Herr De Gregorio, Sie haben für renommierte Zeitungen wie "Die Zeit", "FAZ" und "Weltwoche" geschrieben, nun gehen Sie zum "Blick". Weshalb nun der Wechsel in den Boulevardjournalismus?
Ich habe für die erwähnten Titel ja schon gearbeitet, die nächst höhere Brennstufe ist drum der Blick. Für mich persönlich ist es die grösst mögliche Herausforderung, die die Medienbranche zurzeit bietet. Der Blick befindet sich in einer extrem spannenden Phase der Weiterentwicklung. Für einen Journalisten kann es nichts Elektrisierenderes geben, als in einer solchen Phase einen substantiellen Beitrag zu liefern.
Was reizt Sie an diesem Metier?
Boulevard ist das schwierigste Genre im Journalismus. Wenn man 40'000 Anschläge für eine Geschichte zur Verfügung hat, kommt man nach 20'000 vielleicht einmal auf den Punkt. Hat man nur eine Spalte zur Verfügung, sollte man vorteilhafterweise spätestens nach dem zweiten Satz zum Kern des Elaborates vordringen. Der Wettstreit mit anderen Tageszeitungen und Gratisblättern wird in Zukunft noch härter werden, parallel dazu erhöht sich der Reiz der Challenge. Es gibt nichts Langweiligeres, als im Aquarium zu fischen.
Wie, glauben Sie, kann der Blick wieder auf Touren kommen?
Die Verantwortlichen bei Ringier konnten mir glaubhaft machen, dass sie es ernst meinen. Sie wollen den Blick auf eine andere Flughöhe bringen. Wie in allen Redaktionsstuben ist auch beim Blick das Potential der bestehenden Crew nicht ausgeschöpft. Wäre es so, hätte ich den Job nicht angenommen. Als Administrator sehe ich mich nicht. Mit anderen Worten: Ich bin überzeugt, dass mit dem vorhandenen Spielermaterial, wie man das im Sportjargon sagen würde, und punktuellen, gezielten Transfers, die Mannschaft wieder um die Champions-League spielen, mit Sicherheit die Schweizer Meisterschaft gewinnen kann.
Und schliesslich: Mit welchem Gefühl verlassen sie die Weltwoche?
Mit sehr guten Gefühlen. Ich werde meine Nachfolge so regeln, dass die Wewo auch nach meinem Abgang überleben wird. Aber im ernst: Roger Köppel ist einer der brillantesten Journalisten, denen ich begegnet bin. Ich sehe es als Privileg, dass ich mit ihm habe arbeiten dürfen.
(Die Fragen wurden Walter De Gregorio schriftlich zugestellt. Bearbeitung: David Vonplon)

