29.05.2007

3+ erwägt Expansion ins Ausland

"Schweizer Privatfernsehsender 3+ steht zum Verkauf". So titelte das deutsche Handelsblatt am Dienstag. Die Zeitung berief sich auf Aussagen von Gesellschafter und Programmchef Torsten Prenter. Senderchef Dominik Kaiser bestätigt im Interview mit "persoenlich.com", dass Angebote aus dem Ausland vorliegen, allesamt aber seien abgelehnt worden. Der Sender stehe keineswegs zum Verkauf. Im Gegenteil: Kaiser selbst hegt Pläne ins Ausland zu expandieren.
3+ erwägt Expansion ins Ausland

Die deutsche Presse berichtet, 3+ stehe zum Verkauf. Was ist an der Meldung dran?

Richtig ist, dass wir Angebote aus dem Ausland erhalten haben. Zum Verkauf stehen wir jedoch nicht. Uns geht es sehr gut und wir werden weiter wie bisher in wirtschaftlich sinnvollen Schritten wachsen.

Woher dann die Verkaufsgerüchte?

Die internationale TV-Welt ist sehr klein und man beobachtet sich gegenseitig sehr genau. Die Branche weiss, dass wir mit unserem voll digitalisierten Sender eine sehr tiefe Kostenstruktur haben und auch, dass wir mit den amerikanischen Majors sehr hart verhandeln. Innert knapp 9 Monaten haben wir einen sehr hohen Marktanteil erreicht. Im April betrug dieser in der Primetime bei den 15-49 Jährigen 3.2 Prozent, was 80 Prozent der Einschaltquote von Sat.1 entspricht. Zum Vergleich: Sämtliche in Deutschland in den letzten paar Jahren gestarteten Sender blieben bei einem Marktanteil zwischen 0.2 und 0.8 Prozent hängen. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass man sich für uns interessiert.

Von wem stammten die Angebote?

Nur soviel: Keines der Angebote stammt aus der Schweiz. Offenbar beobachtet man uns im Ausland genauer und erkennt dort, was wir geleistet haben.

Sind deutsche Unternehmen unter den Interessenten?

Eines der Angebote kam aus Deutschland.

Martin Spieler, Chefredaktor des Axel Springer-Titels Handelszeitung, sitzt im 3+-Verwaltungsrat. Hat Springer an 3+ Interesse angemeldet?

Nein, von Springer stammt keines der Angebote.

Gab es bereits Gespräche mit Investmentbanken?

Einer der Interessenten war eine Investmentbank.

Wie gehen Sie mit den Anfragen um?

Wir sagen von Anfang an höflich, dass wir nicht interessiert sind, laden die Interessenten jedoch auch zu uns nach Schlieren ein, zeigen ihnen den Sender und erklären unser Businessmodell. Wir suchen das Gespräch, denn es gibt immer Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sei es im Hinblick auf eine mögliche Expansion ins Ausland oder auch in anderen Bereichen. Die Branche ist sehr vernetzt.

Es bestehen Expansionspläne ins Ausland?

Wir wollen in der Schweiz weiter so gesund wachsen wie bisher, überlegen uns aber gleichzeitig, wo man das gut funktionierende 3+ Modell auch sonst noch umsetzen könnte. Derzeit recherchieren wir, ob es möglich ist, das Erfolgsmodell aus der Schweiz im Ausland zu kopieren. Vielleicht gibt es in Europa einige Länder, deren Märkte ähnlich funktionieren wie in der Schweiz. Denkbar wäre es, in diese Länder zu expandieren. Konkret ist aber noch nichts, wir machen im Moment nur erste Abklärungen und führen Gespräche.

An welche Länder denken Sie?

Es ist noch zu früh, Namen zu nennen und ich möchte im Moment auch keine Gegenreaktionen in diesen Ländern provozieren. Wir stehen da noch ziemlich am Anfang. Die Mediengesetze, die Strukturen der Verbreitung sowie die Zutrittsbedingungen zu den Kabelnetzen unterscheiden sich in den einzelnen Ländern stark.

Ist Osteuropa für Sie interessant?

Nein. Im Osten ist das Fernsehgeschäft knochenhart. In jedem Land buhlt eine Vielzahl Sender um die Marktanteile, oft sind auch Lizenzen sehr teuer. Wir lassen den Christoph Bürge in Rumänien in Ruhe, der macht das da ja auch super.

Braucht 3+ nicht zusätzliches Kapital, um seinen Wachstumskurs fortsetzen zu können?

Nein. Wir sind sehr liquid und brauchen keinen Partner. Wir haben von Anfang an einen gesunden Wachstumskurs verfolgt und investieren derzeit mit zahlreichen neuen Formaten und Serien ins Programm. Im Zentrum steht dabei stets, dass das Verhältnis zwischen Aufwand und Einnahmen vernünftig ist. Genau das macht uns für die Interessenten so interessant. Es gibt weltweit wohl keinen anderen TV Sender der gesund so schnell gewachsen ist wie wir.

Sie halten nach offizieller Lesart 89 Prozent der Anteile des Senders. Stehen hinter Ihnen Investoren, die auf einen Verkauf drängen?

Mir gehören diese 89 Prozent des Senders und mit diesen kann ich tun und lassen, was ich will.

Wie viel müsste man Ihnen bieten, um Sie zu einem Verkauf zu überreden?

3+ ist erst seit knapp neun Monaten auf Sendung und ich habe viel Spass an meiner Arbeit. Deshalb stellt sich diese Frage für mich nicht wirklich.

Anders gefragt: Welche Bedingungen müsste ein Angebot erfüllen, um Sie umzustimmen?

Wir sind sehr glücklich über unsere Unabhängigkeit und können jeweils in einem kleinen Team entscheiden, was sinnvoll ist, ohne dass wir auf Konzerninteressen Rücksicht nehmen müssen. Was funktioniert, wird ausgebaut, was nicht funktioniert wird abgebaut. Im Falle eines Verkaufs würden wir diese Freiheit sicher verlieren. Bessere Spielfilme und Serien würden wir auch nicht erhalten, unser Verhältnis mit den Majors ist sehr gut.

Abschlussfrage: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einem Jahr noch Besitzer des Senders 3+ sind?

Hundert Prozent.


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