18.09.2007

"Gegen uns wird mit harten Bandagen gekämpft"

"neueideen", das kürzlich lancierte Magazin für Hausbewohner, hat kein leichtes Spiel. Verleger Filippo Leutenegger bekommt die Gegenwehr des Hauseigentümerverbands zu spüren. "Es gab Boykottdrohungen, Kunden von uns wurden unter Druck gesetzt", erklärt er gegenüber "persoenlich.com". Leutenegger äussert sich im Gespräch über die geplante Expansion in die Westschweiz, die neue Konkurrenz durch ".ch" und sein Vorhaben, eine neue Politsendung zu starten.
"Gegen uns wird mit harten Bandagen gekämpft"

Herr Leutenegger, der Wahlkampf ist in vollem Gange. Kommen Sie in diesen Tagen dazu, sich um Ihre Zeitschrift "neueideen" zu kümmern?

Ja. Sehr intensiv sogar. Die verlegerische Tätigkeit ist meine Hauptaufgabe.

Sie sollen eine Expansion in die Westschweiz planen?

Wir beginnen jetzt mit dem Anzeigenverkauf in der Westschweiz. Läuft der gut, werden wir auch eine redaktionelle Ausweitung ins Auge fassen. Ich gehe davon aus, dass wir "Idées Nouvelles" 2008 in der Romandie lancieren werden -- mit einer eigenständigen Redaktion und einem eigenen Druck, versteht sich.

"neueideen" hat eine Auflage von 700'000, in der Westschweiz sollen weitere 200'000 dazukommen. Sind bereits weitere Ausbauschritte geplant?

Ja. Bevor wir allerdings ans Ausland denken, muss die Zeitschrift in der Schweiz gut laufen. Denkbar ist auch die Lancierung eines Radiosenders oder eines Immo-Fernsehens. Dies aus der Überzeugung, dass die 2.5 Millionen Menschen, die wir erreichen, spezielle eigene Bedürfnisse haben. Auch bei diesen Projekten gilt aber: Sie haben derzeit keine Priorität für uns. Wichtiger für uns ist der Verkaufskanal für unsere Premium-Mitglieder. Unsere Kundschaft erhält für stark vergünstigte Preise Produkte, welche für Eigenheim-Besitzer interessant sind.

Schöpft der Titel sein kommerzielles Potenzial schon aus?

Noch nicht. Wir befinden uns immer noch im Aufbau. Pro Nummer können wir bereits ohne grosse Anstrengungen 1’000 Premium-Abonnenten dazu gewinnen. Bereits nach der ersten Ausgabe gab’s weit über 4'000 Rückläufe. Das sind gute Ergebnisse.

Im Werbemarkt werden sie durch die neue Gratiszeitung ".ch" bedrängt. Wie sehr wird Ihr Produkt die neue Konkurrenz zu spüren bekommen?

Es gibt es kaum Berührungspunkte. Denn während ".ch" an die Mehrfamilienhäuser geht, erhalten unser Heft die Bewohner von Einfamilienhäusern und Reihen-Einfamilienhäusern.

Die Werbeetats werden künftig noch härter umkämpft.

Logisch. Trotzdem haben wir sehr gute Voraussetzungen, denn unsere Zeitschrift hat eine Super-Zielgruppe mit hohem Einkommen und ohne Steuerverluste. Durchschnittlich braucht die Zeitschrift zwischen 25 und 30 Anzeigenseiten. Damit können wir gut leben.

Der Gratiszeitungsmarkt ist in Bewegung, das mediale Interesse konzentriert sich auf den Zeitungskrieg zwischen Sacha Wigdorovits und der Tamedia. Bedauern Sie es, als Verleger von "neueideen" nicht häufiger im Mittelpunkt zu stehen?

Das ist mir nicht wichtig. Von Bedeutung ist, dass wir beim Publikum ankommen. Auch wenn es freilich von Vorteil ist, wenn die breite Bevölkerung den Namen der Zeitschrift kennt. Auch wir bewegen uns aber in einem sehr harten Markt. Der Hauseigentümerverband versucht, uns das Leben schwer zu machen, wo es nur geht. Es gab Boykottdrohungen, so etwa an der Messe "Bauen & Renovieren", Kunden von uns wurden unter Druck gesetzt.

Weshalb die Opposition?

Den Verband stört es offenbar, dass wir seine Klientel mit einer riesigen Auflage ansprechen. Bislang war ihre Zeitschrift mit einer Auflage von 280'000 Exemplaren praktisch alleine. Dass mit so harten Bandagen gegen uns gekämpft wird, zeigt uns jedoch, dass wir in der Branche ernst genommen werden. Wir nehmen das sportlich.

Themenwechsel: Ist die Vorstellung, ins TV-Geschäft zurückzukehren, für Sie immer noch reizvoll?

Die Lancierung einer neuen Diskussionssendung fände ich nach wie vor sehr interessant. Ich könnte mir durchaus vorstellen, ein solches Projekt in die Hand zu nehmen. Der entscheidende Punkt ist die Finanzierung. Dann können wir beginnen. Ich bin aber sicher, dass die Lancierung einer neuen Sendung in nächster Zeit möglich sein wird.

Es scheint derzeit Mode zu sein, dass Politiker selber TV-Sendungen lancieren…

Ich würde es nicht machen wie Bundesrat Blocher, sondern umgekehrt: Ich wäre nicht der Politiker der Fragen beantwortet, sondern derjenige, der die Sendung leitet. (lacht)

À propos Politformate: Auch die "Arena" steht in der Kritik. Plädieren Sie für eine Absetzung?

Das Dümmste wäre, wenn das Schweizer Fernsehen die Marke "Arena" fallen lassen würde. Was aber wichtig ist: Die Sendung muss wieder ein klares Konzept erhalten. Heute hat die Sendung zu viele gleich berechtigte Akteure. Dabei müsste man die Diskussion wieder ins Zentrum stellen. Das jetzige Konzept mit den vier Protagonisten in der Mitte ist nicht das Gelbe vom Ei.


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