Fristlose Kündigung nach Mörgeli-Artikel

Ringier - Die Weltwoche hat ein Video eines internen Ringier-Calls verbreitet. Mit Konsequenzen: Der Blick-Journalist, der die Videokonferenz aufzeichnete, wurde nun ausfindig gemacht und entlassen.

von Christian Beck

Das vom Nebelspalter geleakte sogenannte «Marc-Walder-Video» hat zum Jahreswechsel für grossen Wirbel gesorgt (persoenlich.com berichtete). Ein weiteres Video, welches die Weltwoche verbreitete, löste praktisch keine Reaktionen aus, hatte aber folgenschwere Konsequenzen für einen Blick-Journalisten.

Am 24. Januar schrieb Weltwoche-Autor Christoph Mörgeli: «Nun ist ein neues Video aufgetaucht, das ein eigenartiges Licht auf die pflegliche Art und Weise wirft, wie Bundesrat Alain Berset von Ringier behandelt wird.» Auf dem Video ist ein Gespräch unter Ringier-Journalisten zu sehen – unter den über 200 Teilnehmenden mit dabei war auch CEO Marc Walder.

Die Person, die den internen Ringier-Call aufzeichnete und offensichtlich in Umlauf brachte, konnte ausfindig gemacht werden. «Ringier hat nach Bekanntwerden des Leaks eine interne Untersuchung eingeleitet. Die Person, die die Vollversammlung aufgezeichnet und verschickt hat, konnte ausfindig gemacht werden und wurde fristlos entlassen», bestätigt Blick-Sprecher Daniel Riedel entsprechende Informationen von persoenlich.com. Die fristlose Entlassung sei am Montag ausgesprochen worden.

«Hochgradig inkorrekt»

persoenlich.com weiss: Bei der genannten Person handelt es sich um einen Journalisten aus dem Ressort Sport. Darauf angesprochen, meinte der langjährige Journalist: «Ich habe ohnehin schon selbst gekündigt.» Die Kündigung habe er Ende Januar eingereicht. Zu den Gründen, die zur fristlosen Entlassung geführt haben, wollte er sich nicht äussern.

Laut Ringier sei das Erstellen von Ton- und Bildaufnahmen ohne Wissen der Teilnehmenden ein strafrechtlich relevanter Akt. «Darüber hinaus ist es hochgradig inkorrekt gegenüber den Kolleginnen und Kollegen, die unwissentlich exponiert werden, und gegenüber dem Unternehmen, das mit dem Code of Conduct verbindliche Verhaltensregeln für alle Mitarbeitende definiert hat», so Daniel Riedel auf Anfrage.

Bei Ringier und Blick würde eine offene Gesprächskultur gepflegt. «Kritische Stimmen finden immer Gehör: seitens der Vorgesetzten oder HR, wenn nötig über die ‹Speak-up-Line› für Whistleblowing», sagte Riedel weiter. «Wenn wir uns intern austauschen, sei dies vor Ort, schriftlich oder via Video-Call, soll dies in vertrauensvoller Umgebung stattfinden.» Heimliche Ton- und Bildaufzeichnungen und das Weiterleiten interner Dokumente würden nicht toleriert.