Die Kommunikationswissenschaft in der Schweiz hat in den letzten Jahren deutlich steigende Studierendenzahlen verzeichnet. Schwierige Studien- und Forschungsbedingungen sind die Folge. Ein strenges Auswahlverfahren und mehr Geld sollen helfen. Die Bedingungen für die Grundausbildung seien in der Kommunikationswissenschaft so miserabel wie in keiner andern Disziplin, sagte Roger Blum, Professor an der Universität Bern und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) am Mittwoch vor den Medien. Die Ausstattung fast aller zehn Institute in der Schweiz sei ungenügend.
Die Studierendenzahlen haben sich in der Kommunikationswissenschaft zwischen 1995 und 2000 um fast 1000 Prozent erhöht - ausgehend allerdings von einem tiefen Level. Heute studieren 6000 Personen dieses Fach. Das Betreuungsverhältnis von Professor oder Professorin pro Studierendem beträgt laut Bundesamt für Statistik 1:180. Die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten strebt ein Verhältnis von 1:40 an.
Begrenzung, aber kein Numerus Clausus
Drei Lösungsansätze sieht Otfried Jarren, Publizistikprofessor an der Universität Zürich. Kurzfristig müsse eine Quotenregelung eingeführt werden, "eine massive Begrenzung der Studierendenzahlen nach dem Auswahlprinzip Leistung". Mittel- bis langfristig sollen Maturandinnen und Maturanden mit einem klassischen Reifezeugnis - also keine Berufsmatur - die Angebote der Fachhochschulen einfacher nutzen können. Bislang müssen Leute ohne Berufserfahrung ein mindestens einjähriges Praktikum vorweisen - eine Anforderung, die laut Jarren in der Kommunikations- und Medienbranche kaum zu erfüllen ist. Schliesslich müssten an wenigen Standorten sozialwissenschaftliche Studiengänge mit kommunikationswissenschaftlichen Schwerpunkten angeboten werden. Vom Bund fordert die SGKM, dass er die Mittel für den Bildungs- und Forschungsbereich mindestens um die vorgeschlagenen 6.5 Prozent aufgestockt. Auch die Kantone und Universitäten sollen mithelfen, die Betreuungsverhältnisse zu verbessern.
Trotz Boom schwierige Personalsuche

