Herr Schawinski, die Überraschung ist gelungen, Sie werden Moderator der neuen Talk-Sendung "Schawinski" im Schweizer Fernsehen. Wie ist dieses Projekt entstanden?
Es gab seit längerem Gespräche mit den Verantwortlichen von SRF, und zwar mit Ruedi Matter, Hansjörg Schoch und Diego Yanez. Ich bin froh, dass diese Gespräche zu einem positiven Ergebnis geführt haben.
Wer hatte die Idee für die Sendung?
Beide Seiten hatten dieselbe Idee. Eine solche Talkshow hat SF1 schon lange machen wollen. Nun kommt es dazu - und das ist gut so.
Wodurch unterscheidet sich Ihre Talkshow von den andern?
Welche anderen Talkshows? Ich mache seit mehr als dreissig Jahren Interviews und habe dabei meinen eigenen Stil entwickelt, was vielleicht nicht ganz unbeachtet geblieben ist. Zudem kann ich meine vielfältigen beruflichen Erfahrungen als Journalist, Medienunternehmer und Geschäftsführer eines grossen deutschen Senders einbringen. Dadurch werde ich wohl selbst mit den wichtigsten Gesprächspartnern auf Augenhöhe diskutieren können.
Wie frei sind Sie bei der Themenauswahl?
Ich leite die Redaktion und entscheide über die Gäste. Dabei soll vermieden werden, dass es zu keinen Terminkollisionen mit anderen Sendungen kommen. In solchen Fällen entscheidet SF-Chefredaktor Diego Yanez.
Verlieren Sie wegen dieser Sendung nicht auch ein bisschen Ihre Bissigkeit gegenüber der SRG?
Ich muss nicht mehr beweisen, dass ich unabhängig bin. Dies habe ich seit mehr als 30 Jahren so gehalten - und werde es nicht ändern. Ich glaube auch, dass die SRG bewusst jemanden gewählt hat, der diese Eigenschaft mit bringt, weil dies seine Glaubwürdigkeit erhöht.
Als Roger de Weck zum SRG-Direktor gewählt wurde, schrieben Sie auf dem Blog von "persoenlich.com", dass die SRG durch de Wecks Wahl an Prestige gewonnen habe. Was gewinnt die SRG durch Sie, wenn Sie im August als neuer Moderator starten?
Es ist nicht an mir, dies zu beurteilen. Dass das Schweizer Fernsehen endlich eine Polittalk-Sendung ins Programm aufnimmt, finde ich toll. Die neue SRG-Führung hat mich wohl aufgrund meiner Erfahrungen und Leistungen, die ich für das neue Format einbringen kann, engagiert.
Den früheren Generaldirektor Armin Walpen kritisierten Sie heftig. Sie warfen ihm vor, einen Sesselkleber zu sein und forderten ihn aufgrund seines Alters zum Rücktritt auf. Walpen ist 62 Jahre alt und somit jünger als Sie mit 65. Im Pensionierungsalter starten Sie eine neue Sendung?
Meiner Meinung nach ist das Pensionierungsalter 62, welches nicht nur bei der SRG gilt, nicht mehr in jedem Fall zeitgemäss. Vor allem nicht für Journalisten - genau so wenig wie für Schriftsteller oder Kunstmaler. Für all diese Berufe gibt es kein "Verfalldatum". Deshalb sollten kreative Menschen zu denen ich mich auch zähle nicht auf Kommando aufs Abstellgleis gestellt werden. Ich freue mich deshalb sehr über das Privileg, jetzt sowohl bei Radio 1 als auch neu beim Schweizer Fernsehen journalistisch tätig zu sein, denn Radio und Fernsehen sind meine grossen Leidenschaften. Und vielleicht habe ich dabei auch eine Funktion als "role model" indem ich aufzeige, dass man auch nach 65 noch gute Arbeit leisten und neue Herausforderungen annehmen kann.
Trotzdem kritisierten Sie Armin Walpen und sagten, man müsse für diesen Posten das richtige Alter haben.
Nein, nein halt: Ich kritisierte nicht sein Alter. Ich bin einfach bei gewissen Positionen für eine Amtszeitbeschränkung, nicht nur bei der SRG, sondern auch bei Regierungen, wie etwa in den USA. Leute in Spitzenfunktionen sollen nicht zu lange im selben Amt verbleiben. Zudem finde ich, dass die Schweizer Medienlandschaft vielfältiger werden muss.
Somit wäre unter Ingrid Deltenre und Armin Walpen eine solche Politsendung mit Ihnen als Moderator nicht zu Stande gekommen.
Das wäre undenkbar gewesen. Denn Deltenre und Walpen nahmen jede Kritik sehr persönlich und hatten das Gefühl, sie hätten von Amtes wegen die gesamte Macht über alle Mikrofone und Kameras in diesem Land. Einer wie ich, der sie hie und da für Sachentscheide auch hart kritisierte, hätten sie nie über die Schwelle ihres Hauses gelassen. Die neuen Leute an der Spitze der SRG sind hingegen alles erfahrene Journalisten und in diesem Bereich viel entspannter.
Eine Zusammenarbeit wäre von beiden Seiten nicht gewünscht geworden.
Aber jetzt leben wir ja glücklicherweise in einer neuen, viel offeneren Zeit. Da wird vieles möglich, das noch vor Kurzem undenkbar war.
Wann startet "Schawinski"?
Die erste Sendung kommt am 22. August, genau rechtzeitig für die heisse Phase vor den Wahlen.
Was sind die Vorgaben seitens der SRG?
Es gibt weder Quoten noch sonstige Vorgaben. Die Sendung braucht sicher eine gewisse Zeit, bis sie sich etabliert hat.
Gibt es einen Gast, den Sie unbedingt begrüssen wollen?
Es gibt viele. Aber entscheiden wird jeweils die Aktualität.
Interview: Matthias Ackeret und Edith Hollenstein

