Forschende wehren sich gegen Sparkurs

RTS - Knapp 1400 Unterzeichnende aus Spitälern und Hochschulen der Romandie kritisieren in einem offenen Brief Kürzungen bei Wissenschafts- und Gesundheitssendungen. Darunter ist auch Physik-Nobelpreisträger Michel Mayor. Lanciert hat die Aktion die Gewerkschaft SSM.

Der Brief zirkuliert seit einigen Tagen in den sozialen Medien. Unterschrieben haben ihn unter anderem Angehörige des Universitätsspitals Lausanne (CHUV), der Genfer Universitätsspitäler (HUG), der ETH Lausanne (EPFL) und der Universität Lausanne, wie 24 heures berichtet. Der Vorwurf: Die RTS opfere ihre Wissenschaftssendungen.

Konkret nennt das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) drei Formate. Die TV-Gesundheitssendung «36.9°» läuft seit rund einem Jahr nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch in Form von Spezialabenden. Die Umstellung war Teil des Sparpakets, das RTS im Sommer 2025 angekündigt hatte (persoenlich.com berichtete). Laut SSM wurde das Budget der Sendung zudem halbiert. Im Radio wurde «Prise de terre» nach 16 Jahren Anfang Jahr eingestellt. Bei der täglichen Sendung «CQFD» soll das Budget um einen Viertel gekürzt worden sein. Laut der Gewerkschaft droht ihr 2027 das Aus.

RTS bestätigt Abbau

Die Medienstelle der RTS widerspricht dieser Darstellung gegenüber 24 heures nicht. Sie verweist auf den Entscheid des Bundesrats, die Medienabgabe für Privathaushalte schrittweise zu senken: 2027 von 335 auf 312 Franken, ab 2029 auf 300 Franken. Für wissenschaftliche und Umweltinhalte stehen 2027 noch 15,5 Vollzeitstellen zur Verfügung, nach 17,6 im laufenden Jahr. Das entspricht einem Minus von zwölf Prozent. Insgesamt muss RTS im kommenden Jahr 8,1 Millionen Franken einsparen und 25 Vollzeitstellen abbauen.

Ein Teil der Einsparungen werde über die Produktionsmethoden erzielt, ohne Teams und Inhalte zu verkleinern, sagt RTS-Sprecher Marco Ferrara. Die Nachfolgesendung von «Prise de terre» verfüge zudem über ein höheres Budget. RTS hatte angekündigt, die Sendung mit «La Belle échappée» zu einem Umwelt- und Naturmagazin zusammenzulegen. Interne Quellen bemängeln laut der Zeitung allerdings, das neue Format behandle Klimafragen weniger pointiert. Weitere Sendungen könnten je nach Nutzung und Quoten durch andere ersetzt werden, so Ferrara. Das überarbeitete Angebot werde zu gegebener Zeit kommuniziert.

Sorge um den Service public

Das SSM, das im Zusammenhang mit dem Stellenabbau bei der RTS derzeit besonders aktiv ist, sieht die Wissenschaft überdurchschnittlich stark betroffen. Jean Burgermeister, beim SSM zuständiger Sekretär für die RTS und die privaten Medien der Romandie, befürchtet, die SRG entferne sich vom Service public hin zu einem kommerzielleren Modell. Dies gehe zulasten von Themen, die als belastend gelten, etwa dem Klimawandel. Politisch befürchtet das SSM zudem, die SRG könnte Positionen von Medienminister Albert Rösti übernehmen. Auch in der Deutschschweiz traf der Sparkurs die Wissenschaft: SRF hat das «Wissenschaftsmagazin» von Radio SRF eingestellt.

Auch prominente Stimmen aus der Forschung äussern sich. Epidemiologe Antoine Flahault, seit der Covid-Pandemie einem breiten Publikum bekannt, verweist auf eine Studie des Kiel Institute. Demnach sei wissenschaftliche Information vor der Impfphase die wirksamste Massnahme gewesen, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. «Die Wissenschaft hat nicht so viele Kanäle, um ein breites Publikum zu erreichen, vor allem nicht für lokale Fachleute», wird die Ökotoxikologin Nathalie Chèvre von der Universität Lausanne zitiert (übersetzt aus dem Französischen). (cbe)