07.05.2012

Roger Schawinski

Hat die Anwälte eingeschaltet

"Die SRG bewegt sich überhaupt nicht."

Roger Schawinski will gegen SRF klagen, sollte sich keine Einigung im Streit um die neue Bildmarke ergeben. Wie der "Sonntag" berichtete, ist Schawinski der Ansicht, das neue SRF-Radio-Signet "Radio SRF 1" (für das jetzige DRS 1) sei demjenigen seines Senders "Radio 1" zu ähnlich. SRF seinerseits will keine Konzessionen machen: "Seit 50 Jahren ist die 1 in unserer Radiomarke verankert. Auch optisch sehen wir keine Verwechslungsgefahr", so SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi (vgl. persoenlich.com).

Dieser Zwist ist insofern pikant, als dass Schawinski so gegen den eigenen Arbeitgeber vorgeht. SRF Direktor Rudolf Matter war es nämlich, der im August 2011 die Talkshow "Schawinski“ ins Leben rief. Und der selbe Rudolf Matter hatte dann Mitte März bekanntgegeben, dass die Marke DRS verschwindet und somit "DRS 1" neu "Radio SRF 1" heisst. Was genau wirft Roger Schawinski SRF vor und wie weit wird er gehen? Persoenlich.com hat nachgefragt:

Herr Schawinski, Sie werden Einsprache gegen die Markeneintragung der neuen SRG-Sender erheben. Welche Schritte haben Sie bereits eingeleitet?

Ich habe mich darüber schon seit Wochen ausführlich mit Ruedi Matter ausgetauscht. Auch die Anwälte wurden in den letzten Wochen bereits eingeschaltet. Leider hat sich bisher keine Lösung abgezeichnet, mit der wir leben können, weil sich die SRG überhaupt nicht bewegt. Falls sich dies nicht ändert, müssen wir leider den juristischen Weg beschreiten – was ich extrem bedauern würde.

Sie würden also Anklage erheben, auch wenn dies teuer werden könnte?

Ich habe viel Geld, Zeit und Herzblut in den Aufbau der Marke "Radio 1" gesteckt. Da habe ich einiges zu verteidigen, und ich bin bereit, das auch zu tun.

Sie sagen, das Wort "Radio" in Kombination mit der Ziffer "1" hätten Sie erfunden.

Ja, "Radio 1" ist ein geschützter Begriff. Das angedachte SRG-Signet präsentiert sich vor allem als "Radio 1". Der Zusatz "SRF" ist nur ganz klein in die untere rechte Ecke gerückt worden und wird leicht übersehen. Aber es kann keine zwei "Radio 1" geben, so wie keine zwei Migros oder zwei Coca-Cola denkbar sind, auch wenn in den Signeten andere Formen oder Farben verwendet werden. Das verhindert unser Markenrecht, an das sich alle zu halten haben. Ich verstehe die SRG nicht. Der Sinn der Umbenennung der Radiosender soll ein einheitliches Branding sein, heisst es. Wenn das so ist, weshalb versteckt man dann das Wort "SRF" in den Radiosigneten? Beim Fernsehen steht es mit SRF 1 und SRF 2 richtigerweise klar im Zentrum – übrigens ohne den Zusatz "TV", wie man es bei einer Gleichbehandlung von Radio und TV tun müsste.

Sie sagten, dieser Schritt sei "unangenehm". Warum unangenehm? Weil Rudolf Matter Ihnen zur wöchentlichen SF-Talkshow verholfen hat und sie nun allenfalls sogar klagen müssen?

Weil ich diesen Konflikt nicht gesucht habe. Weil ich bedaure, dass man mich nicht im Vorfeld kontaktiert hat, um diesen offensichtlichen Konflikt freundschaftlich zu bereinigen. Weil man offenbar davon ausgegangen ist, dass sich das Problem von selbst erledigt, obwohl die gewählte Lösung von allen Beteiligten als problematisch erkannt werden musste.

Hat SRF versucht, Ihre Einsprache zu verhindern?

Beide Seiten hoffen noch auf eine sinnvolle Bereinigung. Die SRG muss alles tun, dass die Verwechslungsgefahr beseitigt wird: Sowohl optisch als auch akustisch.

Interview: Edith Hollenstein


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