05.05.2022

Blick

«Eishockey ist meine grosse Passion»

Sportjournalist Marcel Allemann wechselt von Blue zum Blick. Er sagt, weshalb sich die Rückkehr an die Dufourstrasse wie eine Heimkehr anfühlt, wie sich der Sportjournalismus verändert hat – und wie er die Chancen der Schweiz an der Eishockey-WM einschätzt.
Blick: «Eishockey ist meine grosse Passion»
«Gleich geblieben ist in meinem Job fast nur, dass es zum Eishockeyspielen noch immer zwei Mannschaften, zwei Tore und einen Puck braucht», sagt der 52-jährige Marcel Allemann, der von 1994 bis 2009 bereits beim Blick gearbeitet hat – davon neun Jahre als stellvertretender Eishockeychef. (Bild: zVg)
von Tim Frei

Herr Allemann*, Sie beginnen am 16. Mai als Eishockeyreporter beim Blick. Wie kam es zu diesem doch eher ungewöhnlichen Startdatum per Monatsmitte?
Ich wollte unbedingt noch zwei Wochen Break zwischen den beiden Jobs, um von Blue in Ruhe Abschied nehmen zu können, rasch durchzuschnaufen und mit geladenen Batterien und voller Tatendrang beim Blick einzumarschieren.

Was hat Sie zum Wechsel von Blue zum Blick bewogen?
Der Hauptgrund ist, dass mein neuer Job auf Eishockey ausgerichtet sein wird. Eishockey ist meine grosse Passion. Ich schreibe am liebsten über Eishockey, schaue am liebsten Eishockey und diskutiere am liebsten über Eishockey. Zudem habe ich mit Nicole Vandenbrouck, Dino Kessler und Stephan Roth, die aktuell das Eishockey-Ressort beim Blick bilden, schon in früheren Jahren zusammengearbeitet. Es ist ein geniales Team, sowohl auf fachlicher wie auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Ich freue mich enorm auf sie.

Man glaubt es bei Ihrer 33-jährigen Tätigkeit im Sportjournalismus kaum: Sie werden erstmals mit Steffi Buchli zusammenarbeiten, der Sportchefin der Blick-Gruppe.
Das ist so, und darauf freue ich mich sehr. Ich kenne und schätze Steffi seit vielen Jahren. Von Kollegen habe ich schon zuvor gehört, dass sie eine glänzende Sportchefin sein soll, viel frischen Wind reingebracht habe. Vor meiner Einstellung haben wir dann ein längeres Gespräch geführt, da konnte ich mich dann selbst von ihren Qualitäten überzeugen. Mit ihrer Vorstellung des Blick Sports und des Sportjournalismus ganz generell kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren. Aus diesen Gründen wollte ich diese frei gewordene Stelle unbedingt, und es erfüllt mich mit enorm viel Stolz, dass ich den Zuschlag bekommen habe. Obwohl dieser Entscheid für mich im Prinzip ganz einfach war, war es emotional trotzdem nicht ganz einfach, Blue zu verlassen.

«Der Blick 2022 ist etwas komplett anderes als der Blick 2009»

Inwiefern?
Es war ein spannendes Jahr in einer aussergewöhnlichen Redaktion, und ich durfte mit vielen grossartigen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, von denen es nun galt, Abschied zu nehmen. 

Zurück zu Ihrer künftigen Stelle. Für Sie ist es eine Rückkehr, arbeiteten Sie doch bereits von 1994 bis 2009 auf der Blick-Sportredaktion. Hat dies Ihren Entscheid beeinflusst?
Das hat natürlich schon eine Rolle gespielt. Ich kenne aus der früheren Zeit noch zahlreiche Leute, die noch immer da sind – das verstärkt natürlich das schöne Gefühl eines Heimkehrens und macht es auch sentimental. Andererseits ist der Blick 2022 natürlich etwas komplett anderes als der Blick 2009, als ich Ringier verlassen hatte. Es ist eine völlig andere Welt.

Wie meinen Sie das?
Damals befand man sich gerade im Aufbau einer Online-Sportredaktion. Inzwischen hat sich durch die im Eilzugstempo vorangeschrittene Digitalisierung so vieles verändert, und auch viele spannende neue Möglichkeiten haben sich eröffnet. Und darauf freue ich mich enorm. Der Blick wird nächste Saison beispielsweise erstmals Eishockey-Spiele aus der National League live übertragen, was ein Meilenstein sein wird. Da in der Redaktion dabei sein zu können, wird ein grosses Highlight.

Sie sprechen die digitale Transformation an, mit der sich alle Medienhäuser konfrontiert sehen. Wie hat sich Ihre Arbeit als Sportjournalist beziehungsweise der Sportjournalismus generell verändert in dieser Zeit?
Wie lange haben Sie Zeit? Darüber könnte man ein Buch schreiben, das lässt sich nicht in ein paar Sätzen beantworten. Es ist ein komplett anderer Job geworden, der mit jenem zu meinen Anfangszeiten nicht mehr viel gemeinsam hat. Gleich geblieben ist fast nur, dass es zum Eishockeyspielen noch immer zwei Mannschaften, zwei Tore und einen Puck braucht. Und dass qualitativ guter Sportjournalismus, welcher der Leserin und dem Leser die Welt des Sports und ihre Protagonisten näherbringt, weiterhin sehr gefragt ist. Vielleicht sogar gefragter denn je. Aber die Werkzeuge und Mittel dafür sind völlig andere geworden.

«Die Schweiz schafft es in den Halbfinal, verliert diesen aber und holt am Ende Bronze»

Inwiefern ist die Stelle bei Blick für Sie mehr als ein Job, eher eine Herzensangelegenheit?
Als Sportfreak haben mir schon als Jugendlicher – damals in Chur – die Regionalzeitungen nicht genügt. Ich wollte immer noch zusätzlich den Blick lesen, die waren da viel näher dran, die deckten alles ab, die schrieben die aufregendsten Geschichten. Als ich dann selbst in den Sportjournalismus einstieg und mit 24 selbst die Möglichkeit erhielt, beim Blick und für Ringier zu arbeiten, war das für mich unfassbar – ich platzte fast vor Stolz. Die Zeit verging in dieser spannenden Welt wie im Flug, und es wurden fast 15 Jahre daraus, ehe ich mich dazu entschied, dass ich doch noch mal etwas anderes sehen möchte. Aber diese fünf weissen Buchstaben auf rotem Grund liessen mich nie los …

Wie hat sich das geäussert?
Es fühlte sich stets heimisch und vertraut an, wenn ich den Blick konsumierte oder auch am Ringier-Gebäude vorbeilief. Es wurden Erinnerungen an eine gute Zeit wach. Und auch der Kontakt zu Blick-Kollegen von früher blieb bestehen, war immer sehr herzlich. Deshalb ist es für mich nun auch eine emotionale Herzensangelegenheit zurückzukehren.

Lassen Sie uns zum Schluss nochmals zu Ihrem Start per Mitte Mai zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt startet die Eishockey-WM in Finnland. Ihr Experten-Tipp: Wie weit schafft es die Schweiz?
Der Anspruch der Mannschaft ist es, eine Medaille zu holen. Und wenn man bedenkt, dass mit Russland einer der heissesten Medaillenkandidaten nicht dabei ist, dann sind die Chancen nochmals gestiegen. Positiv stimmt mich auch, dass viele Schweizer NHL-Spieler im Anflug sind. Aber die Nati hat nun auch einen Umbruch eingeleitet und verzichtet auf einige verdiente Spieler wie den langjährigen Captain Raphael Diaz. Da könnte es sein, dass dem Team am Ende vielleicht eine Spur Reife fehlt. Also gut, ich leg mich mal fest: Die Schweiz schafft es in den Halbfinal, verliert diesen aber und holt am Ende Bronze. Das wäre mal eine neue Farbe nach zweimal Silber. Gold muss vermutlich aber noch ein wenig warten.


*Marcel Allemann war bis Ende April 2022 für ein Jahr lang als Redaktor und Reporter für Blue Sport tätig. Zuvor arbeitete der 52-Jährige für fast zwölf Jahre im Sportressort von 20 Minuten, unter anderem als stellvertretender Sportchef und Chefreporter. Erstmals für die Blick-Gruppe gearbeitet hatte Allemann von 1994 bis 2009 – davon neun Jahre lang als stellvertretender Eishockeychef. 1989 war er beim Bündner Tagblatt als Redaktor und Reporter in den Sportjournalismus eingestiegen, von 1992 bis 1994 amtete er als Sportchef. Der gebürtige Churer verfügt zudem über einen CAS in Sportmanagement, den er 2021 an der Universität St. Gallen erworben hat.



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