12.09.2012

Für 390 Millionen zur grössten Jobplattform

Mit dem gemeinsamen Kauf von jobs.ch und topjobs.ch gelingt Ringier und Tamedia ein cleverer Schachzug: Tamedia schafft den Sprung zur Nummer Eins im Schweizer Stellenmarkt und Ringier ist auf Anhieb vorne mit dabei. Ist der Kaufpreis von 390 Mio. Franken gerechtfertigt? Warum haben weder Ringier noch Tamedia eigenmächtig zugegriffen und wer sitzt im Verwaltungsrat des neuen Joint-Ventures? Persoenlich.com hat nachgefragt:
Für 390 Millionen zur grössten Jobplattform

Am Mittwochmorgen wurde bekannt, was Ringier und Tamedia vorhaben: Sie kaufen gemeinsam die Online-Jobplattformen jobs.ch und topjobs.ch. Dafür werden sie der bisherigen Besitzerin – der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Tiger Global - rund 400 Millionen Schweizer Franken hinblättern müssen (persoenlich.com berichtete).

Die jobs.ch Holding, an der sich beide Partner zu 50 Prozent beteiligen, soll weiterhin von Mark Sandmeier geführt werden, wie Ringier-Unternehmenskommunikationschef Edi Estermann gegenüber persoenlich.com erklärt. In der Zusammensetzung des Managements von jobs.ch seien in nächster Zeit keine Veränderungen geplant.

Durch jobs.ch zur Nummer Eins

Jobs.ch hat 2011 einen Umsatz von 45,9 Mio. Fr. erwirtschaftet und besitzt einen Aktienwert von rund 390 Mio. Franken. Trotz des stolzen Kaufpreises, der für Ringier etwas mehr als die Hälfte beträgt, weil Tamedia Jobup (jobup.ch, jobwinner.ch und alpha.ch) in die Partnerschaft mit einbringt, sei dies ein gutes Geschäft, so Estermann. "Jobs.ch erzielte sehr hohe Wachstumsraten und ist für die Zukunft gut aufgestellt. Ringier will im Digitalgeschäft weiter wachsen und in den einzelnen Classified-Verticals - Auto, Immobilien und Jobs – jeweils einer der führenden Anbieter zu sein. Das Engagement bei jobs.ch bringt uns dahin", begründet Estermann das Engagement.

Partnerschaft wegen hohem Preis

Doch warum hat Ringier Jobs.ch nicht alleine gekauft? "Der Kaufpreis ist - berechtigterweise - sehr hoch. Die Partnerschaft zwischen den beiden grössten Schweizer Medienhäusern macht es möglich, dass die jobs.ch Holding AG zurück in Schweizer Besitz kommt und es entsteht so ein starker Schweizer Anbieter, der in einem zunehmend auch von internationalen Anbietern geprägten Wettbewerb gestärkt ist und seinen Kunden eine Dienstleistung über die Sprachgrenzen hinweg anbieten kann", so die Erklärung Estermanns zur ungewöhnlichen Kooperation mit einem Hauptkonkurrenten.

Marc Walder und Christoph Tonini im VR

Im Verwaltungsrat der Jobs.ch Holding werden von Seiten Ringier CEO Marc Walder und Digital-Chef Thomas Kaiser Einsitz nehmen. Von Seiten Tamedia sind es der künftige Tamedia-CEO Christoph Tonini und Digital-Chef Christoph Brand. Wie Estermann gegenüber persoenlich.com erklärt, wechselt das Präsidium im Zwei-Jahres-Rhythmus zwischen Ringier und Tamedia. Zum Start wird Tamedia für zwei Jahre den VR-Vorsitz inne haben (vgl. Interview mit Christoph Zimmer, Unternehmenskommunikationschef von Tamedia)

Analysten sprechen von einem geschickten Schachzug

Die Investoren freuen sich über das Vorhaben der beiden Medienhäuser: Vontobel-Analyst Andy Schnyder spricht von einem geschickten Schachzug von Tamedia. Mit diesem Schritt werde das Verlagshaus in der Schweiz zum klaren Marktführer im Online-Stellenanzeigenmarkt, sei doch jobup.ch bereits die Nummer zwei im Markt. Mit jobs.ch - der Nummer eins bei den Stellenportalen - angelten sich Tamedia und Ringier eine der wenigen Wachstums- und Ertragsperlen im Schweizer Medienmarkt, schätzt seinerseits Daniel Bürki von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Nicht optimal ist gemäss ihm jedoch die Konstruktion mit einer 50:50-Partnerschaft. Der Übernahmepreis ist Bürki zufolge hoch, trage aber der Profitabilität und der Marktstellung von jobs.ch Rechnung. Schnyder von der Bank Vontobel erachtet den Kaufpreis als fair und verweist auf die hohe Rentabilität von jobs.ch.

Weko muss entscheiden

Bevor das Geschäft abgewickelt werden kann, muss noch die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) der Übernahme zustimmen. Und da die jobs.ch Holding auch eine Beteiligung von 49 Prozent an der österreichischen Online-Jobplattform karriere.at hält, muss auch die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde den Deal noch absegnen. Bei Ringier ist man hoffnungsvoll. Estermann: "In Bezug auf Österreich sind wir zuversichtlich, dass rasch ein Entscheid vorliegt, weil die beiden JV-Partner in diesem Markt bislang noch nicht tätig sind. In der Schweiz könnte sich das Verfahren allenfalls bis ins Frühjahr 2013 hinziehen, je nach Intensität der Prüfung".

Wie zuversichtlich Tamedia ist und welche Gründe an der Werdstrasse ausschlaggebend waren für das Milionen-Investment, lesen Sie im Interview mit Tamedia-Unternehmenskommunikationschef Christoph Zimmer. (eh/sda)


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