Der bekannte "Tages-Anzeiger"-Journalist, Constantin Seibt, unterhält ab 2. Mai einen Medienblog auf Newsnet. "Deadline", so der Name des Blogs, interessiere sich weniger für die Kritik am Journalismus, sondern vielmehr für seine Herstellung. Im Zentrum steht die Frage: Wie funktioniert Journalismus im 21. Jahrhundert?

Auf die Frage von persoenlich.com, warum ausgerechnet Constantin Seibt der richtige Mann ist, um Fachkollegen Ratschläge zu erteilen, meint er: "Weiss der Teufel, ob ich der Richtige bin. Ich versuchs einfach. Und zwar deshalb, weil ich überzeugt bin, dass sich nicht nur die finanziellen Voraussetzungen in der Branche massiv geändert haben, sondern sich auch das praktische Handwerk ändern wird. Und darüber lohnt es sich, zu diskutieren." Qualifiziert dazu sei jeder Journalist: "Darüber Nachdenken gehört zu diesem Job. Und warum ich es nun in einem Blog tue? Erstens macht es Spass. Zweitens gibt es Geld. Und drittens habe ich seit nun über 25 Jahren verdammt oft übers Schreiben nachgedacht", so Seibt. Und er fügt an: "So etwa in meinem Licentiat übers How-to-do-it des Krimischreibens. Wahrscheinlich tat ich es deshalb, weil ich instinktiv ein miserabler Schreiber bin: Alle Fehler, die man machen kann, habe ich gemacht. Und einige neue warten noch. Das ist mein Kapital."
Auf den Einwand, dass er sich als Ratgeber seiner Gilde stark exponiere und wohl einige Kritik einstecken werden müsse, sagt Seibt: "Ehrlich gesagt, ich sehe das nicht so. Klar werde ich zukünftig meine Fehler deutlicher um die Ohren gefetzt bekommen. Aber das dann vermutlich zu Recht. Aber da man als Journalist auch austeilt, sollte man auch einstecken können: Man soll sich nicht fürchten. Aber im Grund glaube ich, dass das Publikum die Sache ziemlich entspannt sehen wird. Letztlich sind Vorschläge zu Handwerk und Haltung eine einfache Sache: Einige werden brauchbar sein, andere nicht. Schon deshalb, weil Schreiben ein individuelles Business ist. Und hier gilt, was der Irische Dichter Brendan Behan sagte: Every cripple has it's own way to walk. Ich werde mein Bestes versuchen, auch für Profis etwas Brauchbares zu sagen, aber garaniert oder verbindlich ist es nicht. Niemand, den ich kenne, hält mich für den Papst. Nicht mal ich."
Der neue Blog auf blog.tagesanzeiger.ch/Deadline, soll eine Austauschplattform für Profis werden, ein How-to-do-it-Blog zu den täglichen Fragen des Handwerks. Erklärt wird, wie Pointen gesetzt, Dialoge geschliffen, Verrisse tödlich, Lob unpeinlich, komplexe Fakten amüsant und Kolumnen nicht bieder wirken. Dazu kommen die Fragen der Haltung: Wie überlebt man in einem brutaleren wirtschaftlichen Umfeld? Mit welchen Strategien schafft es eine Zeitung und ein Journalist zur Marke zu werden? Wie schafft man Aufmerksamkeit ohne Übertreibungen? Und schliesslich die Frage, wie sich eine Zeitung oder eine Onlineredaktion auf dem heutigen Markt anders aufstellen könnte, um das zunehmend untreue Publikum zu überzeugen, wie es in einer Mitteilung heisst.
"Deadline" startete am 2. Mai mit einem 15-Thesen-Manifest zum Journalismus im 21. Jahrhundert. "Deadline" ist auf allen deutschsprachigen Newsnet-Titeln erreichbar, also auf "tagesanzeiger.ch", "bazonline.ch", "bernerzeitung.ch" und der "bund.ch". (pd/bn)

