«Chinesische Propaganda überschwemmt die Zentralschweiz», titelt der Tages-Anzeiger am Freitag. Im Artikel von Bundeshaus-Redaktor Markus Häfliger geht es um eine PR-Beilage in der Luzerner Zeitung mit einer Gesamtauflage von gut 100'000 Expemplaren. In der achtseitigen Beilage werden die Errungenschaften Chinas in den höchsten Tönen beschrieben, während «Kritik gänzlich fehle», so der Tagi.
Dieser Inhalt stamme nicht von der Redaktion, sondern vom chinesischen Generalkonsulat in Zürich. Im Impressum wird sie als «kommerzielle Publikation des Generalkonsulats der Volksrepublik China» ausgewiesen. Autor sind der Generalkonsul Qinghua Zhao und Thomas Wagner, der frühere Zürcher Stadtpräsident und heutige Ehrenpräsident der Gesellschaft Schweiz-China.
Der Fall interessiert, weil diese Beilage zwei Tage nachdem die Propaganda-Offensive Chinas in der Weltwoche zum Thema wurde (persoenlich.com berichtete), erscheint. Diese Beilage in der «Luzerner Zeitung» sei ein anderer Fall, sagt Pascal Hollenstein, publizistischer Leiter von CH Media, gegenüber dem Tagi. Es handle sich um nichts anderes als ein grosses Inserat.
«Weltwoche»-Verleger Roger Köppel betonte gegenüber persoenlich.com ausdrücklich, dass er von den Chinesen kein Geld erhalten habe. Er habe dem chinesischen Botschafter in der Schweiz mehrere Kolumnen zum 70 jährigen Jubiläum der Volksrepublik angeboten, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Im Gegensatz zur bezahlten Sonderbeilage von CH-Media sei dies ohne Gegenleistung erfolgt.
PR-Offensive gegen «Einseitigkeit»
«Die Redaktion hat sich weder an der Erstellung dieser Beilage beteiligt, noch steht sie hinter dem Inhalt», so Hollenstein. Das einzige Kriterium sei gewesen, ob der Inhalt der Beilage schweizerisches Recht und die öffentlichen Sitten respektiere. «Die Redaktion hat sich weder an der Erstellung dieser Beilage beteiligt, noch steht sie hinter dem Inhalt», sagt Hollenstein. «Wir lehnen die Inhalte sogar weitgehend ab. Das geht auch aus unseren Kommentaren und Artikeln zu China im redaktionellen Teil der Zeitung klar hervor.»
Das chinesische Generalkonsulat in Zürich begründet die PR-Offensive gegenüber dem Tages-Anzeiger mit der Medienberichterstattung über China. Diese sei «zunehmend einseitig». Verantwortlich dafür seien teilweise politische Motive bei den Journalisten, aber auch Unkenntnis über Land und Leute. Darum wolle das Konsulat nun selber ein «objektives und positives Bild unseres Landes vermitteln - mit dem Ziel, «das Verständnis über unser Land zu verbessern und Vorurteile auszublenden». (eh)