16.07.2026

Drogistenstern

«Immerhin habe ich so lange durchgehalten»

Sabine Reber ist Journalistin, Gartenkolumnistin und Schriftstellerin. Zuletzt war sie fünf Jahre Chefredaktorin der Zeitschrift Drogistenstern. Vier davon hatte sie es «supergut», im fünften wuchs der Spardruck – und Reber musste gehen. Nach 40 Jahren Journalismus fragt sie sich: War's das?
Drogistenstern: «Immerhin habe ich so lange durchgehalten»
«Ich hatte eine richtig gute Zeit dort»: Sabine Reber über vier von fünf Jahren als Chefredaktorin des Drogistensterns. (Bild: zVg/Stöh Grünig)

Sabine Reber, der Drogistenstern wird trotz seiner enormen Reichweite in der Medienbranche kaum wahrgenommen. Welches Bild hatten Sie vor Ihrem Stellenantritt von dem Magazin?
Oh, ich kannte es natürlich und ich wusste, dass das ein cooles Heft ist mit einer grossen und treuen Leserschaft – ich hatte ab und zu als Gartenexpertin mit meiner Vorgängerin zu tun gehabt, und wenn da ein Artikel erschien über meine Gartenbücher, waren die Reaktionen immer sehr bemerkenswert.

Sie prägten in den letzten Jahren mit Reportagen und vielfältigen journalistischen Formaten das Magazin. Nach welchen Vorgaben und Vorstellungen sind Sie dabei vorgegangen?
Es gibt beim Drogistenstern drei Interessengruppen, die unter einen Hut zu bringen sind: Erstmal die Leserinnen, und ich nenne hier extra die weibliche Form. Die Leserschaft besteht hauptsächlich aus Frauen über 50, sowie aus Schwangeren und jungen Müttern. Zweitens die Interessen der Drogistinnen und Drogisten – es ist ihre Zeitschrift, sie sollen sich damit identifizieren können. Und drittens die Werbekunden.

Wie haben Sie die drei Gruppen unter einen Hut gebracht?
Für mich persönlich waren die ersten beiden Gruppen zentral – ich denke, das sollte auch in kommerziell schwierigen Zeiten so sein, dass das Redaktionelle sowie in diesem Fall die Verbandsinteressen weitgehend vom Verkauf unabhängig funktionieren können. Aber natürlich macht man in der Praxis dann doch oftmals Kompromisse.

«Ich kenne meine Zielgruppe recht gut»

Wenn Sie einen Artikel für den Drogistenstern schrieben, welche der rund 850’000 Leserinnen und Leser hatten Sie dann vor Augen?
Also zuerst einmal meine Tante. Sie sagt mir immer, wenn ein Artikel zu kompliziert war. Und dann kenne ich natürlich sowieso viele Frauen in der Interessengruppe, weil das ja die gleichen sind, die mit mir auf Gartenreisen kommen, an Lesungen und Vorträgen auftauchen und meinen Newsletter abonnieren. Ich kenne meine Zielgruppe recht gut, und ich muss sagen, ich finde es cool, für diese Menschen zu schreiben. Da kann man mit vernünftigen Artikeln noch echt etwas bewirken. Viele Menschen sind ja immer noch dankbar für seriöse Informationen, und lesen auch gern eine etwas längere, schön geschriebene Geschichte. Und man bekommt von diesem Publikum an Weihnachten nette selbergebastelte Kärtchen. Ich finde das schön.

Ein grosser Teil Ihrer Arbeit drehte sich um Heilmittel. Die Berichterstattung dazu ist strengen Regeln unterworfen. Sie darf keine falschen Versprechungen hinsichtlich Wirksamkeit oder Sicherheit machen. Wie spürten Sie diese Leitplanken beim Schreiben?
Also, das war mir schon klar von meiner Zeit als Gartenschreiberin bei der Coopzeitung. Und bei den Gartenbüchern passt man ja auch auf, dass man nicht falsche Versprechen macht. Das gilt ja im Prinzip bei allen Publikationen, auch wenn das vielleicht nicht alle Schreibenden so genau wissen. Beim Drogistenstern ist es halt so, dass die Kontrollorgane genauer hinschauen. Eigentlich finde ich es auch richtig, dass es diese Vorschriften gibt. Man soll den Leuten nicht jeden Mist andrehen können, schliesslich geht es um die Gesundheit, das soll man ernst nehmen und nicht falsche Wunder versprechen. Viele Leserinnen setzen ja meine Ratschläge dann tatsächlich um, also da hat man natürlich schon eine Verantwortung.

Herausgeber des Magazins ist der Schweizerische Drogistenverband. Wie stark war der Verband präsent im redaktionellen Alltag?
In den ersten Jahren hatte ich grosse redaktionelle Freiheiten. Nun, mit dem ganzen wirtschaftlichen Druck ist das schon anders geworden, in der Not werden wohl mehr Konzessionen gemacht. Aber das ist ja bei allen Medien so, da muss man auch etwas Verständnis haben.

«Ich wäre gern geblieben»

Printmedien stehen generell unter Druck. Auch der Drogistenstern hat anspruchsvolle Jahre hinter sich und zuletzt Publikum verloren. Spielte das auch eine Rolle bei Ihrem Entscheid, das Magazin zu verlassen?
Ich wäre gern geblieben. Nun, es ist einfach so, dass sich die Zeiten ändern, das muss man akzeptieren, auch wenn ich mir natürlich gewünscht hätte, dass es anders kommt.

Was nehmen Sie von der Arbeit als Chefredaktorin des Drogistensterns mit für Ihr künftiges Leben?
Ich hatte eine richtig gute Zeit dort, ich hatte vier supergute Jahre, das war echt toll, mit viel kreativer und redaktioneller Freiheit diese Zeitschrift machen zu dürfen. Nun, das fünfte Jahr war dann mit dem zunehmenden Spardruck schwierig, aber eben, das ist überall das gleiche. Die Freiräume werden weniger. Man kann darüber traurig sein, aber ich wüsste nicht, wie ich das ändern könnte.

Einer interessierten Öffentlichkeit sind Sie als Gartenkolumnistin bekannt. Erst kürzlich hat das Ringier-Magazin LandLiebe Ihre langjährige Kolumne neu vergeben. Wie geht es für Sie weiter im Journalismus?
«Neu vergeben» ist etwas gar nett ausgedrückt. Ich war ja die Letzte im LandLiebe-Team, die seit der Gründung dabei war. Es wird halt überall gespart und es gibt immer Leute, die günstiger sind, zumal wenn sie schon Rente bekommen. Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll für mich. Ich denke, das war's dann, nach 25 Jahren als Gartenkolumnistin, und nach ziemlich genau 40 Jahren im Journalismus. Immerhin habe ich so lange durchgehalten! Irgendwann ist einfach nichts mehr übrig, dann ist das halt so. Aber klar, ich hätte gerne weitergemacht. An den guten Geschichten mangelt es mir sicher nicht …


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KOMMENTARE

Felix Aeberli
16.07.2026 13:44 Uhr
Eine superfähige und sympathische Journalstin verlässt uns!