Fernsehen entlässt Dok-Filmerin Karin Bauer

SRF - Die 57-Jährige arbeitete 32 Jahre für den Sender. Mit ihren Filmen eckte sie immer wieder an, zuletzt mit einem Beitrag zur Zürcher Wohnungsnot. Sie ist nicht die einzige profilierte Journalistin, die gehen muss.

SRF hat Karin Bauer entlassen. Das berichtet schweizheute.ch. «Im Zuge des Spar- und Transformationsprojekts Enavant hat SRF entschieden, sich von Karin Bauer zu trennen», schreibt der Sender. Die Trennung habe keine inhaltlichen Gründe, SRF stelle sich hinter Bauers Filme.

Intern sorgt der Zeitpunkt trotzdem für Irritation. Bauers jüngster Film «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly» lief am 22. Januar, mitten im Stadtzürcher Wahlkampf. Die Kantonalzürcher FDP nannte ihn «politisch extrem unausgewogen». Die Ombudsstelle wies im März neun Beanstandungen ab. Über drei Beschwerden berät die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) erst am 29. Oktober, also rund einen Monat nach Bauers Entlassung. Laut dem Bericht haben manche Mitarbeitende den Eindruck, der Sender beuge sich politischem Druck. Auf die Frage von schweizheute.ch, ob SRG-Generaldirektorin Susanne Wille auf die Entlassung hingewirkt habe, antwortet SRF knapp: «Nein.»

Bauer kam 1994 zum Schweizer Fernsehen. Ab 2008 war sie Produzentin bei der «Rundschau» und drehte Filme für «DOK» und «Reporter». Für «Der Asylchef und die Nigerianer» über den damaligen Chef des Bundesamts für Migration erhielt sie 2011 den Europäischen Civis-Fernsehpreis in der Sparte Information (persoenlich.com berichtete). 2012 ging sie als Korrespondentin nach New York.

Für Wirbel sorgte Bauer schon früher. 2011 warfen ihr 40 Personen in einer Popularbeschwerde vor, ihr Dok «Die SVP-Schweiz – Ein Volk im Reduit» habe Christoph Blochers Chancen auf einen Ständeratssitz geschmälert. Die UBI wies die Beschwerde einstimmig ab. Auch den Film «Die Macht des Volkes» über direkte Demokratie und die SVP beanstandeten 2015 die Nationalräte Natalie Rickli und Gregor Rutz, ohne Erfolg: Die Ombudsstelle sah das Sachgerechtigkeitsgebot nicht verletzt.

2018 empörte sich der Grenchner Stadtpräsident François Scheidegger über die Reportage «Die schweigende Mehrheit». Ombudsmann Roger Blum hiess vier von 13 Beanstandungen gut. Diese betrafen vor allem Details. Anfang 2025 schliesslich wehrte sich die Migros gegen den Dok «Das System Migros – Wie es zum grossen Abbau kam», der zum 100-Jahr-Jubiläum des Detailhändlers lief. Der Film blende Erfolge wie Denner oder Digitec Galaxus aus, kritisierte der Konzern.

Bauer ist nicht die einzige langjährige Journalistin mit pointierter Handschrift, die beim Umbau der SRG gehen muss. Nach 40 Jahren verlässt auch Radio-Auslandchefin Susanne Brunner (62) SRF. Die Journalistin des Jahres 2024 polarisierte mit ihrer Berichterstattung über den Nahostkonflikt. Bei der Neuorganisation hatte sich Brunner für eine neue Führungsfunktion beworben, erhielt die Stelle aber nicht. Statt in Frühpension zu gehen, nahm sie eine Kündigung an. Rund 120 Radiomitarbeitende protestierten in einem Brief an die Informationsleitung dagegen. Wie bei Bauer betonte SRF, der Entscheid sei kein Werturteil über die Betroffenen. (nil)