Ernst & Young verklagt den Finanzblog

Inside Paradeplatz - Die Beratungsfirma versucht gerichtlich die Löschung eines Artikels zu erwirken – bisher erfolglos. Derweil publiziert Blogbetreiber Lukas Hässig einen angeblichen Whistleblower-Brief von drei Frauen aus dem Unternehmen.

Vor zwei Wochen sperrte die Beratungsfirma Ernst & Young (EY) «Inside Paradeplatz» für ihre Mitarbeitenden (persoenlich.com berichtete). Für EY habe der Blog eine rote Linie überschritten, als dessen Betreiber es zugelassen habe, dass Menschen «im feigen Schutz der Anonymität Sexistisches und Unflätiges» gegen die Mitarbeiter von EY von sich gegeben hätten, wurde Alexander Fleischer, Kommunikationschef der Beratungsfirma, damals auf «Inside Paradeplatz» zitiert.

Nun geht der Streit in die nächste Runde: EY versuchte vergangene Woche beim Zürcher Handelsgericht per sofort die Löschung eines Artikels auf IP zu erwirken, wie der Finanzblog am Dienstag berichtet. Der Richter habe dies vorerst abgelehnt und stattdessen eine Antwortfrist angesetzt. Im Schreiben, das IP von der von EY beauftragten Anwaltskanzlei erhielt, sei von einer «Negativkampagne» gegen die Beratungsfirma die Rede.

Blogbetreiber Lukas Hässig scheint sich davon nicht beeindrucken zu lassen: Gleichzeitig mit der Bekanntmachung der Klage publiziert IP einen Brief, den drei EY-Beraterinnen an den Präsidenten von EY Schweiz, Bruno Chiomento, verfasst haben sollen. Darin erheben sie Vorwürfe gegen einen Kadermann in einer zentralen Position des Unternehmens und fordern dessen Freistellung. Er sei in Fälle von Belästigung verstrickt.

Nach Einschätzung von Lukas Hässig wirke der Brief an Chiomento authentisch, wie er schreibt. Die Verfasserinnen schickten eine Kopie davon an «Inside Paradeplatz». Sowohl der EY-Präsident wie auch eine Sprecherin des Unternehmens hätten auf Anfragen von IP am Montag nicht reagiert. Kommunikationschef Fleischer hatte bereits vor zwei Wochen angekündigt, Anfragen des Finanzblogs zukünftig unbeantwortet zu lassen. (maw)