Herr Wanner, was hat Sie zu diesem Leitartikel zum Ukraine-Konflikt mit deutlichen Aussagen bewogen?
Der Krieg, den der Aggressor Wladimir Putin gegen die Ukraine führt, hat mich von Anfang an sehr beschäftigt. Es ist eine unglaubliche Barbarei, die da stattfindet. Bei wichtigen Geschehnissen greife ich manchmal selber in die Tasten. Sie dürfen nicht vergessen, ich war früher Auslandredaktor, von daher interessiert mich das Weltgeschehen immer noch brennend.
Wäre ein solcher Kommentar nicht die Aufgabe von Chefredaktor Patrik Müller gewesen?
Patrik Müller hat schon mehrere Kommentare geschrieben zum Krieg in der Ukraine. Er fand es gut, wenn auch ich einen Leitartikel schreibe, er hat mich dazu sogar ermuntert. Und er hat auch entschieden, diesen auf der Frontseite zu platzieren.
Es ist doch eher unüblich, dass sich ein Verleger mit einer derart prononcierten Haltung zur Aktualität äussert. Erfordern Krisenzeiten einfach aussergewöhnliche Massnahmen?
Ja, klar. Aber abgesehen davon finde ich, dass ein Verleger hin und wieder sich äussern sollte. Und dies möglichst prononciert.
«Ich hätte nie gedacht, dass der Artikel solche Wellen schlägt»
Erwarten Sie jetzt von Ihren Redaktionen, dass sie die gleiche Haltung wie Sie einnehmen?
Ich habe sehr viele Komplimente aus der Redaktion erhalten. Die denken gleich in dieser Frage. Auch von den Leserinnen und Lesern habe ich sehr viel Lob erhalten. Ich hätte nie gedacht, dass der Artikel solche Wellen schlägt.
Inwiefern hat Sie Springerchef Mathias Döpfner inspiriert, der in einem Bild-Kommentar ein militärisches Eingreifen der Nato im Ukraine-Krieg forderte?
Ich wusste nicht, dass Döpfner sich ebenfalls prononciert geäussert hat. Das habe ich mittlerweile nachgelesen.
«Die Nato-Mitglieder müssen jetzt ihre Truppen und Waffen dahin bewegen, wo unsere Werte und unsere Zukunft noch verteidigt werden», schrieb Döpfner (persoenlich.com berichtete). Teilen Sie seine Ansicht?
Ja, weitgehend. Ich bin aber nicht ganz so weit gegangen wie Döpfner, der einen direkten Eingriff der Nato forderte. Meiner Ansicht nach müsste die Nato rote Linien ziehen. Zum Beispiel: Wenn ihr Kiew angreift, kontert die Nato mit einem Luftschlag. Oder: Dann richtet die Nato eine Flugverbotszone ein, um die Zivilbevölkerung zu evakuieren.
«Ich werde sicher Geld spenden für die Flüchtlinge und wenn es um den Wiederaufbau des Landes geht»
Für Sie ist klar: Die Schweiz darf in diesem Konflikt ökonomisch, moralisch und politisch «nicht neutral bleiben». An was denken Sie bei politischer Neutralität konkret?
Wir bekennen uns doch zur Demokratie, zu Freiheitsrechten und zum Rechtsstaat und nicht zur Diktatur, zu Unrecht und Willkür. Deshalb müssen wir Sanktionen gegen das Putin-Regime mittragen.
Auch sprechen Sie sich dafür aus, dass sich die Schweiz solidarisch zeigen soll. Wie helfen Sie als Peter Wanner konkret selbst?
Ich werde sicher Geld spenden für die Flüchtlinge und wenn es um den Wiederaufbau des Landes geht.
Sie haben Ihren Leitartikel mit diesem Satz beendet: «Ja, es steht viel, sehr viel auf dem Spiel.» Meinen Sie damit auch die Gefahr eines Nuklearkriegs?
Nein, dafür gibt es das atomare Patt, das «Gleichgewicht des Schreckens» zwischen den Supermächten. Vielmehr geht es jetzt darum, ob 40 Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen in Knechtschaft oder in Freiheit leben können. Der Ausgang dieses Krieges wird Folgen für die ganze Welt haben, auch für uns.
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22.03.2022 10:35 Uhr
21.03.2022 15:51 Uhr

