Die Internetnutzung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Wie spüren Sie diese neue Konkurrenz am Printmarkt?
Das Internet ist zum Massenmedium im täglichen Einsatz geworden. Die Internetnutzung geht allerdings weniger zu Lasten der Printmedien, sondern mehr zu Lasten der elektronischen Medien. Interessant ist es zudem zu beobachten, dass derzeit ein Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer stattfindet. In seiner freien Zeit kann der Nutzer fernsehen, im Internet surfen oder sich mit elektronischen Spielen beschäftigen. In diesem Konkurrenzkampf muss sich ein Medienunternehmen entsprechend positionieren.
Wie wird sich die Welt der Tageszeitungen entwickeln?
Hier gibt es derzeit zwei grundlegende Geschäftsmodelle, die miteinander konkurrenzieren: Dies sind "Gratis-Tabloid-Kompakt" gegen "Bezahlt-Qualität-Berliner Format". Das erste Geschäftsmodell profitiert ganz klar von dem Trend, dass immer weniger Menschen wochentags ausreichend Zeit haben, Tageszeitungen wirklich zu lesen. Für genau diese Personen ist ein Gratisblatt wie 20 Minuten oder "heute" das richtige Medium. Die einzige Zeitinsel, die den Lesern für eine tiefergehende Lektüre bleibt, ist das Wochenende. Daher erleben die Sonntagszeitungen derzeit einen so enormen Aufschwung.
Der Erfolg von 20 Minuten hat mit Le Matin Bleu und "heute" Wettbewerber auf den Plan gerufen. Ist der Schweizer Markt überhaupt gross genug für so viele Player?
Es ist doch klar, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell sofort "Japaner" auf den Plan ruft, die sich die Frage stellen: Wie können wir dieses kopieren? Allerdings gibt es auch einige Schwachstellen bei dem Geschäftsmodell, zu denen beispielsweise die reine Werbefinanzierung gehört. In meinen Augen ist der Gratiszeitungsmarkt eine Trendbranche. Schauen Sie: Das Restaurant Kronenhalle in Zürich existiert seit Jahrzehnten und ist in dieser Zeit zu einer wichtigen Institution geworden. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder trendige Restaurants, die kurzfristig eine Vielzahl an Gästen anlocken, aber nach wenigen Jahren nicht mehr existieren. Gratiszeitungen sind mit dieser Trendgastronomie vergleichbar.
Jetzt soll es noch eine weitere Gratis-Tageszeitung geben, die sogar an die Haushalte verteilt werden soll. Was können Sie zu dem Geschäftsmodell sagen?
Wir haben auch davon gehört. Allerdings kann ich Ihnen nicht viel dazu sagen ...
... weil Sie auch beteiligt sind?
Wir sind ein Unternehmen, das sich auf Medienvermarktung und Services fokussiert hat. Das Verlagsgeschäft ist nicht unser Geschäft.
Sie halten aber an anderen Verlagen Beteiligungen, für die Sie auch im Vermarktungsbereich tätig sind. Wäre ein ähnliches Modell nicht bei dieser Gratiszeitung denkbar? Immerhin ist Gerhart Isler, der auch an Jean Frey beteiligt war, bei Publigroupe im Verwaltungsrat. Und im Jean Frey-Verlag lag ein ähnliches Konzept letztes Jahr auf dem Tisch.
Eine Minderheitsbeteiligung an einer solchen Zeitung möchte ich nicht a priori ausschliessen. Allerdings muss ich auch deutlich darauf hinweisen, dass Verlagsbeteiligungen nicht dazu dienen, sich Vermarktungsverträge zu sichern oder diese abzusichern. Ausserdem haben wir uns in letzter Zeit von verschiedenen Verlagsbeteiligungen, wie beim Zürcher Unterländer, bei der Zürichsee-Zeitung und der Solothurner Zeitung, getrennt. Ausserdem überprüfen wir unser Portfolio regelmässig.
Welche Strategie verfolgen Sie, wenn Sie sich von Ihren Beteiligungen trennen? In Zürich haben Sie diese gegen das Vermarktungsrecht für die NZZ "getauscht".
In Zürich mussten wir im Verwaltungsrat entscheiden, ob wir die sich abzeichnende Veränderung der Zeitungslandschaft proaktiv in die Hand nehmen oder zuwarten wollen. Wir haben uns für die proaktive Variante entschieden. Auch in den anderen Regionen werden wir nicht die Bewahrer bestehender Strukturen sein, sondern als gestaltender Akteur dazu beitragen, dass in der Schweiz Mediensysteme entstehen können, die langfristig wirtschaftlich überlebensfähig sind. Dies werden unserer Auffassung nach zehn bis zwölf regional tätige Multimediaunternehmen sein.
Kommen wir auf die Publigroupe zu sprechen. Das Geschäft Ihres Unternehmens ist immer noch sehr stark printlastig. Wie wird sich die Publigroupe künftig positionieren?
Im Schweizer Markt wollen wir unsere Position als führender Crossmediavermarkter weiter ausbauen. Wir wollen führender Medienvermarkter sein und bleiben.
Wie sieht es mit der Goldbach Media AG aus? Man hört, dass Sie Interesse an dem Unternehmen haben.
Goldbach Media war einmal für uns ein Thema und wir haben das Unternehmen auch genauer angeschaut. Im Moment gibt es allerdings keine Gespräche. Neben dem Ausbau unserer Marktposition in der Schweiz wollen wir in ausgewählten, internationalen Märkten weiterwachsen. Ausserdem wollen wir neben dem Vermarktungsgeschäft das ertragsstarke Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft weiter ausbauen.
(Interview: Björn Zern, Chefredaktor Swiss Equity magazin)

