(Fast) alles was Rang und Namen hat, fand sich am Mittwochabend zum festlichen Anlass der Stiftung Zürcher Journalistenpreis ein: Medienwissenschaftler Roger Blum, die Kabarettisten Beat Schlatter und Victor Giacobbo, Mäzen Werner Spross, Sigi Feigel (Ehrenpräsident der Israelitischen Cultusgemeinde) sowie zahlreiche TV-Stars und Journalisten. Sie alle wollten wissen, wie sich die Jury mit Barbara Bürer (redaktionelle Mitarbeiterin Das Magazin), Esther Girsberger (Co-Ressortleiterin Wirtschaft Die Weltwoche), Andreas Isenschmid (Noch-Kulturchef Tages-Anzeiger), Felix E. Müller (NZZ) und Presseratspräsident Peter Studer entschieden.
Die mit 12'000 Franken dotierte Hauptauszeichnung der Stiftung Zürcher Journalistenpreis ging an Martin Beglinger für seinen im Magazin erschienenen Artikel "Tod eines Lehrers". Beglinger hat behutsam und auf mehreren Seiten den Suizid eines Sekundarlehrers in Urnäsch aufgerollt. Den Zürcher Journalistenpreis 2001 erhielten auch Andri Bryner und Alexej Djomin mit ihren Stadtbeobachter-Kolumnen im Winterthurer Landboten, die freie Journalistin Lisbeth Herger für ihren Beitrag mit dem Titel "Ein Dorf sucht einen Pfarrer" in der NZZ-Rubrik "Zeitbilder", Urs Rauber und Rahel Stauber mit ihrer Reportage "Ex-Jugoslawien: Das neue Feindbild" im Beobachter sowie Oswald Iten mit seinem riskanten NZZ-Artikel "Folter und Mord im Kerker von Jayapura".
Jury-Mitglied Isenschmid kritisierte, dass - obwohl 39 Artikel in die Endrunde gekommen sind -, eigentliche Beiträge aus dem Tages-Journalismus fehlten. Deshalb werde für nächstes Jahr ein Spezialpreis für den Alltags-Journalismus ausgesetzt.
Für einen Höhepunkt sorgte die humorvoll-ironische Rede von Bundesrat Kaspar Villiger, der sein Verhältnis zu den Medien offenbarte. Zuerst betonte er: "Das wichtigste ist die Medienfreiheit. Sie ist Pfeiler der Demokratie. Auch das Unbequeme, das Kritische, das beharrlich Bohrende und das unablässig Skeptische muss zugelassen sein." Wenn er, so Viliger, Vergleiche mit dem Ausland anstelle, komme er zum Schluss, dass die Qualität des Schweizer Journalismus überdurchschnittlich ist.
Die Anwesenden seien aber kaum gekommen, um Lobeshymnen zu hören. Villiger fragte: "Wer kontrolliert eigentlich die Medien? Das darf niemals der Staat sein Aber führt der Verdrängungswettbewerb auf dem Markt tatsächlich auch zum Wettbewerb der Meinungen?" Gleichzeitig gab Villiger zu, dass ihm das Medium Zeitung am liebsten ist: "Eine Zeitung kann man rückwärts durchblättern, eine Tagesschau nicht. Ich kann die Lektüre für ein kurzes Gespräch unterbrechen, bei der Tagesschau muss ich nach Ruhe schreien, wenn der Hund ausgerechnet an der Schlüsselstelle bellt."

