Coninx stellte in seinem Eröffnungsreferat "Führung von Medienunternehmen in schwierigen Zeiten" zwei Thesen auf: Erstens würden die elektronischen Medien das geschriebene Wort nie ersetzen können. Dennoch wachse zweitens die Rolle der elektronischen Medien in der Informationsübermittlung.
Damit haben für Coninx sowohl Print als auch Multimedia Zukunft. Allerdings müssten sich Print-Redaktionen und -Verlage den veränderten Umständen anpassen: flexibler auf die Bedürfnisse der Leserschaft eingehen, näher an die Aktualität rücken und ein Gespür dafür entwickeln, was die Menschen bewegt. Die Neuen Medien wiederum müssten vermehrt im Verbund mit herkömmlichen Informationskanälen eingesetzt werden. Der Online-Bereich der Tamedia, deren Verwaltungsratspräsident Coninx ist, werde deshalb näher an die Printprodukte herangeführt.
Insgesamt sei Informationsvermittlung weiterhin eine multimediale Angelegenheit. Hektische Betriebsamkeit und dauernde Strategiewechsel seien jedoch fehl am Platz. Die Führung eines Medienunternehmens in schwierigen Zeiten erfordere einen langen Atem und Geduld gepaart mit dem Mut, ein Vorhaben rechtzeitig abzubrechen, wenn es sich nicht den Erwartungen entsprechend entwickle.
Das hochdotierte Treffen, zu dem der Verband Schweizer Presse geladen hatte, war als "Trendtagung" angekündigt worden. In den Referaten liess sich denn auch eine Reihe von wiederkehrenden Themen ausmachen, die wohl als Trends bezeichnet werden können. So schnitten verschiedene Sprecher die stetige Internationalisierung der Medienbranche an. Dr. Josef Trappel, Medienwissenschafter beim Beratungsunternehmen Prognos, vermutet beispielsweise, die grenzüberschreitenden Geschäftsmodelle neuer Akteure würden in den nächsten Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit zur treibenden Innovationskraft für die Schweiz. Damit schränkten sie die Autonomie der Schweizer Akteure potentiell weiter ein.
Als weiterer thematischer Dauerbrenner liessen sich die Neuen Medien ausmachen. Besonders detailliert trat Norbert Specker (Gründer und CEO der Interactive Publishing GmbH) auf Fragen rund um das Internet ein. Kernelemente sind für ihn: eine prinzipiell hohe Qualität der Berichterstattung, die Verfügbarkeit von Medientiteln auf allen Kanälen, die sinnvolle Integration von Bild und Ton, und die direkte oder indirekte Einbindung der Leser. Gegenwärtig würde die Bedeutung von E-Mail von Medienunternehmen generell unterschätzt, sei das Medium doch der wichtigste Ausdruck von "Personal Media" im Internet. Zur Finanzierung von Websites meinte Specker, die Suche gehe noch immer weiter. Immerhin zeigten sich international schon erste nachhaltige Geschäftsmodelle.
Im übrigen habe der 11. September auf die Medienbranche auch positive Auswirkungen gehabt, so Specker weiter: "Schlechte Nachrichten sind gut, weil sie grundsätzlich mehr Leute dazu bringen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was wir, die wir in den Medien arbeiten, denn so tun." Im Internet seien die Nutzungszahlen mit jeder wirklich schlechten Nachricht angestiegen und hätten sich auf höherem Niveau eingependelt.
Der Schwarze Herbst war an der Tagung ein wiederkehrendes Thema. Für den Printbereich wurde die Tatsache als positiv bewertet, dass die Nachfrage nach fundierten, recherchierten Hintergrundinformationen gestiegen ist. Das wiederum kommt etablierten Titeln zugute. "Schwierige Zeiten sind gute Zeiten für etablierte Marken", meinte etwa Hans-Peter Rohner, CEO des Publicitas Promotion Network (und designierter CEO der PubliGroupe).
Wiederholt wurde ausserdem auf die Besonderheiten des hiesigen Marktes und insbesondere auf die geringe Innovationsneigung von Schweizer Publikum und Medien hingewiesen. Das sei so Specker , umso fataler, als Medientrends doch von Medienunternehmen gemacht würden.

