Das Zürcher Medienunternehmen Tamedia baut im Zuge der Intergration der Espace Media Groupe seinen Konzern um. Im Kurzinterview mit "persoenlich.com" erklärt Tamedia-CEO Martin Kall, was der Zusammenschluss für die Tamedia bedeutet, wo im Konzern die grössten Baustellen liegen, und weshalb Zeitschriftenchefin Uli Rubner und Andreas Meili, Chef der elektronischen Medien, die Tamedia verlassen.
Herr Kall, weshalb ist es nötig, die Tamedia von Grund auf umzubauen?
Mit der neuen Organisation setzen wir die versprochene Zusammenführung von Tamedia und der Espace Media Groupe auf Augenhöhe in die Tat um. Die geografische Gliederung soll zudem die Nähe der einzelnen Medien zu ihren Kunden, egal ob Leser, Zuschauer, Zuhörer, Nutzer oder Werbekunden, sicherstellen und ist ein Bekenntnis zu den beiden Regionen Bern und Zürich Nordostschweiz.
Welches sind derzeit die grössten Baustellen innerhalb der Tamedia?
Innerhalb nur eines Monats nach dem Zusammenschlusses haben wir eine neue Unternehmensorganisation beschlossen und ein kompetentes Team für die Unternehmensleitung zusammengestellt. Der Zusammenschluss von Tamedia und der Espace Media Groupe ist für uns der wichtigste Schritt seit Jahrzehnten und wird uns die nächsten zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Gleichzeitig eröffnet uns der Zusammenschluss aber auch grossartige unternehmerische Möglichkeiten. In einem nächsten Schritt werden wir die Ausrichtung der zentralen Dienstleistungsbereiche überprüfen und im Verlauf des ersten Quartals 2008 neu festgelegt.
Der Bereich "Espace Bern" bleibt ein eigenständiger Bereich im Konzern. Eine Massnahme, um den Burgfrieden mit den Berner Medien sichern?
Unser Ausgangspunkt waren unsere Kunden und nicht Konzessionen an Bern oder eine andere Region. Mit den neuen vier Unternehmensbereichen wollen wir Nahe an diesen Kunden sein und gleichzeitig die traditionelle Stärke von Tamedia, nämlich die grosse unternehmerische Freiheit der einzelnen Medien unter unserem Dach, erhalten.
Die elektronischen Medien -- darunter Radio 24 und TeleZüri -- erhalten keinen gesondert Bereich und werden fortan unter "Zeitungsprofi" Rolf Bollmann geführt. Weshalb erhalten sie keinen grösseren Stellenwert im Haus?
Rolf Bollmann ist nicht nur ein ausgewiesener Zeitungsprofi sondern ein Unternehmer, der auch ausserhalb der Medienbranche erfolgreich war. Wir trauen dem Innovator Rolf Bollmann zu, neue Wege für alle Medien im Unternehmensbereich Zürich & Nordostschweiz zu entwickeln -- auch für TeleZüri und Radio 24 sowie das gemeinsam von Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger vorangetriebene Online-Newsnetzwerk. Unsere Wertschätzung für TeleZüri und Radio 24 ist ungebrochen und wir sehen für diesen beiden Medien als Teil des Unternehmensbereichs Medien Zürich und Nordostschweiz weiteres Wachstumspotential.
Die Umstrukturierung hat zur Foge, dass wichtige Kaderleute in Schlüsselpositionen den Hut nehmen. Was sind die Gründe dafür, dass Uli Rubner und Andreas Meili die Tamedia verlassen?
Wir haben Uli Rubner angeboten, weiterhin den Bereich Zeitschriften zu führen. Das spannende an ihrer Aufgabe bei Tamedia war für Uli Rubner aber die Arbeit in der Unternehmensleitung und dieser hätte sie als Leiterin Zeitschriften nicht mehr angehört. Uli Rubner hat deshalb entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen. Auch Andreas Meili konnten wir keine Position mehr anbieten, die seinen Fähigkeiten und seiner bisherigen Stellung entsprochen hätte. Ein eigener Bereich elektronische Medien wäre im Vergleich mit den anderen Unternehmensbereichen schlicht zu klein gewesen. Deshalb hat sich Andreas Meili ebenfalls entschlossen, das Unternehmen zu verlassen und sein breites Kowhow in die neue Medienanwaltskanzlei einbringen, die er gemeinsam mit Martin Wagner aufbauen wird. Ich bedaure, dass ich in Zukunft nicht mehr mit diesen beiden grossartigen Kollegen zusammenarbeiten kann.
(Die Fragen wurden Martin Kall schriftlich zugestellt. Bearbeitung: David Vonplon)

