Die Präsidentin der ausserparlamentarischen Eidgenössischen Medienkommission (Emek) hat dazu aufgerufen, der Krise der Medien entgegenzuwirken. Die Diskussion über eine direkte Finanzierung der Medien müsse fortgesetzt werden, sagte Anna Jobin am Donnerstag am SwissRadioDay in Zürich.
«Wir wollen keine Medienwüsten, keine News-Deprivierten, wir brauchen Vielfalt, und die privaten Medien spielen in diesem Zusammenhang eine unverzichtbare Rolle», sagte Jobin in einer Diskussionsrunde auf die Frage nach dem grossen Stellenabbau, den die Tamedia-Mediengruppe diese Woche angekündigt hatte. Diese will fast 300 Stellen bei ihren Redaktionen und Druckereien streichen (persoenlich.com berichtete).
«Die Situation der Medien wird nicht einfacher werden, man muss reagieren», sagte Jobin. Sie sitzt dem Expertenausschuss vor, der den Bundesrat in Medienangelegenheiten berät.
Jobin betonte, dass der Journalismus eine «existenzielle Rolle» spiele für die Demokratie und die Meinungsbildung. Man müsse die Medien finanzieren, um «guten Journalismus» zu machen, «zu experimentieren» und «dorthin zu gehen, wo das Publikum ist», betonte sie.
UKW-Ausstieg bereitet Westschweizern Sorgen
Das wichtigste Treffen der Schweizer Radiobranche beschäftigte sich auch mit dem Ausstieg aus der Radioverbreitung über UKW. Dieser wurde vom Bundesrat auf Ende 2026 festgelegt, wird von der SRG aber bereits auf Ende dieses Jahres vollzogen.
Westschweizer Sendern macht das schnelle Vorgehen Bauchweh. Die Westschweiz «hat ein Problem, und dieses Problem sind die französischen Radiosender», sagte der Präsident der Westschweizer Regionalradios (RRR), Philippe Zahno. Die Sender in der Romandie profitierten nicht vom «sprachlichen Schutz», den der schweizerdeutsche Dialekt gegenüber den deutschen Sendern biete, sagte der Jurassier.
Das kommerzielle Risiko, UKW aufzugeben, sei daher «enorm». Die Hörer könnten sich entscheiden, bei UKW zu bleiben und nur noch französische Radiosender zu hören. «Wir wollen die Frist bis zum Ende ausnutzen. Wir brauchen diese zwei Jahre, um das DAB-Angebot zu verbessern, denn auch die französischen Radiosender werden auf diese Technologie umsteigen», auch wenn die Entwicklung dieses Angebots im Nachbarland langsamer voranschreite.
Zahno erklärte, dass 10 Prozent der Westschweizer Hörer regelmässig und 40 Prozent gelegentlich Radiosender aus Frankreich hören. Rund 15 deutschsprachige Regionalradios, insbesondere die zur CH-Media-Gruppe gehörenden Sender, wollen UKW ebenfalls Ende Jahr abschalten. Ein Dutzend weiterer deutschsprachiger Sender wartet bis Ende 2026. (pd/wid/cbe)

