Bundesrat Samuel Schmid hat laut dem Magazin des Tages-Anzeiger versucht, ein für die nächste Ausgabe geplantes Interview mit Armeechef Christophe Keckeis zurückzuziehen. Das VBS wollte dazu am Mittwoch nur in einem Communiqué Stellung beziehen.
Magazin-Chefredaktor Res Strehle bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda einen entsprechenden Bericht des Tages- Anzeiger und der Berner Zeitung vom Mittwoch. Die vom Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) angebrachten Korrekturen hätten die Grenzen der üblichen Autorisierung von Interviews weit überschritten, sagte Strehle. Für die Magazin-Redaktion sei es dabei um eine Grundsatzfrage gegangen.
Dreimal überarbeitet
Wie Strehle weiter sagte, wurde das Interview mit Keckeis vom VBS dreimal überarbeitet. Zwischendurch -- nach Ablauf des Redaktionsschlusses -- habe Schmid versucht, die Publikation zu verhindern. Zwei Stunden später sei auch der Rückzug von Keckeis bei der Redaktion eingetroffen. Schliesslich konnten sich das VBS und die Magazin-Redaktion in einer Verhandlung auf eine Version einigen. Dafür setzten sich beide Parteien während rund einer Stunde zusammen.
Sprachliche und inhaltliche Veränderungen
Laut Peer Teuwsen, einem der beiden Interviewer, seien vom VBS unterschiedlichste Veränderungen angebracht worden. Einerseits sei die direkte Sprache des Armeechefs -- etwa Dialektausdrücke wie "Büez" oder "Lämpe" -- geschönert worden. Andererseits habe das Departement aber auch inhaltliche Veränderungen angebracht und Fragen der Interviewer streichen wollen. So habe das VBS die Frage, ob Soldaten ihre zivile Persönlichkeit abgeben müssten, wenn sie den Dienst anträten, tilgen wollen. Keckeis hatte darauf geantwortet, dies sei die grosse Kunst im Militärdienst.
Strehle: Schmids Lage nicht einfach
Er vermute, dass Schmid mit seiner Intervention Führungsstärke habe beweisen wollen, sagte Strehle weiter. Dazu sei ein Interview aber ein untaugliches Objekt. Andererseits sei Schmids Lage momentan sicher nicht einfach. Das VBS wollte am Mittwoch lediglich in einem Communiqué Stellung nehmen. Sprecher Martin Bühler sagte auf Anfrage, das Departement gebe über die Medienmitteilung hinaus keine Auskunft in dieser Angelegenheit.
VBS: Keckeis geniesst Schmids Vertrauen

