Der Print hinkt, der Druck harzt – worauf beruht das dennoch sehr gute Resultat?
Das wirklich erfreuliche Ergebnis ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: einerseits ist es unseren Mitarbeitenden und Führungskräften auch im vergangenen Jahr gelungen, den anhaltenden Umsatzrückgang im Publishing-Geschäft über Effizienzsteigerungsmassnahmen und Kooperationen weitgehend zu kompensieren. Dazu beigetragen habe natürlich auch Druckaufträge, etwa für die NZZ oder Coop, mit denen wir unsere Auslastung in den Druckzentren weiter steigen konnten. Andererseits wird das Ergebnis 2015 ganz wesentlich durch den Aufwertungsgewinn auf der Beteiligung an search.ch beeinflusst. Das ist aber ein einmaliger Sondereffekt. Umso erfreulicher ist, dass der Verwaltungsrat entschieden hat, auch diesen Sondereffekt für die Berechnung der Mitarbeitenden-Gewinnbeteiligung zu berücksichtigen. Deshalb erhalten alle Mitarbeitenden, die im vergangenen Jahr zwölf Monaten voll bei uns gearbeitet haben, für das Geschäftsjahr 2015 eine Gewinnbeteiligung von über 6000 Franken.
Fast die Hälfte des Gewinns wurde durch digitale Produkte erwirtschaftet. Was bedeutet das für die Printmedien der Tamedia?
Unsere gedruckten Zeitungen und Zeitschriften sind immer noch unser wichtigster Umsatz- und Ergebnisträger. Aber wir haben in den vergangenen Jahren viel in die Digitalisierung und die Lancierung neuer digitaler Bezahlangebote investiert und wollen damit natürlich weiter wachsen.
Aber nicht alle digitalen Aktivitäten sind rentabel. Mit welchen Produkten sind Sie unzufrieden?
Unsere E-Commerce Plattform FashionFriends hat unsere Ziele beispielsweise im vergangenen Jahr nicht erreicht. Wir müssen aber auch weiterhin bereit sein, im digitalen Geschäft Risiken eingehen. Das führt zu Erfolgsgeschichten wie zuletzt bei search.ch oder auch bei JobCloud und Homegate, kann aber auch einmal zu einem Misserfolg führen.
Die Geschäfte in Dänemark und Luxemburg scheinen sich gut zu entwickeln. Was sind die grössten Unterschiede der dortigen Märkte zum hiesigen?
Dänemark ist der Schweiz in Sachen Digitalisierung einige Jahre voraus, das merken wir besonders stark, weil wir später als in der Schweiz und Luxemburg in diesen Markt investiert haben. Es ist uns aber im vergangenen Jahr gelungen den Abstand von «Metroxpress» auf die Nummer zwei im Tageszeitungs-Lesermarkt weiter zu vergrössern. Die digitale Nutzung wächst stark und wir sind mittlerweile bei der mobilen Nutzung nahe an die führenden Newsplattformen herangerückt. In Luxemburg haben wir früher investiert und das Engagement bei «L'essentiel» macht grosse Freude. Deshalb sind wir überzeugt, dass das Konzept einer auf junge Leserinnen und Leser ausgerichteten Pendlerzeitung auch in Dänemark erfolgreich sein wird.
Wohin bzw. wie will Tamedia künftig expandieren?
Unsere Wachstumsstrategie für ricardo.ch, aber auch die Investitionen in Dänemark und in die digitalen Aktivitäten in der Schweiz stehen für uns 2016 im Mittelpunkt. Darüber hinaus gibt es sicher weitere spannende Märkte, bekannt ist ja, dass wir die Lancierung eine digitalen Ausgabe von «20 Minuten» in Deutschland prüfen. Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Halbjahr 2016 entscheiden können, ob wir diesen Schritt mit «20 Minuten» machen werden.
Kaufen Sie neue Medien hinzu, sind Kooperationen geplant?
Ja, ich bin überzeugt dass es in der Schweiz in den nächsten Jahren zu zahlreichen weiteren Kooperationen zwischen unabhängigen Unternehmen in der Medienbranche kommen wird. Solche Kooperationen wie wir sie beispielsweise in der Sportberichterstattung mit dem «Nouvelliste» oder im Druck mit der NZZ kennen, helfen jeweils beiden Partnern, die Kosten zu senken und damit den Umsatzrückgang im Werbemarkt zu kompensieren. Weitere Akquisitionen sind zwar nicht nicht ausgeschlossen, wenn sich eine Chance eröffnet, stehen für uns aber nicht im Zentrum.
2017 wird die Unternehmensleitung reorganisiert. Man munkelt auch von einer neuen Sparrunde?
Die Neuaufstellung des Werbemarktes und des Nutzermarktes ist kein Sparprojekt. Wir passen uns ganz einfach veränderten Kundenbedürfnissen an. Ich bin überzeugt, dass es uns mit einem gemeinsamen Werbemarkt besser gelingen wird, unsere starken nationalen und regionalen Produkte zu verkaufen und die Angebote im Werbemarkt weiter zu entwickeln. Natürlich ist es nie ausgeschlossen, dass es auch zu Anpassungen bei den Stellen kommt - aber das ist definitiv nicht der Grund für dieses Projekt.
Tamedia hat einen Innovationsfond eingerichtet. Was sind die vielversprechendsten Projekte, die er hervorgebracht hat?
Die Bandbreite der eingereichten Vorschläge ist wirklich beeindruckend. Wir haben über den Innovationsfonds beispielsweise die neue App von «20 Minuten» unterstützt auch die neue 12-App und technische Anpassungen in unserem Druckzentrum in Zürich. Innovativ zu bleiben und in neue Angebote zu investieren wird für uns in Zukunft entscheidend sein. Die innovativen Ideen unsere Mitarbeitenden sind dabei zentral.
Gegen das Joint Venture von Swisscom, Ringier und SRG haben Tamedia und der Verband Schweizer Medien mit juristischen Schritten gedroht. Glauben Sie, dass Sie das Vorhaben verhindern oder zumindest hinauszögern können?
Wir sind überzeugt, das es ein Fehler ist, über die Tell-Werbeallianz den Schweizer Medienmarkt zu konsolidieren. Deshalb kämpfen wir gemeinsam mit dem Verband Schweizer Medien und weiteren unabhängigen Medienunternehmen gegen die Freigabe. Wenn schon, müsste eine Allianz, an der die Gebühren finanzierte SRG und die mehrheitlich vom Bund gehaltene Swisscom beteiligt sind, für alle Medienunternehmen offen stehen - auch wenn wir als Tamedia uns daran vermutlich nicht beteiligen würden. Wichtig erscheint mir aber vor allem, dass die Gründung eines so weitreichenden Werbeallianz nicht handstreichartig entschieden wird sondern darüber eine politische Diskussion im Parlament geführt wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass es auch in Zukunft ein konstruktives Nebeneinander von SRG und privaten Medien und letztlich eine möglichst grosse Medienvielfalt in der Schweiz gibt.
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