19.11.2019

Paywall

CH Media macht alle News-Websites kostenpflichtig

Von der Ostschweiz über die Zentralschweiz und den Aargau bis nach Solothurn: CH Media installiert im Laufe des 2020 bei allen Newsportalen eine Bezahlschranke. Das Medienhaus setzt dabei auf das Freemium-Modell.
Paywall: CH Media macht alle News-Websites kostenpflichtig
Ausgesperrt: Wer nicht zahlt, kann viele CH-Media-Artikel bald nicht mehr lesen. (Bild: Pixabay)
von Edith Hollenstein

CH Media will, dass die Leser auch online für Journalismus zahlen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 führt das Unternehmen auf allen Websites die Kostenpflicht ein. Dies erwähnte Patrik Müller, Chefredaktor der CH-Media-Zentralredaktion, letzte Woche anlässlich eines Podiumsgesprächs. Bei CH Media sind seit Mai 2018 bereits luzernerzeitung.ch (Zentralschweiz) und tagblatt.ch (Ostschweiz) bezahlpflichtig. Neu folgen laut Müller auch Basel (bz) und die Portale im Mittelland (aargauerzeitung.ch, solothurnerzeitung.ch, oltnertagblatt.ch usw.). Diese Portale erhalten gleichzeitig einen Relaunch.

«Guter Journalismus muss kosten»

Anders als in der Ost- und Zentralschweiz, wo bereits seit einiger Zeit das Metered-Modell gilt, bei dem Texte ab einer gewissen Anzahl kostenpflichtig werden, wird CH Media ein Freemium-Modell anwenden. Das heisst: Einzelne, wenig aufwändige Artikel bleiben gratis, während andere ein Login erfordern. Dieses Modell wird CH Media nun über all seine Newswebsites hinweg einführen. «Alle unsere Portale – nicht bloss diejenigen, die neu kostenpflichtig werden – werden umgestellt aufs Freemium-Modell, weil wir dort die grössten Erfolgschancen sehen», schreibt Unternehmenssprecher Stefan Heini auf Anfrage von persoenlich.com.

«Wir sind der Ansicht, dass guter Journalismus etwas kosten darf, ja, etwas kosten muss, wenn er nachhaltig finanzierbar bleiben soll», so Heini weiter. Zudem wolle CH Media den Nutzern ein differenziertes Abo-Angebot machen: digital only, aber auch Kombinationen aus Print und Digital.

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Die Paywall dürfte sich spürbar auf den Traffic der Websites auswirken. Mit welchen Grössenordnungen rechnet CH Media hierbei? «Dazu, wie sich der Traffic entwickelt, können wir auch nur spekulieren. Auch deshalb, weil wir mit Freemium noch keine Erfahrungen gesammelt haben», sagt Sprecher Heini.

Keinen Zusammenhang zur Login-Allianz

Das Newsportal Watson hingegen – das zu den AZ Medien, nicht aber zu CH Media gehört – bleibt kostenlos. Es werden auf watson.ch weiterhin Texte aus den CH-Media-Zeitungen gratis lesbar sein, denn laut Heini bleibt «der Artikel-Austausch zwischen der CH-Media-Redaktion und Watson bestehen».

Die Nutzer der CH-Media-Portale hingegen sollen sich langsam an das Anmeldeprozedere gewöhnen: Seit Oktober 2019 werden sie zur Registration aufgefordert, da CH Media gemeinsam mit den anderen grossen Schweizer Verlagshäusern der Login-Allianz angehört. Die neue Paywall-Strategie stehe dazu jedoch in keinem Zusammenhang. «Für das Paid-Modell haben wir uns unabhängig von der Login-Allianz entschieden», sagt Heini.

 



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Kommentare

  • Robert Weingart, 19.11.2019 16:28 Uhr
    Guter Journalismus soll kosten? Richtig. Wenn er aber nicht gut ist, könnte die Rechnung womöglich nicht aufgehen.
  • Victor Brunner, 19.11.2019 16:33 Uhr
    Artikel: Das Newsportal Watson hingegen – das zu den AZ Medien, nicht aber zu CH Media gehört – bleibt kostenlos. «Wir sind der Ansicht, dass guter Journalismus etwas kosten darf, ja, etwas kosten muss, wenn er nach haltig finanzierbar bleiben soll», so Heini! Damit gesteht Heini ein dass WATSON keine journalistische Qualität hat, gute Erkenntnis!
  • Mark Balsiger, 19.11.2019 17:00 Uhr
    @Victor Brunner Bei «Watson» hat es ein paar Schreiberinnen und Schreiber, die - so meine persönliche Meinung - man lesen sollte, weil sie gut und vor allem eigenständig sind. Klar, diese wertvollen Stoffe gehen neben dem «Blabla- und Katzenbilder-Content» zuweilen unter. Trotzdem: Geben Sie diesen Leuten (nochmals) eine Chance!
  • Oliver Brunner, 20.11.2019 10:04 Uhr
    Ich war nach Twitter-Links ca. 5x auf Watson. Diese Seite ist doch für 12 - 18jährige. Das man diese nicht abschöpft (und sie auch nicht bezahlen würden, mit ihrem Verständnis von News-Konsum) ist verständlich.

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