Felix E. Müller übt Kritik an Blick-Strategie

Ringier - «Wer soll diesen Blick bloss lesen?», fragt sich der frühere NZZ-am-Sonntag-Chefredaktor in einer Medienkritik.

Felix E. Müller, früherer Chefredaktor der NZZ am Sonntag und heutiger Präsident des Stiftungsrats der Journalistenschule MAZ in Luzern, widmet seine aktuelle Medienkritik in der NZZaS dem Blick. Ladina Heimgartner, seit 2020 CEO der Blick-Gruppe, habe dem Medium den Boulevard ausgetrieben, schreibt er. Vermutlich hoffe sie, damit an neue Leserschichten heranzukommen, die vor allem auch aus Leserinnen bestehen sollen, mutmasst er.

Zu diesem Thema äusserte sich Heimgartner im Interview mit persoenlich.com selbst: «Wir nennen es nicht mehr Boulevard. Wir verstehen uns als Newsplattform, die schnell ist und auch komplexe Themen sehr einfach erklären und erläutern kann.» Dabei stelle man immer den Menschen ins Zentrum – das mache den Blick aus.

Mit dem Weg weg vom Boulevard habe sich Heimgartner «etwas Herkulisches aufgebürdet», schreibt Müller in der NZZaS. Denn der Blick sei eine ganz starke Marke, die untrennbar für Boulevard stehe. Weiter: «Dies zu ändern, dürfte so schwierig sein, wie wenn man aus der NZZ ein Fachblatt für Prominentenklatsch machen wollte.»

Hinsichtlich der im Sommer eingeführten Bezahlschranke verschärfe sich die Situation zusätzlich, schreibt Felix E. Müller. «Der klassische Blick-Leser ist ein Gratisleser.» Der Journalist fragt: «Weiss der Blick überhaupt noch, an wen er sich richten will?». Zu vermuten sei, dass die Antwort laute: an alle. Doch im Marketing gelte: Wer allen alles sein will, ist niemandem etwas. (wid)