Am Samstag wurde Isabelle Welton an der Generalversammlung der Neuen Zürcher Zeitung zur neuen Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt (persoenlich.com berichtete). In der Printausgabe vom Montag hat die NZZ ihre Antrittsrede in gekürzter Form auf einer Seite abgedruckt. Im Beitrag erläutert sie ihren Fokus in drei Punkten.
Sie schreibt: «Angesichts der laufenden Entwicklungen – politisch, wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich – sind wir aber auch in Zukunft in jeder Minute gefordert. Wir müssen selbstkritisch und erfinderisch bleiben. Wir müssen unternehmerische Chancen packen und dabei auch Risiken eingehen. Und wir müssen als Organisation schnell auf Veränderungen reagieren können.»
Dann führt sie drei Punkte auf, die «mir für die Zukunft unseres Unternehmens besonders wichtig» sind. Seit ein paar Jahren kursiere in der Unternehmenswelt der Begriff des «Purpose», schreibt sie. Bei der NZZ sei diese Raison d’être offensichtlich. Der «Purpose» sei seit der Gründung der Zeitung vor über 240 Jahren derselbe: «Wir machen unabhängigen Qualitätsjournalismus mit einem liberalen Kompass.»
Zudem äussert sie sich dazu, wie sie den unternehmerischen Erfolg langfristig sichern will. «Wir werden in den nächsten Jahren die Weiterentwicklung unserer Angebote gezielt vorantreiben», schreibt sie. Auch die Digitalisierung schreite in hohem Tempo weiter voran. Neue technische Errungenschaften veränderten laufend die journalistische Arbeit und die Art ihrer Nutzung. Um hierbei Schritt halten zu können, brauche es Investitionen in unsere Redaktionen und in die Technologie.
Die beiden zuvor genannten Punkte seien nur möglich auf einem Fundament einer starken und zeitgemässen Unternehmenskultur, schreibt sie zum dritten Punkt. Die Art, wie wir heute Journalismus betreiben, verlange nach einer völlig neuen Art der Führung und der Zusammenarbeit. Ohne sich selbst organisierende Teams, die quer durch die Organisation hindurch flexibel und ergebnisorientiert zusammenarbeiten, liessen sich diese Herausforderungen nicht mehr bewältigen, schreibt sie. «Es braucht Führungskräfte, die diese neuen Formen der Zusammenarbeit ermöglichen, steuern und in zählbare Ergebnisse ummünzen. Unternehmerisches Denken und Handeln muss gefördert und der gegenseitige Austausch intensiviert werden.»
Gleichzeitig hätten sich auch die Anforderungen und Einstellungen der Mitarbeitenden geändert. Es sei nicht mehr zwingend die Arbeit, die das Leben bestimmt. Viele Vertreterinnen und Vertreter der jüngeren Generation wollten auch nicht mehr nur als Mitarbeitende wahrgenommen werden, sondern als Menschen mit ihrer ganzen Persönlichkeit. Neben der Geschlechtergleichstellung seien damit Themen wie Diversität und Inklusion immer wichtiger geworden. «Dies alles unter einen Hut zu bringen, ist für alle Unternehmen, auch für die NZZ, eine der grössten Herausforderungen, und ich werde deshalb diesem Thema hohe Priorität einräumen», schreibt sie. (wid)