24.03.2010

Im Osten viel Neues

Am Mittwoch informierten Ringier und Axel Springer die Medien über ihre gemeinsamen Pläne in Osteuropa. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, sprach von der "2 plus 5 Strategie". Jeder Partner sei in den Heimmärkten weiterhin autonom, in Osteuropa stelle man aber künftig zusammen das grösste Medienunternehmen. Weil Ringier in Osteuropa stärker positioniert ist, leistet Axel Springer eine Ausgleichszahlung in Höhe von umgerechnet rund 179 Millionen Franken an den Schweizer Konzern. Einen Namen hat das neue Super-Unternehmen mit Sitz in Zürich noch nicht. Die Details:
Im Osten viel Neues

"Die Kunst der Unternehmensführung wird es sein, derartige Symbiosen (Joint Ventures) zu finden. Wir werden sicherlich mehr mit Partnern unternehmen als je zuvor", sagte Verleger Michael Ringier anfangs März in einem Interview in der Mitarbeiterzeitschrift "Domo". Drei Wochen später kommt es zum Handschlag zwischen Ringier und dem deutschen Medienkonzern Axel Springer. Beide wollen ihre Geschäfte in Osteuropa zusammenführen. Das neue Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich wird nach Eigendeklaration das grösse Medienunternehmen in Osteuropa.

Das Joint Venture muss von den zuständigen Kartellbehörden abgesegnet werden. In jedem der fünf beteiligten Länder müsse ein einzelner Kartellantrag gestellt werden. Aus heutiger Sicht seien keinerlei Schwierigkeiten erkennbar, sagte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Zürich.

Für beide Parteien macht dieser Schritt Sinn. Döpfner sprach von einer "2 plus 5 Strategie". Das heisst: In den Hauptmärkten Schweiz und Deutschland operieren die beiden Medienunternehmen weiterhin autonom. In Osteuropa will man mit der zusammengeführten Power (plus 5) einen paneuropäischen Marktführer für Boulevardzeitungen etablieren. Eine neue starke Vermarktungsplattform soll ins Leben gerufen werden, mit der man durch eine "ausserordentlichen Attraktivität" Werbekunden bedienen könne. Gemeinsam betreiben Axel Springer und Riniger gegenwärtig in den betroffenen Märkten mehr als 100 Printtitel und über 70 Onlinedienste.

In das neue Unternehmen, das noch keinen Namen hat, bringt Axel Springer sein Geschäft in Polen, Tschechien und Ungarn ein. Riniger steuert die Geschäfte in Serbien, der Slowakei sowie ebenfalls Tschechien und Ungarn bei. Das Portfolio sei komplementär und die beiden Partner in unterschiedlichen Segmenten aktiv. Deshalb seien bei den Produkten keine Zusammenlegungen geplant, sagte Christian Unger, CEO der Ringier AG.

"Auch für die Mitarbeitenden in den Ländern ist die Zusammenlegung ein hervorragendes Signal. Sie erhalten mehr Handlungsspielraum und eine zusätzliche Sicherheit, dass an ihr Geschäft geglaubt wird", ergänzte Unger. Für das neue Unternehmen werden insgesamt 4800 Mitarbeitende arbeiten.

Wachstum im Online-Bereich

Das Joint-Venture wird einen Umsatz von umgerechnet rund 601 Millionen Franken sowie ein Ergebnis von 89 Millionen Franken erwirtschaften. Investiert werden in den nächsten drei bis fünf Jahren umgerechnet bis zu rund 429 Millionen Franken. Vor allem im Online-Bereich will das Unternehmen wachsen. Die neuen digitalen Medien böten Chancen, denn sie seien die Zukunft, betonte Mathias Döpfner. In einem ersten Schritt gehe es darum, Printprodukte mit Multimediaprodukten zu vernetzen. Danach folge die Expansion und in einem dritten Schritt allfällige Akquisitionen.

Christian Unger wird bezüglich Akquisitionen nicht konkret. Der Ringier-CEO sagt aber, dass man bei der bietenden Gelegenheit auf Einkauftour gehen werde. Er sprach an der Medienkonferenz von 200 sogenannten "Targets", die Ringier angeblich auf dem Radar habe. "Die Mittel sind vorhanden, um im Bereich Online zu investieren", sagte Unger. Interessant ist auch Ungers Skizzierung der publizistischen Bedrohungslage im Osten: Zwar sei man im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich stark, aber in Zukunft müsse man sich im Internet behaupten und deshalb in die digitalen Kanäle investieren. "Gegen Unternehmen wie Google müssen wir uns stellen", so Unger.

Axel Springer leistet Ausgleichszahlung

Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens wird Ralph Büchi, Präsident von Axel Springer International. Das Gremium setzt sich paritätisch aus je zwei Vertretern des deutschen und des Schweizer Medienkonzerns zusammen. Operativ geleitet wird das Unternehmen von Florian Fels, derzeit CEO von Ringier Central Europe. An der neuen Gesellschaft sind Axel Springer und Ringier zu je 50 Prozent beteiligt. In drei bis fünf Jahren ist ein Börsengang geplant. Mathias Döpfner hielt fest, dass beide Player gleichrangig seien und keiner einen Stichentscheid habe.

Da Ringier aber bisher deutlich stärker in diesen Märkten positioniert gewesen sei, leiste Axel Springer eine Ausgleichszahlung in Höhe von umgerechnet rund 179 Millionen Franken an den Schweizer Konzern. (sda/per)


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