Flaggschiff mit Schlagseite

Jahrbuch Qualität der Medien - Jahrelang hat die SRG die Spitzenwerte des «Echo der Zeit» gefeiert. Dieses Jahr blieb das Lob aus: Seit 2022 sinkt die gemessene Qualität der Radiosendung. Angestellte sehen darin eine Folge von Umbau und Personalabbau. Die Verantwortlichen widersprechen.

von Nick Lüthi

Das Eigenlob gehörte zum Ritual. Kaum präsentierten die Medienwissenschaftler der Uni Zürich ihr Jahrbuch Qualität der Medien, verschickte die SRG eine Medienmitteilung. Darin hob sie die starken Qualitätswerte der eigenen Sendungen hervor, allen voran jene des «Echo der Zeit». Das Hintergrundmagazin von Radio SRF gehörte während Jahren zu den am besten bewerteten Medienformaten des Landes.

Als die SRG am vergangenen Montag erneut auf die Jahrbuchveröffentlichung reagierte, nannte sie in der Medienmitteilung keine Sendung beim Namen, sondern sprach allgemein von «weiterhin hohen Qualitätswerten».

Qualitätsscore geht seit 2022 zurück

Tatsächlich erzielen Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks immer noch hohe Qualitätsscores, aber nicht mehr durchgängig die höchsten. Ein Abwärtstrend lässt sich insbesondere beim einstigen Flaggschiff beobachten. «Beim ‹Echo der Zeit› geht der Qualitätsscore seit 2022 zurück», heisst es im Jahrbuch Qualität der Medien 2026. Die Sendung habe im Messjahr 2025 zwar «klar überdurchschnittlich» abgeschnitten, könne ihre früheren Spitzenwerte bei Relevanz und Einordnung aber nicht mehr erreichen. Im aktuellen Jahrbuch liegt die NZZ mit einem Qualitätsscore von 8,0 vor dem «Echo» mit 7,7. In den Jahren 2021 und 2022 erreichte die Infosendung jeweils 8,4.

Radioleute im SRF-Studio Bern, wo das «Echo der Zeit» produziert wird, überrascht dieser Befund nicht. Sie sehen in der negativen Entwicklung, wie sie die Forschung nun gemessen hat, eine Folge der internen Umstrukturierungen der vergangenen Jahre. «Wir machen heute mehr mit weniger Personal», sagen Angestellte, die nicht namentlich genannt werden wollen. Dem Radio und den Informationssendungen seien in den letzten Jahren «massiv» Ressourcen entzogen worden. Das «Echo der Zeit» muss sich aus einem immer kleineren Angebot an Beiträgen bedienen. Seine Zuträger in den Fachredaktionen und auf den Korrespondentenposten arbeiten multimedial und bedienen heute eine Vielzahl von Kanälen gleichzeitig, während sie früher nur Radiosendungen belieferten.

«Lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen»

Die Verantwortlichen bestreiten, dass die Qualitätseinbusse eine Folge des multimedialen Umbaus von SRF ist. Ein direkter Zusammenhang sei aus den Daten nicht ableitbar. «Warum einzelne Qualitätswerte gegenüber früheren Jahren tiefer ausfallen, lässt sich anhand des Jahrbuchs nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen», schreibt die Unternehmenskommunikation auf Anfrage. Schliesslich belegten die Resultate keinen generellen Qualitätsabbau bei SRF.

Was sagen die Autoren des Jahrbuchs selbst dazu? Linards Udris, stellvertretender Leiter des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög), betont zunächst, dass es für Forscher wie ihn schwierig sei, die Gründe für die Qualitätsentwicklung zu benennen, «weil wir keinen genauen Einblick haben, welche Ressourcen den Sendungen zur Verfügung stehen». Wenn überhaupt, beeinflussten publizistische Strategien die Qualität stärker als finanzielle und personelle Ressourcen. Udris verweist auf kleinere Redaktionen, die bei der Qualitätsmessung regelmässig gut abschneiden.

Ob die Abwärtsentwicklung beim «Echo» anhält oder eine Trendumkehr gelingt, wird erst das nächste Jahrbuch zeigen. Im Zuge des SRG-weiten Transformationsprojekts «Enavant» sind 2026 grössere Anpassungen im Betriebsmodell des Informationsjournalismus wirksam geworden. Dann lässt sich beurteilen, ob Umstrukturierungen und Personalabbau tatsächlich keinen Einfluss auf die Qualität haben.