08.02.2022

Fall Julian Reichelt

Axel Springer wusste wohl mehr als angenommen

Mehrere Monate nach der Freistellung des ehemaligen Bild-Chefredaktors Julian Reichelt wegen Machtmissbrauchs kommen weitere Details ans Licht. Laut einem Bericht ordnete Mathias Döpfner eine Gegenuntersuchung an.
Fall Julian Reichelt: Axel Springer wusste wohl mehr als angenommen
Axel-Springer-Verleger Mathias Döpfner. (Bild: Keystone)

In der Führungsetage des Konzerns Axel Springer in Deutschland war der Fall Reichelt wohl länger bekannt als bislang angenommen. Dies zeigt ein Bericht der britischen Zeitung Financial Times. Verschiedene deutsche Medien wie der Spiegel oder die Süddeutsche Zeitung berichteten am Dienstag über die Recherche.

Demnach hat der Vorstand des Medienhauses grossen Aufwand betrieben, um die Affären und Annäherungsversuche des früheren Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt am Arbeitsplatz unter den Teppich zu kehren. 

Nachdem die Vorwürfe gegen Reichelt erstmals publik wurden, durfte dieser nach einem Compliance-Verfahren durch die Kanzlei Freshfields zunächst zurück auf seinen Posten. Die Untersuchung hat damals offenbar «Fehler» festgestellt, jedoch keine, die eine Entlassung gerechtfertigt hätten.

Wie nun der FT-Bericht zeigt, waren offenbar bereits die Freshfields-Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass bei Reichelt ein «schwerwiegendes Fehlverhalten» im Amt vorlag. 

Döpfner soll sogar bald nach Beendigung der Ermittlungen eine «Gegenuntersuchung» angeregt haben. Döpfner und seine Vertrauten beauftragten demnach unter anderem einen externen Anwalt und erstellten eine Liste von Personen, gegen die ermittelt werden sollte. 

Zur aktuellen Recherche der FT nimmt der Springer-Konzern wie folgt Stellung: «Der Artikel der Financial Times zeichnet ein irreführendes Bild der Compliance-Untersuchung, der daraus gezogenen Konsequenzen, des gesamten Unternehmens und seiner Führung.» (wid)


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