07.06.2007

"Du unterstellst mir das Schlimmste..."

In seiner ersten Medienkolumne im "persönlich rot" hat Roger Schawinski Le-Matin-Chefredaktor Peter Rothenbühler vorgeworfen, er habe Swatch-Gründer Nicolas G. Hayek in der Weltwoche geschont, um ihn als Inseratekunden nicht zu vergraulen. Nun antwortet Rothenbühler Schawinski. Die Vorwürfe des früheren Sat.1-Chefs hält er "fast schon für eine Beleidigung". Offenbar habe Schawinski, so Rothenbühler, wieder mal blind drauf gehauen. Das Duell der Kolumnisten:
"Du unterstellst mir das Schlimmste..."

Lieber Roger Schawinksi

Super, dass du in deiner allerersten Medienkolumne fürs "persönlich" meinen Namen ganze sieben Mal erwähnst. Schön, dass du ausgerechnet meine Weltwoche-Mailbox an Nicolas G. Hayek zum Objekt deiner ersten medienkritischen Betrachtungen im "persönlich" machst. Nicht so super finde ich, dass du mir in deiner Rezension unterstellst, ich schriebe eigentlich meist "als journalistische Storys getarnte PR-Porträts", fahre auch in dieser Hayek-Kolumne "einen werbetechnischen Schmusekurs", um sich "auf keinen Fall den Zorn eines Mannes zuzuziehen", der ein grosser Anzeigenkunde ist.

Du unterstellst mir damit das Schlimmste, was man einem Journalisten unterstellen kann: nämlich, ich sei käuflich, sage dem lieben Anzeigengeschäft zuliebe nicht meine Meinung, mache "peinliche Kotaus" vor einer Figur wie Hayek. Das ist starker Tobak, eigentlich schon fast eine Beleidigung. Hast wieder mal blind draufgehauen?! Tststs. Zu deinem Glück gehöre ich nicht zu den grossen Medien-Mimosen (übrigens ein super Thema für eine deiner nächsten Kolumnen), und zum Glück mag ich dich recht gut, obschon mir dieses Geständnis jetzt bei potenziellen Arbeitgebern (und vielleicht sogar bei Anzeigenkunden) wieder massiv Punkte kostet. Und zum Glück finde ich es sinnlos, hier irgendwelche Gegenbeweise anzutreten oder gar nachweisen zu wollen, wer von uns beiden käuflicher ist.

Alles Blödsinn. Wir gehören beide zu den wenigen, die sich noch eine freche Schnörre leisten können. Weil wir unabhängig sind. Du früher wegen deinem saumässigen Charakter und heute wegen deinen Millionen. Ich leider nur wegen meinem saumässigen Charakter (wobei ja Schweine zu den klügsten Tieren überhaupt gehören, gerade nach den Affen, etc.). Nun, schon beim Abfassen dieses Textes hatte ich gedacht, Achtung, Peter, da draussen wird es sicher ein paar Leser geben, die wieder mal deine Ironie nicht verstehen. Und prompt hat’s sogar einen prominenten Kollegen erwischt.

Tut mir echt leid, Schawi. Hatte mich eigentlich darauf verlassen, dass allgemein bekannt ist, wie schonungslos Le Matin im Allgemeinen und ich im Besonderen mit Herrn Hayek umzugehen pflegen. Sogar aufs Risiko hin, ein paar Anzeigen zu verlieren. Aber das hast du wohl verpasst, warst ja auch ein paar Jahre im Ausland. Am besten du fragst Hayek selbst, wie lieb er mich findet. Der kugelt sich vor Lachen über deine Einschätzung. Ich bin übrigens so frei, diesen Mann in manchen Belangen sehr gut zu finden. Sogar mitunter genial. Bei aller nötigen Distanz zu dem Mann, Hayek ist und bleibt ein toller Typ, den ich zu den ganz grossen des Landes zähle.

Warum eigentlich sollten wir Journalisten so schillernde, brillante und manchmal überaus ätzende Figuren nicht nur gut finden, weil sie auch Anzeigenkunden sind? Ist doch völlig blöd. Oder nicht?

(Brief: Peter Rothenbühler)

Roger Schawinskis erste Medienkolumne für "persönlich" lesen sie hier


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