«Die Jury prämiert eine journalistische Leistung, kein politisches Programm»

IWP-Preis - Der IWP-Preis für exzellenten Wirtschaftsjournalismus geht 2026 erstmals an einen Journalisten eines deutschen Mediums. Ausgezeichnet wird Carsten Korfmacher von Cicero für seine Recherche über Javier Mileis Reformkurs. IWP-Geschäftsführer René Scheu erklärt, weshalb eine gute Geschichte mehr leisten muss, als eine Haltung zu bestätigen.

Herr Scheu, der Preis wird zum dritten Mal vergeben. Was muss ein Beitrag leisten, um ihn zu verdienen?
René Scheu: Er muss faktentreu sein, schlüssig argumentieren und auch ohne Fachstudium verständlich bleiben. Er muss beim IWP eingereicht worden sein, dieses Jahr waren es über 70 Beiträge. Und die unabhängige Jury muss ihn für preiswürdig befunden haben.

Carsten Korfmacher erhält die Auszeichnung für einen Text über Javier Milei (persoenlich.com berichtete). Ist das auch ein Urteil über dessen Politik?
Nein. Die Jury prämiert eine journalistische Leistung, kein politisches Programm. Korfmacher untersucht, was in Argentinien geschieht und welche Schlüsse sich daraus für Deutschland ziehen lassen. Das ist ein höchst fruchtbarer – und unerschrockener – Ansatz. Nicht die Polemik steht im Vordergrund, sondern die Analyse.

«Korfmacher bleibt nicht bei der grossen Geste stehen»

Was hat die Jury an «Katharsis per Kettensäge» überzeugt?
Korfmacher bleibt nicht bei der grossen Geste stehen. Er verbindet Beobachtungen aus Argentinien mit Gesprächen und erklärt, wie Staatsausgaben, Geldschöpfung und Inflation ineinandergreifen. Zugleich fragt er, welche Bedingungen Reformen tragen und weshalb ein ähnlicher Wandel in Deutschland auf Widerstände stösst. So wird aus einer schrillen Geschichte eine nachvollziehbare Untersuchung.

Der Preisträger arbeitet für ein deutsches Magazin. Wäre ein Schweizer Medium nicht naheliegender gewesen?
Klar, das IWP legt den Fokus seiner Forschung auf die Schweiz. Aber wirtschaftspolitische Fragen halten sich nicht an Landesgrenzen. Dass der Preis erstmals nach Deutschland geht, zeigt: Entscheidend ist die Qualität des Beitrags, nicht der Sitz des Instituts.

Das IWP wird häufig als wirtschaftsliberal eingeordnet. Muss man so ticken, um als Preisträger infrage zu kommen?
Die Kriterien des Preises sind klar definiert: Faktentreue, stringente Argumentation, Verständlichkeit, Relevanz und ein Beitrag zur öffentlichen Diskussion. Die unabhängige Jury beurteilt die eingereichten Beiträge nach journalistischen Kriterien; das IWP nimmt auf die Wahl keinen Einfluss. Auch die Finanzierung durch die Stiftung Schweizer Wirtschaftspolitik begründet kein Mitspracherecht. Für die Jury zählt, ob ein Beitrag Erkenntnis ermöglicht, nicht, ob er eine politische Erwartung bedient.

Welche Funktion hat der Preis?
Er soll zeigen, dass faktenbasierter Wirtschaftsjournalismus gesellschaftlich etwas bewirkt. Bürgerinnen und Bürger können nur urteilen, wenn sie die Sachlagen und Zielkonflikte kennen. Der Journalismus nimmt ihnen die Entscheidung nicht ab. Er schafft die Grundlage für ein informiertes Urteil.

Die Auszeichnung ist mit 30'000 Franken dotiert. Ist das nicht etwas viel?
Eine fundierte Recherche kostet Zeit und Können. Mit der Dotierung machen wir sichtbar, dass diese Arbeit Wertschätzung verdient. Der Preis ehrt nicht nur eine Person. Er soll auch den Anspruch stärken, wirtschaftspolitische Themen faktenbasiert und verständlich aufzubereiten.