Hanspeter Spörri, von 2001 bis Ende 2006 Chefredaktor des Bunds, nimmt in der aktuellen WOZ die Übernahme der Espace Media Group durch die Tamedia als Anlass, um frei nach Schumpeter den Prozess der "kreativen Zerstörung der Zeitung" nachzuzeichnen. Dass der national verankerte Zürcher Verlag den regionalen Berner Verlag schluckt, ist gemäss Spörri eine zwingende Folge der herrschenden Wirtschaftsordnung: "Die Konkurrenz verlagert sich von der lokalen auf die regionale, von dieser auf die nationale und schlussendlich auf die globale Ebene." Auch wenn dies Linke und altmodische Liberale bedauern würden, könnten sie nichts dagegen tun.
"Was wird nun besser?", fragt sich Spörri im Artikel und kommt zum Schluss: "Vielleicht die Berner Zeitung, die durch diverse Sparübungen bereits ernsthaft Schaden genommen hat". Im Verbund mit dem Tages-Anzeiger liesse sich der ausgedünnte Mantel mit der nur noch mangelhaften Wirtschafts-, Kultur- und Auslandsberichterstattung quantitativ und qualitativ wieder verbessern. Dies allerdings wäre wiederum schlecht für den Bund, den Spörri -- wer könnte es besser wissen als er -- "durch Sparübungen [...] bereits für lädiert hält, wenn auch weniger als die Berner Zeitung.
Spörri kann es sich nicht verkneifen, in der WOZ gegen jene Medienmanager zu schiessen, die ihm über Jahre hinweg Sparübungen aufgebrummt hatten, die er dann auszuführen hatte. Die Aufgabenteilung zwischen Bund und BZ habe anfänglich funktioniert, so Spörri. Doch um die Rentabilität des Konzerns kurzfristig zu erhalten, seien weiter Kosten gesenkt worden. Aufgrund dessen habe sich das Unterfangen, unter dem gleichen Verlagsdach zwei Titel von derart unterschiedlicher Mentalität herauszugeben als "Kräfte verschleissendes Unterfangen" erwiesen.

