19.10.2008

150 Jahre comedia

Calmy-Rey fordert stärkere Bankenregulierung

Mediengewerkschaft will Schlagkraft verbessern.

Am 150-Jahre-Jubiläum der comedia hat sich am Samstag in Zürich Bundesrätin Micheline Calmy-Rey für eine stärkere Bankenregulierung ausgesprochen. Bei der Neuordnung im Zusammenhang mit der Bankenkrise seien auch die Gewerkschaften gefordert.

Es gelte neue Regulierungen festzusetzen, insbesondere strengere Kontrollen der Risikoübernahme, sagte die Aussenministerin vor rund 300 Gewerkschaftsangehörigen und Gästen. Ein zentraler Punkt sei auch die Überprüfung der Bonus- und Anreizsysteme. Denn die Banken seien auf den Rückhalt in der Bevölkerung angewiesen.

Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der staatlichen Gegenmassnahmen sind laut Calmy-Rey heute noch kaum abschätzbar. Die Hilfsaktionen für Banken im Ausland und in der Schweiz zugunsten der UBS seien aber nötig gewesen zur Stabilisierung des Finanzsystems und um Schlimmeres zu verhindern.

Sie verstehe aber, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung als ungerecht empfunden werde, wenn jetzt das Volk zur Kasse gebeten werde. Dies nachdem vor allem wegen risikoreicher Anlagen jahrelang Boni in die Taschen der Banker flossen, so Calmy-Rey. Wenn es jetzt darum gehe Entschädigungs- und Bonussysteme durch Verantwortungsbewusstsein zu ersetzen seien auch die Gewerkschaften gefordert.

Finanzkrise auch als Chance

Comedia-Co-Präsident Roland Kreuzer wertete die Finanzkrise auch als Chance: Die rein profitorientierte Marktideologie und Deregulierungsstrategie der letzten 20 Jahre sei arg ins Wanken geraten. Das zeige, dass mit Ignoranz gegenüber den Menschen auf Dauer kein Gesellschaftssystem überleben könne.

Dies, so Kreuzer, gebe der eigenen Geschichte der comedia recht und mache Mut für das Morgen. Wichtig für die Zukunft sei die Stärkung der Durchsetzungsfähigkeit der comedia. In diesem Zusammenhang seien die aktulle Bestrebungen für eine Fusion der Mediengewerkschaft mit anderen Gewerkschaften zu sehen.

Junge comedia - alte Vorläufer

Die 13'500 Mitglieder zählende comedia entstand vor erst zehn Jahren aus dem Zusammenschluss der Gewerkschaft Druck und Papier (GDP) mit drei kleineren Gewerkschaften, den Angestellten des Buchhandels, dem Litografenbund und der Journalisten-Union. Für ihr Jubiläum orientiert sich comedia an der 1858, also vor 150 Jahren, in Olten gegründeten GDP. Ferner wurde der Angestelltenverband des Schweizer Buchhandels vor 125 Jahre gegründet.

Heute vertritt die comedia Angestellte aus der grafischen Industrie, der Verpackungsbranche, des Medien- und Verlagswesens, der visuellen Kommunikation und der Buchbranche. Um ihre Schlakraft zu verbessern erwägt die comedia entweder den Zusammenschluss mit mit dem VPOD und der Gewerkschaft Kommunikation oder als zweite Option mit der Grossgewerkschaft Unia. Der Entscheid soll an einem Kongress in einem Jahr fallen. (sda)


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