08.08.2025

Presseschau

Breite Kritik an der US-Zollpolitik in den Schweizer Medien

Kommentatoren sprechen von einem Schock und stellen die Strategie des Bundesrats teils infrage – doch auch Hoffnung glimmt auf: Die Krise lasse sich überstehen.
Presseschau: Breite Kritik an der US-Zollpolitik in den Schweizer Medien
Die einen finden die Situation schlimm, die anderen weniger: die Stimmen der Schweizer Medien zum US-Zollentscheid. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

CH Media: «Gegen die Machtpolitik des Donald Trump hat der Bundesrat kein Rezept gefunden», heisst es in einem Kommentar der CH-Media-Zeitungen. Die Schweiz habe auf ihre bewährte Strategie gesetzt. Die «Musterschülerin» habe einen seriösen Vorschlag präsentiert, der beidseitige Interessen berücksichtige – doch das sei nicht aufgegangen. Vielleicht hätte man bluffen müssen, so der Kommentar. Was der Bundesrat nun hoffentlich gelernt habe: nicht naiv darauf zu vertrauen, dass die Strategie der verlässlichen Musterschülerin funktioniere – und sich einen Plan B zuzulegen.

SRF: Die Schweiz müsse sich bemühen, ihre Trümpfe zu erhalten, analysiert das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Ob diese im Umgang mit Donald Trump stächen, sei jedoch fraglich. «Bisher hatte der Bundesrat offenbar kein genügend gutes Blatt in der Hand», schreibt SRF. Der Fokus müsse daher stärker auf der Innenpolitik liegen. Dort könne der Bundesrat mehr Spielraum nutzen – etwa mit weiteren Massnahmen über die Kurzarbeit hinaus, wie Anpassungen bei der OECD-Mindeststeuer. Aussenpolitisch hingegen wolle die Schweiz offenbar nicht bluffen und setze auf Verlässlichkeit. «Ob das die richtige Strategie ist im Umgang mit einem unberechenbaren Präsidenten, ist fraglich», so SRF.

Tamedia: Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter sei vom «US-Potentaten vorgeführt» worden und setze auf Beschwichtigung, kommentieren die Zeitungen des Tamedia-Konzerns. Die Schweiz habe dem «allmächtigen Oberboss» in den USA genug geschmeichelt. Es wäre nun fatal, wenn sie auf den Entschluss zurückkommen würde, nur noch zehn Prozent der Waffen in den USA zu kaufen. Das zeigten die letzten Tage: Mit Trump die Konfrontation zu wagen, sei gefährlich, auf ihn zu vertrauen aber noch viel gefährlicher.

NZZ: Trumps Prügel seien empörend, aber nicht katastrophal, betitelt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ihren Kommentar. Die Schweizer Wirtschaft werde die Zölle verkraften, wenn die Politik richtig reagiere. Der Strafzoll entbehre jeglicher wirtschaftlicher Vernunft. Trump wolle an der kleinen Schweiz ein Exempel statuieren. Umso wichtiger sei, dass die Schweiz als Unternehmensstandort attraktiv bleibe. Dies habe sie in den letzten Jahren vernachlässigt. Manche Kreise hätten gefordert, die Schweiz weniger attraktiv für Konzerne zu machen.

Watson: Man brauche kein Genie zu sein, um zu erkennen, wie die Schweiz auf Trumps Zölle reagieren soll, schreibt die Online-Nachrichtenportal Watson. Neue Handelspartner suchen, Einigung mit der EU und keinen «Hurra-Krieg» gegen die USA eingehen. Weitere Fragen müssten in einem gesitteten Rahmen geklärt werden. Danach sehe es aber nicht aus. SVP-Bankier und Nationalrat Thomas Matter (ZH) komme zum Schluss, dass nicht Trump, sondern die EU schuld am Zollhammer seien. Journalist Markus Somm verbreite die Geschichte, die Bundesräte Beat Jans und Ignazio Cassis hätten die bereits erzielte Absichtserklärung hintertrieben. Das lasse befürchten, dass Maga-Verhältnisse Einzug hielten, und das sollte mehr Angst machen als der US-Zollhammer.

Nau.ch: Das Online-Nachrichtenportal Nau.ch kommentiert, die US-Zölle einten die Schweiz immerhin in einem Punkt: Sie seien nicht nachvollziehbar. Gegen willkürliche Zahlen mit neuen Angeboten anzutreten, sei für den Bundesrat schwierig gewesen. Allenfalls müsse sich dieser vorwerfen lassen, nach bewährten Mustern gehandelt zu haben. Andere hätten besser erkannt, wie Trump funktioniert und ihm bis hin zum Fremdschämen «flattiert». Immerhin: Die Krise lasse sich überstehen.

Le Temps: «Von den USA mit 39 Prozent Strafzoll belegt, fällt die Schweiz aus allen Wolken und sieht ihre Wirtschaft erzittern», schreibt Le Temps. Das Land erkenne seine Schwäche und Isolation auf globaler Ebene – insbesondere gegenüber den Vereinigten Staaten, die einst als «Schwesterrepublik» galten, deren aktueller «Uncle Sam» sich aber kaum für das reiche europäische Inselreich interessiere. Getragen vom eigenen Überlegenheitsgefühl und der komfortablen Lebensweise habe die Schweiz nicht wahrhaben wollen, dass in der heutigen globalen Dschungelwelt nur noch das Recht des Stärkeren zähle.

24 Heures/Tribune de Genève: «Am Donnerstag, als der Bundesrat zum Fiasco der Verhandlungen mit den USA Stellung nahm, zeigte sich eine Schweizer Regierung, die von der schlechten Nachricht noch sichtlich benommen war», heisst es in einem Kommentar der 24 Heures und der Tribune de Genève (Tamedia). Die Ohnmacht eines kleinen Landes gegenüber dem Willkürakt und der Machtdemonstration einer Grossmacht sei förmlich spürbar gewesen.

Le Courrier: «Eine Schweiz unter Schock», titelte Le Courrier. Mit der Verhängung der 39-prozentigen US-Strafzölle werde vor allem eine ideologische und historische Nähe über Bord geworfen. Die Schweiz habe sich stets als Bruderland der Vereinigten Staaten gesehen – aufgrund gemeinsamer Werte und institutioneller Verwandtschaft.


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KOMMENTARE

Max Röthlisberger
08.08.2025 11:35 Uhr
Die "freie" Presse ist gerade daran, den letzten Goodwill der Bevölkerung zu verspielen. Wie Geier fallen sie über unsere unfähige "Kuschelregierung" her. Die Lust auf weitere Presseerzeugnisse vergeht so den Menschen, die ihren Arbeitstag nicht im Büro und On-Line verbringen. Es wären Lösungsvorschläge mit Ideen für Soforthilfe, Veranstaltungen von Foren, Hilfs- und Vermittlungsangebote, Kontakte zu neuen Kunden und so weiter angesagt. Und ja, natürlich hätte jemand beim Statistischen Amt schon im März etwas merken sollen.
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