Das Berner Traditionsblatt "Der Bund" soll auch nach dem Zusammenschluss von Tamedia und Espace Media Groupe erhalten bleiben. Das Berner Modell von "Berner Zeitung" und "Bund" unter dem gleichen Verlagsdach wird mindestens vorerst weitergeführt.
"Der Bund" sei "einer der grossen Schweizer Traditionstitel", die Redaktion mache mit knappen Mitteln eine gute Zeitung, sagte Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino am Donnerstag vor den Medien. Man sei dehalb bestrebt, für den Bund "auch weiterhin eine gute Lösung zu finden".
Supino kündigte an, dass mit der NZZ-Gruppe und der Publigroupe das Gespräch über die künftigen Besitzverhältnisse an der Bund Verlag AG gesucht werde. Offen liess er, ob die Espace Groupe bzw. Tamedia an der Übernahme der Aktienmehrheit interessiert ist.
Die Tamedia hält nach der Fusion über die Espace Media Groupe 40 Prozent der Aktien der Bund Verlag AG. 40 Prozent hält die NZZ-Gruppe, 20 Prozent die Publigroupe.
NZZ: Kein Grund zum Verkauf
Zur Zeit gebe es für die NZZ keinen Grund, an den Mehrheitsverhältnissen und am gut funktionierenden Berner Modell ("Bund" und "BZ" unter dem Espace-Verlagsdach) etwas zu ändern, sagte Beat Lauber, Leiter Regionalzeitungen der NZZ-Gruppe. Man sei jedoch bereit, mit Tamedia und Espace "mögliche Optimierungen zu diskutieren".
Er sehe die Zukunftschancen der "Berner Modells" auch unter den neuen Besitzverhältnissen bei der Espace als intakt, sagte Hans Lauri, Verwaltungsratspräsident der Bund Verlag AG. Diesen Schluss ziehe er auch einem Gespräch mit Espace-Verwaltungsratspräsident Charles von Graffenried. Bedingung sei jedoch, dass der "Bund" künftig schwarze Zahlen schreibe und seinen hohen Qualitätsstandard halten könne.
Verunsicherte Redaktion
Die "Bund"-Redaktion wurde am Montagnachmittag von Lauri und Chefredaktor Arthur K. Vogel informiert. Die Redaktion habe vor allem Fragen zur NZZ-Beteiligung gestellt, sagte Vogel. Dazu könne zurzeit aber noch nichts gesagt werden.

