Samuel Stutz, Sie haben Ringier erst vor drei Monaten verlassen und starten bereits ein eigenes Gesundheitsmagazin. Hatten Sie Ihr neues Gratisblatt schon vor dem Abgang bei "Gesundheit Sprechstunde"in der Pipeline?
Nein, das war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant. Ich habe bereits für verschiedene Titel Artikel geschrieben und kam im Spätsommer zum Schluss, dass es Sinn machen würde, wenn ich eine eigene Publikation aufbaue, die regelmässig erscheint. Im Gegensatz zu irgendwelchen Beilagen oder Broschüren wirkt das verlässlicher.
Sie befinden sich auch im Aufbau einer virtuellen Klinik: Welche Rolle spielt dabei Ihr neues Gratismagazin?
Ich bin intensiv mit den Vorbereitungen für die virtuelle Klinik beschäftigt, das Projekt braucht aber noch eine gewisse Zeit, bis es an den Start gehen kann. Das Magazin wird später mit dem Online-Portal vernetzt werden. Die virtuelle Klinik wird ein Teil des Magazins sein und umgekehrt.
Neben Magazin und virtueller Klinik planen Sie Ihr TV-Comeback. Sie wollen den gesündesten Schweizer suchen. Wie sieht das Konzept aus?
De Sendung heisst "Gesundheitsduell". Dabei treten zwei Kandidaten gegeneinander an. In jeder Sendung wird bei diesen jeweils der Zustand eines Organsystems getestet. Der Gewinner kommt eine Runde weiter. Das Format präsentiert zudem Patientenschicksale und Expertenmeinungen.
Sie setzen also als Kern des Konzepts nicht auf die Beratung, sondern auf den Wettbewerb?
Die Beratungssendung hat ausgedient. Vor zehn Jahren hat es noch gereicht, wenn Prominente über ihre Gesundheit reden. Durch den Wandel der Gesellschaft hat die Gesundheit heute ein kompetitives Element bekommen. Wer gesünder ist, ist leistungsfähiger. Darum soll auf unterhaltsame, spielerische Art diesem Umstand Rechnung getragen werden.
Stehen Sender und Zeitpunkt für die Ausstrahlung von "Gesundheitsduell" schon fest?
Ich bin mit diversen Sendern im Gespräch. Noch dieses Jahr werde ich eine Pilotsendung produzieren. Es ist nicht mehr die Frage, ob diese Sendung zustande kommt, sondern nur noch wann und wo.
Zurück zum Gratismagazin. Sie haben bis auf einen Artikel alle Beiträge für die erste Ausgabe des Magazins selber geschrieben. Wird das so bleiben, oder wollen Sie eine eigenständige Redaktion aufbauen?
Ich habe während sechs Wochen bis nachts um 2.00 Uhr geschrieben. Ich möchte künftig die Arbeit sicher auf mehrere Autoren verteilen - denke da aber an eine Zusammenarbeit auf freier Basis. Einen grossen Apparat hätte ich gar nicht finanzieren können.
Wird sich das Magazin auch formal weiterentwickeln?
Mit der ersten Ausgabe habe ich mal einen kleinen, bescheidenen Anfang gemacht. Das gilt auch für die optische Erscheinung des Magazins. Schon die nächste Nummer im Dezember wird in einem ganz anderen Outfit daher kommen. Ich wollte aber nicht lange reden und ein Jahr lang planen, sondern möglichst schnell starten. Auch die Auflage von jetzt 300'000 Exemplaren wird für die zweite Nummer erhöht.
Finanzieren Sie das Magazin wirklich nur aus der eigenen Tasche?
Es gibt keine weiteren Investoren im Hintergrund. Das gilt nicht nur für das Magazin, sondern auch für die virtuelle Klinik. Natürlich habe ich Sponsoring- und Werbepartner, die auch alle ausgewiesen sind.
Sie haben nach eigenen Angaben bereits mit der ersten Ausgabe von "Sprechstunde mit Doktor Stutz" einen Gewinn im knapp sechsstelligen Bereich eingefahren. Rennen Ihnen die Werber die Türen ein?
Der Inseratemarkt hat sehr gut auf unseren Ratgeber angesprochen. Wir haben 30 Inserate verteilt auf 22 Seiten. Das gibt mir Mut für die Zukunft. Überrascht hat mich auch die breite Akzeptanz. Die Inserate stammen aus dem Gesundheitsbereich, von Versicherungen aber auch aus dem Nahrungsmittelbereich.
Die Distribution Ihres Magazins findet über Ständer in 1600 Poststellen statt. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Auf einen Tipp der Schweizer Direkt-Service-Apotheke Mediservice hin, habe ich die Post angefragt. Zudem kam mir entgegen, dass sich die Post verstärkt im Bereich Gesundheit positionieren will. Das Magazin wird übrigens nicht nur an den Poststellen aufliegen, sondern auch an alle Mitglieder von Mediservice verschickt.
Sie betätigen sich zum ersten Mal als Verleger. Profitieren Sie von der Ringier-Schule?
Ich bin als Verleger noch am Lernen. Es ist sicher nicht alles von Beginn an perfekt. Das muss es auch nicht sein. Wie gesagt, ich wollte möglichst schnell starten. In der Schweiz geht meiner Meinung nach sowieso alles zu lange.
Ihr Magazin heisst "Sprechstunde mit Doktor Stutz". Eine bewusste Anlehnung an "Gesundheit Sprechstunde"?
Was man 20 Jahre gemacht hat, kann man nicht aus dem Kopf verbannen. Es ist unmöglich seinen Werdegang auszublenden. Ich biete auch eine Sprechstunde an und nicht ein Kaffeekränzchen. Zudem kann niemand den Begriff "Sprechstunde" für sich pachten.
(Interview: Stefan Wyss)

