Ungewöhnlicher Rollenwechsel: "Blick am Abend"-Kolumnist Helmut-Maria Glogger hat für den Eröffnungsabend des Zürcher Dixie- und Blues-Festival im Albisgüetli am 12. April eine Band zusammengestellt, die es so nie wieder geben wird: Profis und Prominente swingen gemeinsam.
Herr Glogger, jetzt jazzen Sie auch noch?
Noch ist gut. Endlich wieder. Hinterher werde ich an der rechten Schulter operiert. Und dann ist erstmal Schluss mit "Take the A-Train" -- dann ist "Sentimental Journey" angesagt.
Wir wussten gar nicht, dass Sie auch Musik machen
Besser so! Dabei begann ich mit vier auf der Bambino-Geige. Auf Druck meines Vaters. Einem Pianisten, der Schüler bei Edwin Fischer und Walter Gieseking war. Ich scheiterte früh, an den ungarischen Tänzen. Gottlob liessen sich meine Eltern scheiden ich konnte Gitarre, Klarinette und Sopransax lernen.
Wie kommt es jetzt zu diesem einmaligen Konzert im Albisgüetli?
Ich hörte, dass Dixie, Blues und Swing in Zürich nicht mehr so angesagt sind. Das kann doch nicht sein! Also setzte ich mich mit Jürg Ramspeck und Wieni Keller hin. Und Albi Matter, dem Veranstalter, dem wilden Hund aus Wiedikon. Auch so ein Outlaw.
Jürg Ramspeck. Legendärer Chefredaktor der "Weltwoche"?
Genau. Brillianter Kopf, scharfe Feder und grandioser Jazz-Pianist. Mit dem ich auch schon Klassik spielte. Bei dem Club der Schweizer Texter. Schumanns Fantasien. Ramspeck spielt übrigens jeden Donnerstag im Zürcher Hotel Eden.
Und Wieni Keller?
Hoppla! Der ist Gründer der besten Schweizer Jazzbands aller Zeiten: den Tremble Kids. Er jazzte dann zusammen mit Zürichs legendären Oberstaatsanwalt Buddha Scheidegger bei Buddhas Gamblers. Buddha hätten wir gerne dabei gehabt aber der Herr, der in seiner Amtszeit rund 5000 Jahre Zuchthaus für Verbrecher als Strafe aussprach , der Herr ist ausgerechnet an diesem Tag anderswo engagiert.
Und jetzt die Swiss All-Stars und VIP-Band fürs Dixie- und Blues-Festival am 12. April im Albisgüetli?
Ein Mischung aus gnadenlosen Profis und faul-fleissigen Hobby-Jazzern. Ein Traum für jeden, dessen musikalische Welt nicht nur aus drei Akkorden besteht.
Zum Beispiel?
Die Profis! Ohne die geht nix, gar nix! Jazz kannst Du nicht mit Kindersoldaten machen! Da brauchst Du einen Robi Weber am Piano, einer der erfolgreichsten Jazzpianisten der Schweiz. Am Bass Kalli Gerhards, der wohl gefragteste Schweizer Bassist. Am Schlagzeug: Curt Treier, jahrelang Rhythmus- und Impulsgeber der Schweizer Radio- und TV-Big Band. Dazu der Klasse-Lead-Trompeter Heinz Bühler.
Wer sind nun die VIPs, die mitjazzen?
Natürlich dachte ich an Pepe Lienhard oder Udo Jürgens. Die würden aber nie eine Freigabe von ihrem Manager Freddy Burger bekommen, einfach aus Lust und Laune gratis zu jazzen. Maja Brunner hätte mitgemacht, mit ihrer rauchig-verruchten Stimme, tritt aber an diesem Abend anderswo auf. Ebenso ihr Bruder Carlo. Der ein sagenhaft guter Musiker ist, was er hinter seinen Diddel-Dum-Dei-Tralalas versteckt.
Das tönt wahnsinnig: Aber wer jazzt jetzt mit?!
Super-Typen. Der Hackbrett-Virtuose Roman Brülisauer -- der hat Jazz im Blut. Erstmals spielt eine Jazzband mit einem Hackbrett-Star. Eine absolute Sensation! Dann Dr. Christoph Wolfensberger an der Trompete, beruflich einer der bekanntesten Schönheitschirurgen der Schweiz. Der war Stargast bei der SWR-Bigband. Dann einer der grössten Jazzer Europas: Wieni Keller an der Klarinette. Ein Erlebnis, mit dem spielen zu dürfen.
Und sonst?
Duke Seidmann, Ex-Ringier-Verlagschef und begnadeter Blues-Rock-Saxophonist. Mit eigener Band, CDs, ein Angefressener. Wer nennt sich sonst schon Duke? Nach Duke Ellington. Nicht nach "The Duke", Cowboy-Film-Star John Wayne. Der nebenbei eine Pferde-Allergie hatte. Und stets auf Holzgäulen gefilmt wurde.
Und Sie, Herr Glogger?
Ich schreibe mir ja sonst die Finger wund, als täglicher Kolumnist bei Blick am Abend, Autor beim Magazin und als Ghostwriter einer neuen Biografie. Nach der von Udo Jürgens oder "Ich der Neger". Jetzt spiele ich mir die Lippen wund -- muss einfach üben, üben, üben. Um bei den Giganten wenigstens atemlos mitzududeln.
Stimmt es, dass Sie Klarinetten-Unterricht genommen haben?
Ja! Stimmt. Bei meinem alten, wunderbaren Lehrer Jürg Hager von der Musikschule Hug.
Und Hagers Tipp für Ihren Auftritt in?
Hager im Originalton: "Ja, Herr Glogger. Ach ja. Das kommt schon. Irgendwann. Sie müssen einfach daran glauben und sich die Zeit nehmen -- es kommt, es kommt, Herr Glogger."
Bekommen Journalisten eigentlich Ermässigung? Bei den Profis und Ihrem mässigen Ton?
Ja! Jeder, der einen Journalistenausweis hat, zahlt nur 20 Franken Eintritt. Ich kann aber versprechen: Es wird eine Big Show. Mit hochklassigem Jazz. Viel Spass. Und jeder Menge Freud' von Sweet Georgia Brown (in As), Ice Cream (b-flat) bis Petit Fleur (die Tonart war bei Redaktionsschluss noch nicht klar).
Weitere Infos finden Sie auf albisguetli.ch. (ma)

