08.10.2007

"Es ist ein Signal der Stärke, dass wir uns auf diesen Namen geeinigt haben"

Jean Frey und die Verlagsgruppe Handelszeitung werden neu unter dem gemeinsamen Namen Axel Springer Schweiz zusammengefasst. "Die Integration ist nie vollständig abgeschlossen, weil wir immer in Bewegung und im Wandel sein werden", erklärt Ralph Büchi, CEO Axel Springer Schweiz im Gespräch mit "persoenlich.com". Dabei kündet er gleich mehrere Relaunches von Online-Aufritten seiner Printtitel an. Das Interview:
"Es ist ein Signal der Stärke, dass wir uns auf diesen Namen geeinigt haben"

Warum hat man sich dazu entschieden, die Mediengruppe Jean Frey/Handelszeitung in Axel Springer Schweiz umzubenennen?

Diese Absicht bestand seit geraumer Zeit. Wir haben aber den Zeitpunkt abgewartet, an dem wir auch örtlich alle unter einem Dach vereint sind. Jetzt können wir uns als eine Unternehmensgruppe verstehen und die interne Kooperation entsprechend aufgleisen. Und nun können wir auch nach aussen als das auftreten, was wir tatsächlich sind: Axel Springer Schweiz.

Mit Jean Frey verschwindet eine Traditionsmarke aus der Schweizer Medienlandschaft. Gab es intern Widerstand, etwa von ehemaligen Jean Frey-Mitarbeitern?

Die Starken Marken bei Jean Frey und auch der Handelszeitung sind die Printmarken. Die Publikationen sind die „Heroes“, nicht der Familienname der Gruppe. Darum haben wir bei uns eigentlich keine Jean Frey-Leute, sondern „Beobachter“-Leute, „Bilanz“-Leute usw.

Ist die Integration der verschiedenen neuen Titel und Mitarbeiter abgeschlossen?

Die Integration ist nie vollständig abgeschlossen, weil wir immer in Bewegung und im Wandel sein werden. Die wichtigsten Schritte haben aber stattgefunden. Die Bereiche Rechnungswesen, IT und auch die ganzen Services sind nun vereint.

Und wie sieht es bei den Redaktionen aus?

Wir haben nach wie vor einen gewissen Wettbewerb unter den einzelnen Publikationen, bei den Wirtschaftspublikationen wie bei den Programmzeitschriften. Wir arbeiten eng zusammen, wo es wirtschaftlich Sinn macht, und wir wollen eine gesunde Konkurrenzsituation, wo es aufgrund der Kreativität und der Performance bei Redaktionen sowie beim Anzeigenverkauf angebracht scheint.

Wo können Sie im redaktionellen Bereich Synergien nutzen?

Man darf unsere Ausgangslage nicht mit der von tagesaktuellen Medien vergleichen. Dort können sie einfacher Synergien herstellen, weil täglich die gleichen Informationen für verschiedene Kanäle verarbeitet werden. Die Titel in unserem Verlag verstehen sich als kreative Komplementärmedien, also als Ergänzung zu den Tagesmedien. Bei solchen Publikationen sind die Themen nicht einfach durch die Tagesaktualität vorgegeben. Die Inhalte müssen selber ausgewählt, analysiert und gewichtet werden. Das ist eine individuelle, Titel-bezogene Arbeit, die sie nicht industrialisieren können wie die Nachrichtenverarbeitung in einer Tagesredaktion.

Wie sieht die Situation bei den TV-Zeitschriften aus?

Bei den TV-Zeitschriften hatten wir letzte Woche einen Workshop, in dem es gerade darum ging, zu definieren, wo eine gewisse Zusammenlegung Sinn macht und wo wir den Wettbewerb erhalten wollen. Es gilt nach wie vor: Wir werden in allen Segmenten tätig bleiben, d.h. wir werden weiterhin Titel im Wochen-, Zweiwochen- und Monatsrhythmus publizieren. „Tele“ und „TV-Star“ bleiben ausserdem als eigenständige Titel bestehen.

Und die anderen Titel mit gleicher Erscheinungsweise?

Grundsätzlich wollen wir alle Titel weiterpflegen. Ob es bei den zweiwöchentlich erscheinenden Titeln „TV2“ und „TV digital“ später zu einer engeren Verknüpfung kommen könnte und in welcher Art, möchte ich offen lassen. Wir wollen unsere Präsenz im TV-Bereich aber eher ausbauen als beschneiden.

Werden „Tele“ und „TV-Star“ auch weiterhin eigene TV-Preise vergeben?

Dies war auch Diskussionspunkt beim Workshop. Diesen Entscheid werden wir in absehbarer Zeit treffen.

Setzt Axel Springer Schweiz auch auf andere Kanäle als Print?

Noch im Oktober erfolgt der grosse Relaunch des Studentenportals „students.ch“, das wir im April erworben haben. Ein weiterer Relaunch betrifft die „Handelszeitung“, die im November mit einem komplett neuen Online-Auftritt an den Start gehen wird. Im ersten Halbjahr 2008 werden im Online-Bereich auch beim „Beobachter“ sowie bei „Stocks“ und „Bilanz“ neue Entwicklungen sichtbar werden. Zudem überarbeiten wir im Laufe des nächsten Jahres unser Angebot im Bereich der „Electronic Programm Guide“ der TV-Zeitschriften.

Will Axel Springer in der Schweiz auch ins TV-Business einsteigen?

Mir sind keine entsprechenden Pläne bekannt.

Verstehen Sie den Namenswechsel in Axel Springer Schweiz auch als definitives Signal an die anderen grossen Medienhäuser, dass man den Wettbewerb mit ihnen aufnimmt?

Es ist sicher ein Signal der Stärke, dass wir uns auf diesen Namen geeinigt haben, hinter dem eines der grössten Medienunternehmen Europas steckt. Für diejenigen, die uns als Konkurrenten noch nicht wahrgenommen haben, ist das der letzte Hinweis.

(Interview: Stefan Wyss)


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