«Die Initianten haben verdammt viel erreicht»

Halbierungsinitiative - Lange war sich das Nein-Komitee unsicher, am Ende steht ein deutlicher Sieg: Laura Zimmermann blickt auf den Abstimmungskampf zur SRG-Initiative zurück und hebt die zentrale Rolle der zivilgesellschaftlichen Mobilisierung hervor, die zum deutlichen Ergebnis führte.

von Nick Lüthi

Laura Zimmermann, die Ablehnung der SRG-Initiative fiel mit 62 Prozent Nein-Stimmen erstaunlich deutlich aus. Wann glaubten Sie an den Erfolg?
Als die letzten Umfragen publiziert wurden. Das ist untypisch für mich, ich bin sonst sehr skeptisch. Aber diesmal hatte ich ein gutes Gefühl, das sich mit der Stimmung deckte, die wir während der Kampagne gespürt haben.

War es am Ende vor allem eine Frage der Mobilisierung?
Ich bin skeptisch, ob es nur an der Mobilisierung lag. Uns ist es gelungen, die Kampagne von Anfang an auf der geplanten argumentativen Ebene zu führen: Wir haben konsequent die drastischen Folgen dieser Initiative thematisiert. Die Erzählung der Befürworter von den angeblich «harmlosen Sparmassnahmen» wirkte am Ende unglaubwürdig – auch weil sie mit angezogener Handbremse vorgetragen wurde. Aber natürlich war die Mobilisierung ausserordentlich, wozu sicher auch die gleichzeitigen Wahlen in vielen Kantonen beigetragen haben.

Stichwort angezogene Handbremse: Hat Ihnen die handzahme Ja-Kampagne geholfen?
Die Gegenseite hat im Vergleich zu «No Billag» viel dazugelernt, was wohl den involvierten Agenturen Goal und Campaigneers geschuldet ist. Sie haben einen guten Job gemacht, professionell ihr Lager bewirtschaftet und sich nicht provozieren lassen. Wir hatten deswegen lange eine harte Zeit und waren uns des Sieges keineswegs sicher.

Sie konnten Sport, Kultur und zahlreiche Verbände mobilisieren, während die Ja-Seite eher isoliert dastand. War der Sieg angesichts dieser breiten Allianzen nicht doch erwartbar?
Man darf nicht vergessen: Das Kostenargument der Gegenseite war für uns brandgefährlich. Taktisch unklug agierten die Befürworter jedoch beim Gewerbe; dort konnten wir wichtige Stimmen gewinnen. Ein absolut entscheidender Faktor war zudem der Sport. Dass sich eine Persönlichkeit wie Marco Odermatt in einem Olympia-Winter im Nein-Komitee engagierte, war schon aussergewöhnlich. Es war schön zu sehen, dass am Ende alles so gut zusammengespielt hat. Es war schon wichtig, dass wir die zahlreichen Subkampagnen zusammenführten. Gleichzeitig war deren Engagement existenziell, da unser Kernteam in der Agentur nur aus drei Personen bestand.

In den Städten wurde die Initiative teils sehr deutlich abgelehnt. Woran liegt das?
Natürlich an den politischen Mehrheiten. Und die SP hat mit ihrer Schlussmobilisierung einen guten Job gemacht. Was mich aber fast noch mehr freut: Es sieht so aus, als hätten alle Kantone Nein gesagt, inklusive dem Tessin. Das hätten wir angesichts der kurzen Zeit und der Tatsache, dass wir die 1,5 Millionen Franken für die Kampagne selbst sammeln mussten, nicht zwingend erwartet.

Die Befürworter argumentieren nun, sie hätten dank der Gebührensenkung durch den Bundesrat ihr Ziel eigentlich erreicht. Ist das Ergebnis also eine Win-Win-Situation für Gegner und Befürworter?
Die Initianten haben tatsächlich verdammt viel erreicht, obwohl sie an der Urne sehr deutlich verloren haben. Wir stehen vor der dritten Gebührensenkung innert zehn Jahren. Dass man sich in Kreisen der Initianten trotz des klaren Volksneins nun so verhält, als ginge der Abbau einfach weiter, finde ich demokratiepolitisch problematisch. Man foutiert sich hier um den ausgesprochenen Volkswillen.

Was heisst das für die Zukunft? Haben Sie bereits neue Projekte im Köcher?
Das war eine der strengsten Kampagnen, die wir je geführt haben. Das müssen wir erst einmal sauber abschliessen.


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