29.09.2022

Prix Média 2022

Diese Journalisten erhalten den Preis

Eine multimediale Reportage und ein Podcast der NZZ am Sonntag konnten die Jury gleichermassen überzeugen, sodass der Prix Média zwei Mal vergeben wurde. Den Prix Média Newcomer gewinnt ein Dokumentarfilm über Fischfossilien im Libanon.

Was lehrt uns der Blick nach Afrika für die nächste Pandemie? Und welche Rolle spielte die Neurochirurgie in der Psychiatrie? Diesen Fragen sind die beiden prämierten Teams von Wissenschaftsjournalistinnen in ihren Bewerbungen für den Prix Média nachgegangen.

«Eine sehr gute Umsetzung eines relevanten Themas. Das wird selten so aufwändig gemacht». So bewertete die Jury die multimediale Webreportage «One Health – Mit neuem Gesundheitsverständnis gegen die nächste Pandemie». Prix Média Preisträger Samuel Schläfli, Seraina Hügli und Lucas Pfister begleiten darin den Epidemiologen und «One Health»-Pionier Jakob Zinsstag auf eine Reise zu den Ursachen für die Covid-19-Pandemie und zeigen, wie wichtig es ist, Mensch, Tier und Umwelt als Einheit zu betrachten. «Es macht Spass diesen Beitrag zu lesen und er könnte auch in Schulen eingesetzt werden», so das Jury-Urteil. Die Reportage ist auch in der «NZZ am Sonntag» erschienen.

Das Team um Samuel Schläfli lieferte sich in der Ausmarchung ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit This Wachter, Theres Lüthi, Patrick Imhasly und Simon Meyer. Dieses zweite Team hatte sich mit der ersten Episode seiner sechsteiligen Podcast-Serie «Skalpell und Wahn» der «NZZ am Sonntag» für den Preis beworben. Darin zeichnet das Team die Geschichte der Lobotomie auf, eine neurochirurgische Operation, die in der Schweiz und weltweit ab Mitte der 1930er Jahre bis ca. 1970 bei psychischen Erkrankungen angewandt wurde. «Der Podcast greift in einem ruhigen Ductus ein sehr ernstes Thema auf», so die Jury. «Die Mischung aus nüchternem historischem Text und ZeitzeugInnen macht den Podcast extrem spannend, ohne reisserisch zu sein.» Ausserdem betonte die Jury die zunehmende Bedeutung von Podcasts. Das Team habe dieses Format exzellent genutzt, um wissenschaftliche Inhalte einem breiteren Publikum nahe zu bringen.

Die Preisjury war sich einig, dass beide Teams exzellente, preiswürdige Arbeiten vorgelegt haben und zeichnet deshalb beide mit dem Prix Média aus, der mit jeweils 7’500 Franken dotiert ist. Die Teams haben sich damit gegen 28 Mitbewerberinnen und -bewerber aus Print-, Online-, Audio- und Videojournalismus durchgesetzt, die allesamt ebenfalls hochstehende Arbeiten eingereicht hatten.

Prix Média Newcomer zu ausgestorbenen Fischen
Lucas Vimpere, Gewinner des Prix Média Newcomer, richtet in seinem Dokumentarfilm «Les trésors cachés des montagnes Libanaises» den Fokus auf eine ausgestorbene Fischart im Libanon. Die Jury lobte sowohl die wissenschaftliche Herangehensweise des Geologen wie auch das Storytelling. «Die Dokumentation verbindet zwei Geschichten: Die Geschichte der wissenschaftlichen Forschung im Naturhistorischen Museum in Genf und die Geschichte einer Familie im Libanon.» Dabei fokussiert Vimpere auf die Arbeit einer Doktorandin, die herausfinden will, warum eine bestimmte Fischart nur wenige Millionen Jahre existierte. «Es wird immer sehr klar, was wissenschaftlich erwiesen ist und was noch nicht geklärt ist.» Zudem werde im Film auch die Verbindung zur Klimaerwärmung hergestellt und damit ein aktuelles Thema aufgegriffen.
Lucas Vimpere wurde mit einem Recherchebeitrag für sein Projekt gefördert, ebenso wie das Journalistinnenteam Alisha Föry und Céline Jenny, die für die «NZZ am Sonntag» «Psycho-Pilze» unter die Lupe genommen haben. Früher machten sie vor allem als Partydroge Furore, doch nun entdeckt die Forschung vermehrt das Potenzial der Psychedelika.  Beim öffentlichen Public Voting setzte sich Lucas Vimpere beim Publikum durch und wird nun mit dem Prix Média Newcomer ausgezeichnet. Der Preis ist mit 4000 Franken dotiert.

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz fördern mit den Preisen den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei haben Journalistinnen und Journalisten eine entscheidende Vermittlerrolle, indem sie wissenschaftliche Themen kritisch beleuchten und für ein breites Publikum aufarbeiten. Von welcher Bedeutung diese Arbeit ist, zeigte sich insbesondere auch während der Covid-19-Pandemie und zeigt sich jetzt dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Mit dem Prix Média Newcomer fördern die Akademien der Wissenschaften Schweiz zudem junge Talente, die ein Konzept mit kreativen und eigenständigen Ideen entwickeln und die Gunst des Publikums gewinnen. Die diesjährige Preisverleihung findet am 29. September in Zürich statt und wird von einer zusammen mit der Jungen Akademie Schweiz organisierten Podiumsdiskussion zum Thema «Fake News und Verschwörungstheorien» begleitet. (pd/mj)



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