel: Es waren auch diverse Druckereien dabei, die bis anhin nicht mit uns zusammenarbeiten wollten. Für die Tamedia gesprochen hat schliesslich die räumliche Nähe und das beste Kosten-/Leistungsverhältnis. 20 Minuten Bern und Basel werden jedoch weiterhin bei der AZ Graphische Betriebe AG gedruckt -- der Vertrag dort läuft Ende 2008 aus.

Die Innerschweiz decken Sie seit neustem ab -- welche Region nehmen Sie als nächstes ins Visier?

Sie wollen jetzt sicherlich hören, dass ich St. Gallen sage (lacht). Mit Sicherheit bestätigen kann ich, dass wir noch keine entsprechenden Pläne in der Schublade habe. Handkehrum haben wir mit Luzern bewiesen, wie schnell wir sein können, wenn es pressiert... Bei der letzten Verwaltungsrats-Sitzung war St. Gallen zumindest noch kein Traktandum.

Der Anzeigenmarkt ist in Bewegung -- Stichwort Metropool oder die NZZ-Kooperation mit der "P". Was bedeutet das für 20 Minuten?

20 Minuten definiert sich als Ergänzung der nationalen Media-Pläne. Natürlich sind Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Berner Zeitung und wie sie alle heissen Konkurrenten. Aufgrund unserer Differenzierungsstrategie fokussieren wir jedoch ein sehr viel jüngeres Zielpublikum als die etablierten Kaufzeitungen. Und darum tut uns zum Beispiel ein Metropool, der ja ziemlich exakt unser räumliches Kerngebiet abdeckt, nicht weh -- über das Preis-Leistungs-Verhältnis wollen wir erst gar nicht reden. 20 Minuten weist zudem eine qualitativ hochstehende Leserschaft aus. So zeigt die Mach-Consumer-Studie zum Beispiel, dass 20 Minuten doppelt so viele Leser mit guter Ausbildung hat wie der Blick. Und bei der hohen Kaufkraft haben wir viel mehr Leser als etwas der Blick oder die NZZ.

Wie sinnvoll wäre da ein Kombi 20 Minuten Zürich und Tages-Anzeiger?

Ein interessanter Ansatz, den Sie da vorschlagen... Gemeinsam decken wir den Grossraum Zürich rundum ab, bei den Altersstrukturen würden wir uns perfekt ergänzen und bei der Reichweite notabene auch... Solch ein Pool könnte dann eine Anwort sein, wenn die NZZ mit ihren neuen Partnern Zürichsee Zeitung und Zürcher Unterländer ein gemeinsames Kombi lancieren würde. Doch dieses Projekt ist noch nicht einmal in der Schublade. Es zeigt mir aber, welch einen grossen Stellenwert Sie 20 Minuten geben (lacht). Und wie gesagt: Wenn es sein muss, können wir sehr schnell reagieren...

Und mit dem Blick?

Von der Logik her würden die beiden Titel sich relativ gut ergänzen. Etwas böse gesagt: Der Blick-Leser ist ländlich und alt -- der 20 Minuten-Leser jung und urban. Und selbst das Format wäre kompatibel (lacht). Es gibt aber auch eine alte Marketingweisheit: "Der Stärkste ist allein am stärksten". Abgesehen davon sind das alles Gedankenspiele, die Sie initiert haben und nicht ich...


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