Herr Gossweiler, Ihrem Verlag geht es gut, vielen anderen nicht. Was machen diese falsch?
Ich sage Ihnen lieber, was wir richtig machen. Die Jungfrau Zeitung konzentriert sich ausschliesslich aufs Lokale. Ich bin überzeugt, es wird in der Deutschschweiz demnächst nur noch zwei Arten von Zeitungen geben: Solche, die über eine nationale Zielgruppe verfügen, und solche mit einer lokalen. Alle Regionsgebilde dazwischen werden hartes Brot essen müssen.
Die Jungfrau Zeitung vermeldet sogar ein deutliches Wachstum bei den Anzeigen. Sind Ihre Anzeigenverkäufer besonders aggressiv?
Anzeigenverkäufer gibt es bei uns nicht. Wir machen aktive Kundenbetreuung. Diese ist nicht aggressiv, sondern auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Unser Rezept ist die klare Zielgruppe, die wir dank dem einzigartigen Publizistik-Konzept der Jungfrau Zeitung haben. Die Redaktion verfügt über Ressorts wie Politik, Gesellschaft, Forum, Wirtschaft, Wetter, Kultur, Feuilleton, Sport und Leute. Kein Ressort heisst jedoch Lokal, da alle vorgenannten 100 Prozent lokal sind. Somit weiss ein Kunde wie die Migros haargenau, auf welche Zielgruppe sie bei uns trifft. Das - nebst unserem Modulsystem anstelle von Millimeter - ist unsere Geheimwaffe.
Sie sind bekannt, vor allem mit Jung-Journalisten zu arbeiten? Warum?
Nicht ich arbeite mit ihnen, sondern unser Chefredaktor Stefan Regez. Warum er das tut? Es melden sich einfach keine gestandenen Redaktoren für dieses neuartige Konzept.
Bei der Jungfrau Zeitung ist ein weiterer qualitativer und personeller Ausbau geplant. Wie sieht der aus?
Am 6. Oktober 2000 lancierten wir die Zeitung, die nun bereits über 20'000 Leserinnen und Leser verfügt. Die Nachwuchsjournalisten sind mittlerweile zu Profis geworden, die pointiert und mit viel Hintergrund über das Leben und die Akteure im Mikrokosmos Jungfrau schreiben. Somit ergibt sich bei uns die erfreuliche Situation, dass sich die Zeitung praktisch von Ausgabe zu Ausgabe verbessert. 100 Ausgaben pro Jahr à mindestens 28 Seiten, 52 Ausgehmagazine à 24 Seiten und zahlreiche Sonderbeilagen mussten wir erst einmal in den Griff bekommen. Jetzt folgt der Feinschliff und dazu ein weiter quantitativer Ausbau der Redaktion. Ich freue mich auf das neue Jahr!
Der Launch der Jungfrau Zeitung im Oktober 2000 hat damals im Berner Oberland für heftigen Wellenschlag gesorgt. In wieweit spüren Sie heute noch Druck aus Bern?
Sie sprechen zu Recht von hohen Wellen im Berner Oberland. Bern ist jedoch weit entfernt vom Oberland und deshalb spüren wir auch nichts.
Der Bereich Mountain Multi Media MMM (Web, DTP, Multimedia) entwickelt sich ebenfalls gut - dies, obwohl viele andere Häuser in diesem Bereich zurückbuchstabieren mussten. Wo liegen hier Ihre Stärken?
Ganz klar bei der Qualität unserer Kunden. Unser Privileg ist, dass wir seit Jahren für Firmen wie Canon (Schweiz) AG, das VBS, die Schweizerische Rheinsalinen oder die Rahn AG arbeiten dürfen. Gerade in der heutigen Zeit sind solide, Krisen resistente Kunden das Wertvollste, was es gibt. Hinzu kommt die ständige innovationsfreude unseres Teams. Was unsere Mitarbeiter zurzeit für die Jungfraubahnen im Bereich Zuginformationssystem entwickeln, hat auch mich mehr als begeistert, obwohl man sich selber nicht zu stark rühmen sollte. Und nicht zu vergessen unsere Abteilung Software G-OS, die sich seit nunmehr über fünf Jahren mit der Entwicklung von CMS-Systemen im Markt behauptet und dabei bescheidene, jedoch schwarze Zahlen schreibt. Wer kann das schon von sich behaupten?
In der Schweizer Presselandschaft findet eine Konsolidierung statt. Werden Sie fressen - oder gefressen werden?
Weder das eine noch das andere. Unsere Devise ist nach wie vor: Lieber ein grosser Fisch im See, als ein kleiner Fisch im Meer.
(Interview: Almut Berger)
Projekt 'Long Term Meeting'
Unter der Bezeichnung "Long Term Meeting" plant die Gossweiler Media AG eine auf mehrere Jahre angelegte Arbeits- und Diskussionsplattform mit sechs weltweit tätigen Unternehmen aus den Branchen Finanzen, Mobilität, Nahrung, Kommunikation, Energie und Wasser sowie Technologie. Die Teilnehmer an diesem Long Term Meeting setzen sich während eines sieben Jahre dauernden Arbeitszyklus' intensiv mit grundlegenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinander. Zurzeit knüpft die Gossweiler Media AG die ersten Kontakte zu den möglichen langfristigen Meeting-Partnern.
Sollte die Zusammenarbeit mit sechs "Global-Playern" tatsächlich zu Stande kommen, wird in Brienz, am ehemaligen Sitz der Firma, das eigens für das Long Term Meeting konzipierte Mountain Bistrotel entstehen. Geplant ist ein mehrgeschossiges Gebäude mit unter anderem 18 Zimmern sowie vier Junior-Suiten und einem Plenarsaal und vier Arbeitsräumen. Es wäre dies die grösste Investition der Gossweiler Media AG seit deren Gründung vor elf Jahren. Noch in diesem Sommer will die Initiantin in Brienz die dafür notwendige Überbauungsordnung einreichen.

