06.06.2007

WAN

"Goodbye Gutenberg" ist ein Mythos

Viel Optimismus am 60. Weltzeitungskongress in Kapstadt.

Die Zeitung hat Zukunft: Am 60. Weltzeitungskongress in der südafrikanischen Touristenmetropole Kapstadt haben sich Medienmanager, Verleger und Chefredaktoren optimistisch gezeigt.

Das Internet werde eine wichtige Ergänzung des Mediums Zeitung sein, es aber nicht in seiner Existenz bedrohen. "Die Daten lassen darauf schliessen, dass zunehmender Internet-Gebrauch zunehmendem Zeitungsgebrauch folgt", sagte der Präsident des Weltverbandes der Zeitungen (WAN), Gavin O'Reilly, am Mittwoch, dem Abschlusstag des Kongresses, vor den rund 1600 Delegierten.

Die Industrie sei international selten in einer besseren Position gewesen als heute. Der mit Blick auf den Ahnherren der Druckerpresse geprägte Slogan "Goodbye Gutenberg" sei ein schädlicher Mythos - einer von vielen. Märkte mit der höchsten Breitbanddurchdringung hätten auch die höchste Tageszeitungsdichte.

Zeitung muss sich wandeln

Der internationale Zeitungsdesign-Guru Mario Garcia schloss sich dieser Ansicht an. Die Zeitung der Zukunft sei komplementär zum Internetauftritt. Internet und Zeitungen "tanzen Tango und der Chefredaktor ist ihr Choreograf", sagte er. Die Botenfunktion für die Nachricht habe heute das Internet, die Zeitung müsse einordnen. "Die Story startet und endet online. Print ist da, um sie zu verstärken", meinte der Mann, der das Gesicht von mehr als 450 Zeitungen neu gestaltet hat.

Die Zeitung werde sich aber drastisch ändern müssen, ihr Erscheinungsbild mehr dem Internet-Auftritt anpassen und noch grafischer und strukturierter daher kommen. Leitartikel seien im Zeitalter der Internet-Blogger out, die Meinung der Leser dagegen wichtiger als je zuvor.

Handys und Gratiszeitungen

Handys spielten zudem eine immer wichtiger Rolle bei der Nachrichtenvermittlung, auch wenn deren Übertragungsgeschwindigkeit noch zu gering sei. Im Weiteren sei der Vormarsch der Gratiszeitungen kaum noch zu stoppen, so der einhellige Tenor. In Europa macht ihr Anteil fast ein Drittel der Auflage aus. Mehr als 6 Mrd. Dollar hat die Branche 2006 weltweit investiert und damit die verkaufte Auflage auf einen Rekordwert von mehr als einer halben Milliarde Exemplare gesteigert. Jeden Tag greifen 1,4 Milliarden Menschen zu einem der 11 207 Zeitungstitel, die nach dem Fernsehen wichtigstes Werbemedium blieben.


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