Geisseler hatte das Amt als Chefredaktor der "Schweizer Illustrierten" Anfang 2008 übernommen. Nach nicht einmal einem Jahr kommt es nun erneut zu einem Wechsel. Urs Heller hatte die publizistische Leitung der People-Zeitschrift bereits nach dem Abgang von Marc Walder in Richtung "SonntagsBlick" interimistisch geführt.
In einem Interview mit "persoenlich.com" erläuterte Geisseler, was er mit der SI vorhat. "Seit der Einstellung von Facts gibt es kein Nachrichtenmagazin mehr in der deutschen Schweiz, wodurch eine gewisse Lücke in Sachen Nachrichtenaktualität entstanden ist. Dort kann auch eine SI ansetzen. Wir wollen nicht zum "Stern" werden, aber die SI darf pro Ausgabe ruhig ein bis zwei Reportagen enthalten, die etwas anders inszeniert sind als eine Homestory."
Nun spricht Ringier in der Mitteilung zu Geisselers Abgang von "unterschiedlichen Vorstellungen über die publizistische Ausrichtung". Wie hatte der neue Ringier Schweiz-Chef Marc Walder Anfang Juli im Interview mit "persoenlich.com" gesagt: "Die 'Schweizer Illustrierte' wurde als People-Magazin erfolgreich, und die 'Schweizer Illustrierte' soll ein erfolgreiches People-Magazin bleiben. Punkt."
Trennung laut Ringier ohne kommerzielle Hintergründe
Es sei kein einsamer Entscheid von Marc Walder gewesen, für die SI einen neuen Chefredaktor zu suchen, erklärt Ringier-Sprecher Stefan Hackh auf Anfrage von "persoenlich.com". Selbstverständlich habe Marc Walder den Publizistischen Ausschuss, in dem auch der Verleger Michael Riniger, Einsitz hat, mit in diesen Entscheid einbezogen.
Auf die Differenzen zwischen Geisseler und der Ringier-Führung wollte Hackh nicht näher eingehen. Er bekräftigte aber, dass rein publizistische Gründe zur Trennung geführt haben und es keinen kommerziellen Hintergrund gebe. "Die Anzahl verkaufter Exemplare am Kiosk ist zwar leicht gesunken, bei den Abonnenten verzeichnet die SI dafür eine klare Zunahme. Betriebswirtschaftlich geht es der Schweizer Illustrierten nach wie vor ausgezeichnet."
So hätten auch nicht etwa sinkende Werbeeinnahmen zu Geisselers Abgang geführt. "Die 'Schweizer Illustrierte', die 'SI Style' und die kommende 'SI Gruen' sind hervorragend unterwegs", erklärt Hackh.
Aufstand der Redaktion dementiert
Die Zeitung "Sonntag" berichtete schon Anfang Juni, dass es bei der SI gewaltig rumore und die Absetzung des Chefredaktors nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Im damaligen Bericht war zu lesen, auf der Redaktion herrsche das Chaos: "Ressortleiter rebellieren, Mitarbeiter verlangen Zwischenzeugnisse. Der Grund für den Aufruhr hat einen Namen: Dominic Geisseler." Vorgeworfen werde ihm insbesondere, dass er nicht in der Lage sei, innert nützlicher Frist tragfähige Entscheide zu fällen.
"Der erwähnte Artikel entbehrte schon bei seinem Erscheinen jeder Grundlage", meint Ringier-Sprecher Hackh. Von Chaos sei keine Spur. "Die Stimmung war und ist gut, das Team motivert und engagiert. Natürlich entstehen bei einem Chefredakorwechsel Unsicherheiten, weil einzelne Ressorts und Redaktoren stärker gefordert, neue Mitarbeitende eingestellt und natürlich auch Anpassungen vorgenommen wurden."
Nachfolgeregelung dauerte beim letzten Mal fast ein Jahr
Laut Ringier werden derzeit Gespräche für eine Nachfolge von Geisseler geführt. Die Namen von Peter Rothenbühler, Peter Röthlisberger und Helmut-Maria Glogger dürften einmal mehr herumgeistern. Laut Ringier-Sprecher Hackh ist sowohl eine interne als auch eine externe Lösung denkbar. "Marc Walder hat schon einige Kandidaten im Auge". Namen wollte Hackh freilich nicht nennen.
Zur Erinnerung: Als Marc Walder als Chefredaktor von der "Schweizer Illustrierten" zum "SonntagsBlick" wechselte, musste Urs Heller die publizistische Leitung der People-Zeitschrift interimistisch für fast ein Jahr -- von Mitte Februar 2007 bis Anfang 2008 -- übernehmen, bevor mit Dominic Geisseler ein Nachfolger feststand.
(Text: Stefan Wyss)

