Der Medienkonzern Tamedia hat für das Jahr 2015 ein Rekordergebnis geschrieben: Wegen eines Sondereffektes konnte der Gewinn mehr als verdoppelt werden. Ohne diesen Einmaleffekt hätte Tamedia jedoch weniger verdient als im Jahr zuvor.
Grund für den Rekordgewinn von 334 Millionen Franken ist die Verzeichnisgesellschaft Swisscom Directories AG, an der Tamedia mit 31 Prozent beteiligt ist. Darin zusammengeschlossen sind die Plattformen search.ch und local.ch.
Als Folge des Zusammenschlusses wurde search.ch neu bewertet - was 210 Millionen Franken zusätzlich in die Tamedia-Kasse spülte. Das Rekord-Jahresergebnis 2015 sei deshalb ein Einzelfall, sagte Verwaltungsratspräsident Pietro Supino am Dienstag vor den Medien.
Die Angestellten sollen von diesem Einzelfall aber profitieren: Tamedia zahlt allen Mitarbeitenden eine Prämie von 6200 Franken aus, bei einem 100-Prozent-Pensum. Bei Teilzeitangestellten reduziert sich die Prämie entsprechend. Insgesamt gibt der Konzern für diesen Bonus 14,9 Millionen Franken aus.
Doppelt so viel Geld für den Chef
Auch mit sich selber sind die Verantwortlichen nicht geizig: Tamedia-Chef Christoph Tonini erhält eine Vergütung in der Höhe von sechs Millionen Franken - das ist doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Natürlich dürfe man sich fragen, ob dies gerechtfertigt sei, sagte Supino. «Wir fühlen uns aber wohl damit, weil es eine Ausnahme ist.» Tonini gehört mit seinen sechs Millionen nun zu den bestbezahlten Konzernchefs der SPI-Unternehmen (Swiss Performance Index).
Ohne den search.ch-Einmaleffekt wäre das Jahresergebnis allerdings nicht herausragend: Der Gewinn würde nur rund 119 Millionen betragen. Das wären sogar 40 Millionen Franken weniger im Vorjahr.
Der Umsatz - auf den der Sondereffekt keinen Einfluss hatte - sank denn auch entsprechend. Er ging um 4,5 Prozent auf 1,06 Milliarden zurück. Tamedia begründete dies vor allem mit dem schwierigen Umfeld für gedruckte Zeitungen und Zeitschriften.
Weniger Inserate von Luxusmarken
Der Trend zu weniger Printwerbung setzte sich auch im vergangenen Jahr bei praktisch allen gedruckten Titeln fort. Die Werbeumsätze brachen um fast zehn Prozent ein. «Es lief noch schlechter als erwartet», räumte Tonini ein.
Vor allem Luxus- und Modemarken schalteten im vergangenen Jahr weniger Inserate - nicht zuletzt wegen des starken Frankens. Die Einnahmen aus dem wachsenden Digitalen Geschäft konnten den Rückgang im traditionellen Printgeschäft aber nur teilweise kompensieren.
Gleich mehrere Titel bleiben seit Jahren hinter den Erwartungen. Aus diesem Grund nahm Tamedia einen Goodwill-Abschreiber von 40 Millionen Franken vor. Dabei handelt es sich um eine Wertminderung bei Produkten, die auch künftig nicht rentieren werden.
Welche Titel das sind, wollten die Verantwortlichen nicht sagen. Es seien aber auch einzelne digitale Geschäfte dabei. Als Beispiel nannte Supino die Modeplattform Fashionfriends.ch, von der sich Tamedia in diesem Jahr eventuell wieder trennen will.
28 Prozent des Umsatzes aus dem Digitalgeschäft
Auch wenn nicht alle digitalen Pläne zu Gold werden: Unter dem Strich steckt Tamedia seine Hoffnungen und damit auch sein Geld vorwiegend ins Digitalgeschäft. Mittlerweile werden 28 Prozent des Umsatzes mit digitalen Titeln erwirtschaftet. Im Jahr zuvor waren es noch 24 Prozent. Dieser Prozentsatz soll laufend gesteigert werden.
Tamedia hat sich zum Ziel gesetzt, noch im laufenden Geschäftsjahr 50 Prozent des EBITDA-Ergebnisses (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) mit digitalen Geschäften zu erwirtschaften. Gemäss Tonini dürfte dieses Ziel erreicht werden.
Gewerkschaft fordert GAV für Drucker
Die Gewerkschaft syndicom reagierte sofort auf den Rekordgewinn. Angesichts dieser Zahlen sei es skandalös, dass Tamedia den Gesamtarbeitsvertrag der grafischen Industrie verlassen habe, teilte sie mit. Die Gewerkschaft forderte zudem ein Bekenntnis zu einem fairen GAV für Journalisten in der Deutschschweiz und im Tessin.
Tonini betonte jedoch, dass der Rekordgewinn nur ein Einmaleffekt sei. Man wisse nicht, was die Zukunft bringe. Er könne den Druckern leider keine Garantie für ihre Stelle geben. Genausowenig wie er eine Garantie von den Lesern habe, dass diese treu bleiben.
Tonini unzufrieden mit Bezahlschranken
Die Bezahlschranken auf Tamedia-Nachrichtenplattformen sind indes noch kein Erfolg: Insgesamt zählt das Unternehmen nur 18'371 Digital-Abonnenten. Die Paywalls zu entfernen, kommt für den Medienkonzern aber nicht in Frage.

