Seit rund elf Jahren haben Sie in leitenden Funktionen an der Geschichte des Hauses Tamedia mitgeschrieben. Auf Anfang 2002 verlassen Sie das Medienunternehmen. Warum dieser Abgang?
Bereits Anfang dieses Jahres habe ich Michel Favre gesagt, dass ich die Tamedia verlassen und mich als Berater selbstständig machen wolle. Wir haben uns damals darauf geeinigt, dass ich noch ein Jahr bleibe. Dieses Jahr läuft nun ab. Mein Abgang ist also ein völlig normaler Prozess.
War es nicht eher so, dass Sie sich im Lauf der Zeit klar darüber wurden, nie Favre-Nachfolger zu werden, und sich deswegen sagten, wenn ich schon nicht an die Spitze komme, will ich auch nicht mehr bleiben?
Nein. Es würde mir kein Stein aus der Krone fallen, wenn ich sagen würde, es sei so gewesen, wie Sie es antönen. Aber es war tatsächlich ein freier Entscheid. Natürlich habe ich mich auch schon gefragt: Mann, ist das wirklich gescheit, wegzugehen? Die Tamedia ist ein tolles Unternehmen. Doch ich freue ich mich nun sehr auf eine neue Zeitrechnung und Zeithoheit. Ich werde zum ersten Mal seit Anfang der Achtzigerjahre wieder so richtig auf eigenen Beinen stehen.
Auch als selbstständiger Unternehmensberater werden Sie der Tamedia weiterhin zur Verfügung stehen. Was genau werden Sie für die Tamedia machen?
Ich bitte um Verständnis, wenn ich diese Interna nicht ausführlich kommentieren möchte. Mein Mandat ist relativ breit definiert. Chefredaktoren und andere Exponenten aus dem Management haben mir zum Beispiel gesagt, sie wären froh darum, wenn ich bei gewissen Projekten, die im nächsten Jahr anstünden, den einen oder anderen Input geben könnte. Auch mit Jürg Wildberger werde ich sicher immer wieder zusammenarbeiten, ich bleibe ja vorderhand Verwaltungsratspräsident von TV3.
Wie intensiv wird Ihr Beratermandat für die Tamedia sein?
Ich freue mich natürlich, wenn ich weiterhin für ein Unternehmen tätig sein kann, dem ich so viel verdanke. Andererseits möchte ich nicht mit dem Tamedia-Label im freien Markt stehen. Wenn mir die Tamedia-Marke am Rücken kleben würde, würde ich den Ruf meiner Unabhängigkeit verlieren. Bei einer zu intensiven Bindung an die Tamedia würde ich in einen Interessenkonflikt geraten gegenüber anderen schweizerischen Verlags- und Medienhäusern, für die ich vielleicht ebenfalls tätig sein sollte. Das aber möchte ich nicht.
Bei der Tamedia stehen zurzeit alle Zeichen auf Sturm: TV3 und Winner schreiben Verluste; die SonntagsZeitung bekommt Konkurrenz von der NZZ; Facts verliert deutlich an Auflage; der Tages-Anzeiger wird von zwei Gratiszeitungen angegriffen; die Tamedia-Aktien sind auf ein Drittel des Ausgabepreises eingebrochen; beim Stellenmarkt ist die Lage in der abflauenden Konjunktur auch nicht rosig. Kann sich die Tamedia Investitionen wie die in TV3 überhaupt noch leisten?
Alle Medienunternehmen haben zurzeit ein Kostenproblem. Und alle werden in den nächsten Jahren einen Kostenoptimierungs- und einen Restrukturierungsprozess durchmachen müssen. In einer solchen Phase, wie es sie schon 1995 gab, besteht immer das Risiko, dass man aus einer kurzfristigen Kostenoptik heraus mittel- oder gar langfristige Assets opfert. Es ist eine delikate Gratwanderung. Die Medienindustrie ist halt einfach eine zyklische Branche. Es gibt Ups and Downs. Tröstlich ist: Jene Projekte, die gut durch die Downs gelotst werden können, werden in der Phase der Ups wieder hochinteressante Profite abwerfen. Und tröstlich für mich ganz persönlich ist: In einer solchen Phase wie jetzt braucht ein Medienunternehmen erfahrene Berater. (Lacht)

