04.12.2025

Radio SRF

«Echo Wissen» folgt auf Wissenschaftsmagazin

Die Abschaffung löste Proteste und Petitionen aus. Nun kommt es zu einem halben Happy End: Anstelle des eingestellten Wissenschaftsmagazins auf Radio SRF gibt es einmal wöchentlich ein Wissens-Dossier im «Echo der Zeit».
Radio SRF: «Echo Wissen» folgt auf Wissenschaftsmagazin
Markus Hofmann, publizistischer Leiter «Echo der Zeit» und Andrea Fischli, publizistische Leiterin Team Wissenschaft SRF, nehmen Stellung zum «Echo Wissen». (Bilder: zVg/SRF)

Ein Ersatz ist es nicht. Aber der Wissenschaftsjournalismus hat auch künftig einen festen Sendeplatz auf Radio SRF, wie persoenlich.com erfahren hat.

Anfang Februar 2025 gab die SRF-Leitung bekannt, das wöchentliche «Wissenschaftsmagazin» per Ende Jahr einzustellen. Die Sendung wurde seit 2007 einmal pro Woche ausgestrahlt.

Trotz Protesten und Petitionen hielt SRF an seinem Sparentscheid fest, versprach aber: «Wissenschaftsjournalismus ist und bleibt bei SRF wichtig.» Ein Teil der Mittel aus dem abgeschafften «Wissenschaftsmagazin» solle künftig «in die tagesaktuelle und hintergründige Berichterstattung für reichweitenstarke Sendungen in der Radio-Primetime» fliessen – beispielsweise «Echo der Zeit», hiess es damals (persoenlich.com berichtete).

«Sichtbarkeit von Wissensthemen stärken»

Nun ist klar, was das heisst. Ab dem 12. Januar gibt es im «Echo der Zeit» jeweils montags einen fixen Sendeteil für Wissen und Wissenschaft. Die neue Rubrik heisst «Echo Wissen» und wird am Ende der Sendung platziert. «Wir wollen damit die Sichtbarkeit von Wissensthemen stärken, wie dies der neuen SRF-Strategie entspricht», sagt Markus Hofmann, publizistischer Leiter «Echo der Zeit». Das Format dauert sechs bis zehn Minuten und umfasst einen oder mehrere Beiträge. Es ist aber keine «Sendung in der Sendung» und wird auch nicht mit einem Signet angekündigt. Ob man «Echo Wissen» als eigenständigen Podcast wird abonnieren können, prüfen die Verantwortlichen zurzeit.

Wie Hofmann erklärt, hätten «Echo der Zeit» und SRF Wissenschaft das Format gemeinsam entwickelt. Im Sinne dieser Kooperation soll das Gefäss künftig auch bespielt werden. «Sowohl die Info- als auch die Wissenschaftsredaktion können Beiträge und Perspektiven einbringen. So kann ein Wissensthema beispielsweise durch einen Beitrag mit einem politischen oder wirtschaftlichen Fokus ergänzt werden – und umgekehrt», teilt die SRF-Medienstelle auf Anfrage mit.

«Audio wird nicht vernachlässigt»

«Echo Wissen» ergänze die bestehende Wissenschaftsberichterstattung im «Echo der Zeit» und in anderen Radiosendungen, erklärt Andrea Fischli. Die publizistische Leiterin Team Wissenschaft versichert, Ressourcen für diese Radiobeiträge stünden zur Verfügung. «Audio wird gegenüber Online und Video nicht vernachlässigt. Das Ziel der Wissenschaftsredaktion ist es, mehr Menschen zu erreichen – auf allen Kanälen.»

Bevor es los geht im kommenden Jahr, heisst es aber Abschied nehmen. Das letzte SRF-«Wissenschaftsmagazin» wird am Donnerstag, 4. Dezember 2025 im Studio Basel aufgezeichnet; zum Abschied mit Gästen und einer Podiumsdiskussion zur «Zukunft des Wissenschaftsjournalismus in Zeiten von Fake News».


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KOMMENTARE

Axel Stammler
07.12.2025 09:51 Uhr
Bin etwas unsicher, ob ich als Berliner mich in dieses Gespräch mischen sollte. Aber diese Kürzungsidee reiht sich in eine Strategie ein, die geradezu furchtbare Wirkungen hat. Da ist im Kleinen der Aufmerksamkeitsverlust. Das Wissenschaftsmagazin bringt ruhige Beiträge mit spürbar durchdachten Argumenten und Details, ohne sich in hektische Einblendungen, Worthülsen oder Dudelmusik im Hintergrund zu flüchten, und trägt so nicht nur zur Verbreitung differenzierten Wissens, sondern auch zu konstruktiver Streitkultur bei. Im nächsten Schritt reiht sich diese Kürzung ein in eine internationale Welle gegen Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus, in Richtung auf wachsende Verblendung. Pauschale Impfverweigerung und Klimawandelleugnung sind nur zwei Beispiele, die Katastrophen den Weg ebnen. Im Großen gibt es aber noch einen anderen Rahmen. Stellenkürzungen sind Teil der Verkleinerung des öffentlichen Diensts. Dieser stabilisiert aber die Gesellschaft. Da meine ich nicht ausufernde Bürokratie, sondern Stabilität im Leben von Angestellten und Bevölkerung, Verlässlichkeit. Jede Privatisierung bringt Unsicherheit und ein Gefühl der Verlorenheit, das kann ich auch nach über 18 Jahren Tätigkeit als Lehrer in verschiedenen Schulformen bestätigen.
Ravena Frommelt
04.12.2025 09:19 Uhr
Braucht dieses "Echo Wissen" einen eigenen Podcast-Kanal? Ja, auf jeden Fall! Es ist traurig, wie in der Schweiz Wissenschaftsjournalismus Stück für Stück abgebaut wird.
Victor Brunner
04.12.2025 08:25 Uhr
Wissenschaft einmal wöchentlich 6 bis 10 Minuten am Ende des "Echo der Zeit" mit einem Rumpfteam. Andrea Fischli sagt das Ziel der Wissenschaftsredaktion ist es, mehr Menschen zu erreichen – auf allen Kanälen. Wie wolkig, blumig und falsch! Wissenschaft wird beim Sender an den Katzentisch verbannt, Service public nicht wahr genommen!
Peter Jaeggi
04.12.2025 07:07 Uhr
Gefährliche Mogelpackung Das ist eine Alibiübung, eine Mogelpackung, auf der steht: «Sichtbarkeit von Wissensthemen stärken». Einmal pro Woche ein paar läppische Minuten. Das Wissenschaftsmagazin zeichnete sich hingegen durch ein kompetentes Team mit wissenschaftlichem Hintergrund aus. Im Magazin fand eine Themenpalette Platz, die mit dem jetzigen Konzept nicht mehr möglich ist. Die Abschaffung war und ist ein Bruch mit dem Bildungsauftrag der SRG. Ohne festen Sendeplatz ist eine Verwässerung vorprogrammiert. Dass die verheerende Entscheidung offenbar auf einer Umfrage mit nur sehr wenigen Teilnehmenden beruhte (laut Magazin: «lediglich 20 Teilnehmende»), wurde als besonders fragwürdig kritisiert – keine repräsentative Basis für einen so weitreichenden Schritt. Der Entscheid löste in der Bevölkerung und in der Wissenschaft grosse Resonanz aus: Eine Petition mit über 27 000 Unterschriften, eine Demonstration vor dem SRF-Studio Basel mit mehreren Hundert Teilnehmenden sowie zahlreiche Appelle von Kulturschaffenden, Forschenden und Medienkritikerinnen und -kritikern forderten den Erhalt des Magazins. Es ist ein Signal, dass Wissenschaftsjournalismus nicht mehr als eigenständiges Element geschätzt wird. Montagskurzbeiträge werden der Komplexität von Forschung und wissenschaftlichen Debatten nicht gerecht. Die Akademien der Wissenschaften schrieben zu Recht, die Abschaffung «treffe die Schweiz in einer Zeit grösster Bedeutung». In einer «von Wissenschaft und Technologie geprägten Welt» sei es unerlässlich, dass Medien über fundiertes, unabhängiges Wissen berichten – gerade dort, wo private Medien oft zurückträten. Zudem warnten sie, der Wegfall eines etablierten Wissenschaftsformats vergrössere den Raum für Verschwörungstheorien und Desinformation – insbesondere in einer Zeit, in der verlässliche Wissenschaftsberichterstattung wichtiger denn je ist.
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