Ein Gütesiegel für authentische Bilder

Photolabel - Fotografinnen und Fotografen können neu ihre Aufnahmen mit einer geschützten Marke als authentisch ausweisen. Geprüft wird die Echtheit erst im Verdachtsfall.

Ein Kameraumriss, darin ein stilisiertes Auge mit einem Häkchen als Pupille: Dieses Signet soll künftig im Bildnachweis stehen, wenn eine Fotografie das zeigt, was vor der Kamera tatsächlich zu sehen war.

Fotografische und KI-generierte Bilder liessen sich nicht mehr sicher unterscheiden, schreibt der Verein «Photolabel», deshalb müssten Bildredaktionen immer mehr Ressourcen in Verifikation investieren. Sein Positiv-Label setzt bei jenen an, die am Anfang der Bildproduktionskette stehen und die Verantwortung für die Authentizität ihrer Aufnahmen tragen. Man wolle nicht brandmarken, sondern ein Gütesiegel schaffen, sagt Vereinspräsident Christoph Schütz im Interview mit persoenlich.com.

Die in der Schweiz und der EU geschützte Bildmarke lässt sich beim Verein lizenzieren. Die Lizenz ist an eine Person gebunden, läuft drei Jahre und kostet bei Abschluss bis Ende Jahr 25 Franken, ab 2027 dann 55 Franken. Verlage und Agenturen können keine Lizenz lösen, dürfen das Zeichen aber lizenzfrei mitführen, sofern es zusammen mit dem Namen der Urheberin oder des Urhebers erscheint. Verpflichtet sind sie dazu nicht.

Die Richtlinien umfassen zwölf Punkte und orientieren sich an jenen von World Press Photo, sind aber weniger streng. Digitale Werkzeuge sind nicht komplett ausgeschlossen. Zulässig bleiben Zuschnitt, Helligkeit, Kontrast und Schwarzweiss, ausgeschlossen sind generative KI, 3D-Rendering und Kreativfilter. Massgebend ist nicht allein die Art des Eingriffs, sondern auch, ob die Betrachtenden die Szene so gesehen hätten. Eine systematische Kontrolle gibt es nicht: Der Verein setzt auf das Vertrauensprinzip und verlangt erst im Verdachtsfall die Rohdatei. Wer fünfmal in einem Kalenderjahr gegen die Richtlinien verstösst, darf während sechs Monaten keine Bilder mehr kennzeichnen.

Das Label sei keine Konkurrenz zu technischen Verfahren wie C2PA, sondern eine Ergänzung, hält der Verein fest. Sein Vorteil liege in der visuellen Erkennbarkeit und der technologischen Unabhängigkeit. Die Hoffnung: dass Informationsmedien und Verlage künftig Fotografinnen und Fotografen bevorzugen, die mit dem Label bürgen, und es selber in ihre Publikationen setzen.

Gegründet hat den Verein diesen Sommer in Bern eine Gruppe aus der Fotobranche. Schütz ist Fotograf, Kleinverleger und Medienwissenschaftler. Er koordinierte von 2013 bis 2019 die Arbeitsgruppe Lichtbildschutz. Zu den Mitbegründerinnen und -gründern zählen die Fotografin und Filmemacherin Caroline Fink, der frühere SBF-Präsident Yannick Andrea und Jean-Guy Python, Präsident der Photojournalistes suisses, der Fotosektion des Berufsverbands Impressum. (nil)